Terroristen-Post: Wie Bin Laden die US-Spione narrte
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Terroristen-PostWie Bin Laden die US-Spione narrte

Terrorfürst Osama Bin Laden verschickte Tausende E-Mails an seine Getreuen – ohne verräterische digitale Fingerabdrücke zu hinterlassen.

von
owi
Osama Bin Laden: Erfinder der USB-E-Mail.

Osama Bin Laden: Erfinder der USB-E-Mail.

Jahrelang rätselten die US-Geheimdienste darüber, wie es dem meistgesuchten Terroristen gelang, mit dem global agierenden Terrornetzwerk Al-Kaida in Kontakt zu bleiben. Ein Anti-Terror-Experte hat nun gegenüber «The Associated Press» interessante Details verraten.

Nachdem die Spezialeinheit Navy Seals der US-Armee Bin Laden in seinem Haus getötet hatte, fanden sie nebst einem Computer auch rund 100 USB-Sticks. Die Datenträger enthalten vermutlich Tausende E-Mails und Hunderte von E-Mail-Adressen. Anscheinend schrieb Bin Laden fleissig Mails auf seinem Computer, kopierte sie auf kleine USB-Sticks und Kuriere brachten diese zu einem Internet-Café. Der Kurier musste lediglich den Datenträger in den Computer stecken, die Nachricht in eine E-Mail kopieren und versenden. Umgekehrt empfingen die Kuriere E-Mails an Bin Laden im Internet-Café und brachten sie auf dem kleinen Datenträger zu seinem Versteck.

Dies garantierte, dass ihm die US-Spione nicht auf die Schliche kamen, selbst wenn sie seine E-Mail zurückverfolgt hätten. Zwar ist zu vermuten, dass Bin Ladens E-Mail-Partner inzwischen ihre E-Mail-Adressen geändert haben. Die Behörden können die Internet-Provider aber zur Herausgabe der Nutzerdaten zwingen und so eventuell weitere Al-Kaida-Mitglieder enttarnen.

Kein Internetanschluss war verdächtig

In seinem Versteck hatte Bin Laden weder Telefon noch Internet. Diese Vorsichtsmassnahme soll indes gar zur Enthüllung seines Aufenthaltsorts beigetragen haben. Die Geheimdienste wurden skeptisch: Warum sollte eine wohlhabende Person auf einem grösseren Anwesen weder Telefon noch Internet haben?

Bin Ladens Kommunikation mit der Aussenwelt war langsam und beschwerlich, aber sie funktionierte über Jahre. Die US-Nachrichtendienste hatten zwar schon lange vermutet, dass das Al-Kaida-Oberhaupt Kuriere benutzt, ahnten indes nichts vom gewaltigen Umfang seiner Kommunikations-Tätigkeit. Die Datenmenge soll so gross sein, dass die US-Regierung arabisch sprechende Agenten von den Nachrichtendiensten anwerben musste, um alle Nachrichten sichten zu können. Laut bisherigen Informationen haben die gewonnenen Informationen keine konkreten Terror-Pläne enthüllt. Sie zeigen aber, dass Osama bin Laden noch viel länger an der Planung der Terror-Aktionen beteiligt war, als die Amerikaner vermutet hatten.

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