Gesundheitsgefährdend: Wie brutal darf Eishockey sein?
Aktualisiert

GesundheitsgefährdendWie brutal darf Eishockey sein?

Bei einem Check gegen den Kopf zerbricht der Helm eines Spielers, ein Ex-NHL-Star entkommt knapp einer Querschnittslähmung. Berufsrisiko?

von
Monika Brand

Förgrens Check gegen den Kopf von Pikkarainen (Video: YouTube)

In Schweden erhitzt derzeit ein Check von Färjestads Jonas Frögren gegen den Kopf von Timrås Ilkka Pikkarainen die Gemüter. Dieser war so heftig, dass gar der Helm des Gefoulten zu Brüche ging. Der Übeltäter erhielt zwar eine Matchstrafe für die Tätlichkeit, wurde bis jetzt aber vom Verband für sein Vergehen noch nicht gesperrt. Pikkarainens Teamkollege Daniel Corso, der in der NHL einst für ein ähnliches Foul fünf Spielsperren erhielt, kritisierte gegenüber dem «Aftonbladet» den mangelnden Respekt im schwedischen Eishockey. «Die Disziplinarkomission muss die Situation beurteilen und einsehen, dass dies die falsche Richtung ist», so der Kanadier.

Es ist nach 14 Runden der Elitserien bereits der siebte Check gegen den Kopf, den die Disziplinarkommision bewerten muss. In der gesamten letzten Saison waren es lediglich deren drei. «Das ist lächerlich», sagt Corso. «Ein Spieler greift den Kopf eines anderen an und wird dafür nicht bestraft. Das heisst für ihn, dass es okay ist, dies zu tun.» Laut dem Kanadier liege es an den Spielern und den Richtern, dem «tödlichen Spiel» ein Ende zu setzen. «Die NHL erhöht die Sperren und die Bussgelder», so der Timrå-Spieler. Das beweise, dass sie solche Fouls nicht toleriere. «Aber das Spiel wird härter und wir Spieler müssen mehr Respekt voreinander haben. Eine Hirnerschütterung kann ein Ausfall für mehrere Monate oder gar das Karrierenende bedeuten.» Viele Hockeyspieler hätten nicht genügend Geld, um nach solch einem Vorfall mit dem Sport aufzuhören. «Wollen sie nach ihrer Karriere etwas anderes arbeiten, ist es schwierig, wenn man wegen einer Gehirnerschütterung die Konzentration bereits nach fünf Minuten verliert.»

Glück für Pikkarainen, Pech für Nylander

Pikkarainen scheint bei dem brutalen Check Glück im Unglück gehabt zu haben. Er sass nach dem Spiel bereits wieder auf dem Hometrainer und gab an, in Ordnung zu sein. Übeltäter Frögren sagte gegenüber der schwedischen Tageszeitung, dass er das Foul nicht extra begangen habe. «Ich suchte wie immer die Schulter. Ich habe die Bilder in Zeitlupe gesehen und es sieht wirklich schlimm aus. Ich hatte keine Zeit mehr zu reagieren und habe es wirklich nicht mit Absicht gemacht», so der Färjestad-Spieler.

Weniger Glück hatte Ex-NHL-Star Michael Nylander in einem AHL-Spiel am letzten Samstag. Der Schwede, der insgesamt 920 Partien in der «härtesten Liga der Welt» absolviert hat, wurde von einem Gegner von hinten gecheckt und prallte mit dem Kopf in die Bande (siehe Video unten). Der 38-jährige schwedische Nationalspieler, der zuletzt 2008/2009 für die Washington Capitals in der NHL spielte, erlitt dabei eine Verletzung an zwei Halswirbeln. Dabei entging er nur knapp einer Querschnittslähmung. «Glücklicherweise trug er keine neurologischen Schäden davon und verlor nicht das Gefühl», sagte der Teamarzt der Rochester Americans am Dienstag zu den Medien. Der Mediziner erwartet, dass der Nylander in sechs Monaten aufs Eis zurückkehren kann.

Check an Michael Nylander

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