COCO-Boni: Wie Boni vor Risiken schützen könnten

Aktualisiert

COCO-BoniWie Boni vor Risiken schützen könnten

Die nächste Bonus-Runde für die hochbezahlten Investmentbanker steht vor der Tür, ein Aufschrei ist gewiss. Doch nun zeichnet sich ein Durchbruch ab.

von
Lukas Hässig
Demonstration vor dem Hauptsitz der UBS am 23. Oktober 2008 in Zürich.

Demonstration vor dem Hauptsitz der UBS am 23. Oktober 2008 in Zürich.

Die Banker-Boni sind und bleiben politischer Zündstoff. Noch hat es kein Land geschafft, diesen Sprengsatz für den Zusammenhalt in den westlichen Gesellschaften zu entschärfen.

Die «Abzockerinitiative» wird in der Schweiz auf die lange Bank geschoben, im Ausland gibts zwar Bonus-Steuer und andere Massnahmen. Das ist riskant. Denn wenn die Banken in wenigen Wochen ein einigermassen erfolgreiches Jahr abschliessen werden und sich ihre «Masters of the Universe» vor Freude auf die Rückkehr zu alten Bonus-Zeiten die Hände reiben können, ist der nächste öffentliche Aufschrei gewiss.

COCO ist das Zauberwort

Nun bringt die englische Barclays Capital, eine der grössten Investmentbanken der Welt, einen interessanten Vorschlag aufs Tapet. Sie will ihren hochbezahlten Händlern und Managern einen Bonus in Form von sogenannten COCOs aushändigen.

Bei den COCOs handelt es sich um spezielle Obligationen, die im Fall einer Krise in Aktien der jeweiligen Bank gewandelt werden. Bei Barclays sähe ein COCO-Bonus wie folgt aus:

Die Investmentbanker kriegen die Hälfte ihres Bonus als COCOs.Damit hätten sie ein Interesse daran, dass sie für die mittlere Frist keine übertriebenen Risiken eingehen würden. Denn die Spezial-Wandelobligationen sind für mindestens drei Jahre gesperrt.In dieser Zeit darf das Eigenkapital der Bank nicht unter eine bestimmte Untergrenze fallen. Sonst werden aus den Obligationen, die einen sicheren Zins von bis zu 10 Prozent versprechen, Aktien mit einer unsicheren Kursentwicklung.

Das Schöne an COCOs als Bonus-Instrument sind die gleichgeschalteten Interessen zwischen Management und Eigentümern. Die Aktionäre sind an nachhaltiger Gewinnentwicklung interessiert, und die Manager wollen ihren Bonus nach der Sperrfrist einkassieren können. Beiden ist geholfen, wenn die Risiken im Griff sind.

Heute herrscht Asymmetrie zwischen Eigentümern und Managern

Das ist bei den heute verbreiteten Bonus-Instrumenten nicht der Fall. Erhalten die Händler und Manager gesperrte Aktien oder Optionen, kann eine riskante Geschäftspolitik aus Sicht der Leute im Business verlockend sein.

Gehen nämlich ihre riskanten Wetten in der kurzen Frist auf und erzielt die Bank stolze Gewinne, steigen die Kurse der gesperrten Aktien und Optionen. Der Bonus-Banker muss dann nur noch darauf achten, dass er seinen Reibach vor einem möglichen Crash machen kann.

Würde Barclays Capital Ernst machen mit den Bonus-COCOs, würden die Engländer dem neuartigen Finanzinstrument Auftrieb verleihen. Die COCOs sind derzeit erst ein Konzept vieler Regulatoren, darunter auch der Schweiz. Diese schreiben den Banken Milliarden von COCOs als Puffer für zukünftige Krisen vor.

Werden COCOs als Eigenkapital global akzeptiert?

Noch zögert Barclays, was bei Konkurrenten wie CS und UBS zu abwartender Haltung führt. Drei Hindernisse stehen im Weg. Es ist noch unklar, wie die COCO-Boni besteuert werden. Ebenso ist offen, ob ein Markt für die Instrumente entsteht, um sie nach der Sperrfrist verkaufen zu können.

Vor allem aber herrscht noch Unsicherheit auf regulatorischer Ebene. Die in der Schweiz zuständige Expertenkommission hat zwar die COCOs als wichtigen zukünftigen Teil des Banken-Eigenkapitals beschlossen. Doch der Plan muss noch vom Parlament gutgeheissen werden. Und international wird erst später entschieden, ob und wie stark COCOs zum Eigenkapital gezählt werden dürfen.

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