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Unruhen in XinjiangWie China den Informationsfluss kontrolliert

China hat aus den Protesten im Iran gelernt. Mobilfunk und Internet sind in der Krisenregion Xinjiang blockiert, gleichzeitig werden ausländische Journalisten eingeladen, sich vor Ort ein Bild zu machen.

von
Peter Blunschi

Mit unzähligen Fotos, Videos und Twitter-Nachrichten gelang es der Protestbewegung im Iran, das Informationsmonopol des Regimes zu durchbrechen. Das Video der sterbenden Neda wurde zum eigentlichen Symbol dieser subversiven Form von Bürgerjournalismus. Die Herrschenden in Teheran konnten die Entwicklung kaum kontrollieren. Sie verschärften die Zensur und warfen ausländische Korrespondenten aus dem Land.

Gebracht hat es wenig, im Gegenteil. Daraus scheint die chinesische Regierung gelernt zu haben. Nach Ausbruch der Unruhen in Xinjiang versuchte sie einerseits, den unkontrollierten Informationsfluss im Keim zu ersticken, auf der anderen Seite wurden ausländische Journalisten eingeladen, vor Ort «mehr über die Ausschreitungen zu erfahren». In einem Hotel in Urumqi wurde sogar ein Medienzentrum eingerichtet, so die «New York Times».

«Great Firewall of China» funktioniert

Allerdings mussten die angereisten Journalisten am Dienstag erfahren, dass sie weder mit Smartphones noch mit dem Laptop ins Internet gelangen konnten. Gleiches gilt für das Handynetz, Anrufe nach Urumqi waren weitgehend unmöglich. Seit Montag ist zudem der Kurznachrichtendienst Twitter in China blockiert. Das chinesische Pendant Fanfou funktionierte, doch Suchbegriffe in Zusammenhang mit Xinjiang funktionierten nicht. Auch Suchmaschinen lieferten bei entsprechenden Anfragen keine Antwort.

Die berüchtigte «Great Firewall of China» scheint zu funktionieren, nur einzelne Videos von Kundgebungen in Urumqi haben den Weg auf YouTube gefunden. «Sie werden immer raffinierter und lernen aus früheren Fehlern», kommentierte Xiao Qiang von der Berkeley-Universität in Kalifornien, ein Experte für die Informationskontrolle der chinesischen Regierung, in der «New York Times».

Anders als letztes Jahr in Tibet

Dabei bezieht er sich weniger auf den Iran als auf die Unruhen in Tibet im Frühjahr 2008. Bereits damals hatten tibetische Aufständische Handyvideos gemacht und ins Internet gestellt. Damals reagierte das Regime mit einer Abriegelung der Provinz, Ausländer durften nicht mehr nach Tibet. Nun ist alles anders: Bereits am Montagmorgen lud die staatliche Informationsbehörde in Peking Journalisten zu einer Reise nach Urumqi ein.

Dort wurden sie mit Propagandamaterial eingedeckt, das die Schuld an den Ausschreitungen uigurischen Separatisten in die Schuhe schob. Ausserdem erhielten sie eine CD mit blutigen Bildern und Videos, die vor allem Übergriffe auf Han-Chinesen zeigen. Ausserdem durften sie am Dienstagmorgen eine Tour durch eines der am stärksten betroffenen Quartiere unternehmen. Interviews und Exkursionen auf eigene Faust allerdings waren nicht gestattet.

Kontrollierter Einblick in Probleme

Allerdings zeigten sich laut «New York Times» dabei die Grenzen der Strategie, als zahlreiche protestierende Uiguren, vorwiegend Frauen, sich zu den Journalisten durchkämpfen und die Freilassung ihrer Freunde und Angehörigen verlangen konnten. Auch die Berichte von Racheakten der chinesischen Bevölkerung passen kaum ins Bild.

Die Regierung aber habe offenbar entschieden, der Welt lieber einen kontrollierten Einblick in die Probleme der Nation zu gewähren, als zu schweigen und den Kritikern das Feld zu überlassen, sagte Xiao Qiang aus Berkeley: «Twitter und das Internet kann man blockieren. Aber bei ausländischen Journalisten nützt es der Regierung mehr, wenn man sie unter Kontrolle halten kann.»

Uigurische Frauen demonstrieren am Dienstag in Urumqi$$VIDEO$$(Quelle: APTN Video)

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