Wahlen 2011: Wie CVP und FDP die Aufsteiger umwerben
Aktualisiert

Wahlen 2011Wie CVP und FDP die Aufsteiger umwerben

Weil bei CVP und FDP die Wählerstimmen bröckeln, sind die Newcomer BDP und Grünliberale begehrte Bündnispartner. Profitieren würden bei einer Kooperation alle Beteiligten.

von
Lukas Mäder
Begehrte Partner für Listenverbindungen im Herbst: Die beiden aufstrebenden Kleinparteien BDP und Grünliberale (GLP).

Begehrte Partner für Listenverbindungen im Herbst: Die beiden aufstrebenden Kleinparteien BDP und Grünliberale (GLP).

Den traditionellen Mitteparteien CVP und FDP droht bei den Eidgenössischen Wahlen im Herbst eine Niederlage. Entsprechend nervös verhalten sich die Christdemokraten bei ihrer Suche nach Verbündeten. Fraktionschef Urs Schwaller äusserte seinen Unmut darüber, dass die BDP nicht ausschliesslich mit der CVP, sondern in gewissen Kantonen auch mit der FDP Listenverbindungen eingeht. Die Grünliberalen (GLP) stehen in Luzern in der Kritik, weil sie entsprechende Gespräche mit SP und den Grünen führen sollen, obwohl sie auf nationaler Ebene Fraktionspartner der CVP sind.

Der Grund für die gereizte Stimmung bei der CVP ist klar: Sie wollen in möglichst vielen Kantonen Listenverbindungen mit den neu aufstrebenden Mitte-Parteien BDP und GLP eingehen. Denn das Schweizer Wahlsystem bevorzugt die grossen Parteien. Die Mitte zersplittert aber wegen den beiden Neu-Parteien zunehmend. Ihr Wählerschwund bedeutet für die CVP und FDP konkrete Mandatsverluste. Listenverbindungen können diese abschwächen.

Statistisch gesehen verschafft jeder zusätzlicher Partner einer Listenverbindung bis zu einem halben Mandat, sagt der Politologe Daniel Bochsler. Schliessen sich drei bis vier einigermassen bedeutende Parteien zusammen, sei ihnen der Gewinn eines zusätzlichen Mandats sicher. Wie entscheidend Listenverbindungen sein können, haben die linken Parteien in den letzten Jahren vorgemacht. «Die Linken profitieren von einem Zusammengehen, weil es in vielen Kantonen zahlreiche linke Parteien gibt», sagt Bochsler, der sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt hat. Dank Listenverbindungen werden die Kräfte von SP, Grünen und zahlreichen sozial-ökologischen bis sozialistisch-kommunistischen Bewegungen gebündelt und in Sitzgewinne umgemünzt.

Politische Befindlichkeiten gegen Allianz

Ursprünglich soll es für die Wahlen im Herbst die Idee einer Mitte-Allianz für einen gemeinsamen Wahlkampf und Listenverbindungen gegeben haben. Diese ist inzwischen vom Tisch, weshalb es derzeit in jedem Kanton zu separaten Verhandlungen über ein Zusammengehen kommt. Dabei sind BDP und GLP in der komfortablen Situation, von den traditionellen Mitteparteien umworben zu werden. Zwar stünde rein mathematisch einer Verbindung von CVP und FDP nichts entgegen, wie Bochsler sagt. Doch es spielen auch politische Befindlichkeiten und die Glaubwürdigkeit eine Rolle, weshalb sich FDP und CVP nur selten in einzelnen Kantonen zusammenschliessen. «Eine Listenverbindung muss man den Wählern auch glaubwürdig verkaufen können», begründet Bochsler diese Zurückhaltung.

Die Verbandelung mit BDP und GLP hat noch weitere Vorteile. Innerhalb einer Listenverbindung bevorzugt das Wahlsystem wiederum die grösseren Partner. CVP und FDP gehen deshalb lieber mit Parteien zusammen, die kleiner sind als sie. Damit deswegen im linken Block nicht nur die SP von der Kooperation profitiert, haben sich dort Unter-Listenverbindungen ohne die SP gebildet, wie Bochsler sagt. «Die Grünen haben in den letzten Jahren wegen diesen Unter-Listenverbindungen so gut abgeschnitten.»

«Nur zuwenig gute Listenverbindungen»

Doch nicht nur der stärkere Partner profitiert von Listenverbindungen, stellt Bochsler klar. «Mit Listenverbindungen könnten Parteien gar nicht verlieren.» Wegen diese mathematischen Logik lohnen sich Kooperationen auch für BDP und GLP. Sie können laut Bochsler nur gewinnen oder leer ausgehen. «Es gibt keine schlechten Listenverbindungen, nur im Vergleich zu anderen zu wenig gute.»

Welche Listenverbindung für sie die besten sind, versuchen nun BDP und GLP als umworbene Neuparteien herauszufinden. Doch solche Prognosen sind laut Bochsler oft extrem schwierig, besonders wenn viele Parteien involviert sind. Für die grösseren Parteien gilt als Grundsatz, dass Listenverbindungen mit einer möglichst kleinen Partei eingegangen werden sollten. Für die kleinen Parteien ist es hingegen von Vorteil, mit einem etwa gleich grossen Partner zusammenzugehen. Wer das sein wird, entscheiden BDP und GLP. Sie sitzen am längeren Hebel.

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