Haare weg: Wie Brazilian Waxing die Filzlaus tötete
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Haare wegWie Brazilian Waxing die Filzlaus tötete

Seit tausenden von Jahren sitzt sie dem Menschen im Schritt: die Filzlaus. Nun sind wir die Schamhaar-Plage so gut wie los - dank sieben stutzfreudigen Schwestern aus Brasilien.

von
Adrian Eng

Was vor einigen Jahren noch eine weit verbreitete Plage war, ist nun kurz vor der Ausrottung: Den Filzläusen geht es ans Leder. Die krabbenähnlichen Insekten kommen nur noch selten vor. Sie wurden nämlich um ihren bevorzugten Lebensraum beraubt. Das sechsbeinige Insekt, flügellos und nur rund 2 Millimeter lang, krallt sich gerne in den Haaren fest und legt ihre Eier. Ausserhalb des Körpers stirbt die Filzlaus nach rund 24 Stunden.

Die Pthirus pubis, wie die Filzlaus in Fachkreisen genannt wird, ist seit tausenden Jahren ein steter Begleiter des Menschen und wird vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen. Eine britische Studie aus dem Jahr 2006 hat nun aber zwischen 1996 und 2003 einen starken Rückgang der kleinen Schmarotzer festgestellt. Zum selben Schluss kommt auch die neueste Studie von der Universität New South Wales in Australien.

«Filzläuse waren extrem verbreitet, nun sind sie sehr selten geworden»

«Filzläuse waren extrem verbreitet, nun sind sie sehr selten geworden», sagt Basil Donovon, der die australische Studie verfasst hat. Weltweit sind demnach nur noch 5 bis 10 Prozent von den Läusen betroffen. Tendenz sinkend. Steigend sind hingegen die Umsätze der Enthaarungsindustrie. Diese beliefen sich im Jahr 2012 auf rund 4,3 Milliarden Franken.

Grund für die neue Entwicklung ist laut der Studie das weltweit gestiegene Hygienebewusstsein und vor allem ein neuer Trend in Sachen Enthaarung. Der Trend heisst Brazilian Waxing und verbreitete sich vor rund 25 Jahren vom brasilianischen Städtchen Vitoria über New York in der ganzen Welt. Geprägt wurde er von sieben Schwestern, die aus ihrer brasilianischen Heimat in den Big Apple zogen, um dort mit einem kleinen Enthaarungsstudio (J. Sisters Salon) ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

«Hatten nie mit so einem Erfolg gerechnet»

Mittlerweile haben nicht nur die Damen von der US-TV-Serie «Sex and the City» ihren Intimbereich in die erfahrenen Hände von Jonice Padilha und ihrer Schwestern Jocely, Janea, Joyce, Juracy, Jussara und Judeseia gelegt. Das Waxing hat einen weltweiten Siegeszug hinter sich und ihre Kundenliste liest sich wie das «Who is Who» von Hollywood.

«Als wir den Salon eröffneten, hätten wir nie mit einem solchen Erfolg gerechnet», sagte Jonice Padilha gegenüber US-Medien. «Wir dachten dabei auch nicht daran, gegen Filzläuse zu kämpfen.»

Brazilian Waxing entstand vielmehr dadurch, die Intimbehaarung den knappen Bikinis anzupassen, die heute getragen werden. Die enthaarten Damen machten aber nicht nur eine bessere Figur an den Stränden dieser Welt, sie sorgten auch für magere Zeiten bei der Pthirus pubis.

(Waxen, die Oben-Ansicht. Video: YouTube/Julie Miller)

Keine Probleme in der Schweiz

«Das letzte Mal haben wir vor sieben oder acht Jahren einen Fall von Filzläusen untersucht», sagt Dr. Felix Grimm vom Institut für Parasitologie der Universität Zürich. In der Schweiz sei das Problem Filzläuse praktisch inexistent. Genaue Zahlen sind auch darum in der Schweiz keine Vorhanden. Weder beim Bund noch bei den Kantonen werden die Fälle von Filzlausbefall registriert.

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