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Wolfsmensch-MythosWie Darwin dem Werwolf den Garaus machte

Charles Darwin ist massgeblich verantwortlich für das Aussterben einer ganz besonderen Spezies: Der britische Biologe war beteiligt am Verschwinden der Werwölfe.

von
dhr

Der Werwolf, ein zum Wolf mutierter Mensch, hat über Jahrhunderte die Fantasie und die Ängste der Menschen in Europa beflügelt. Lange Zeit war das hybride Monster ein wichtiger Teil der tödlichen Gefahren, die von unseren Vorfahren für völlig real gehalten wurden. Wer das Pech hatte, als Werwolf angeklagt zu werden, verlor sein Leben in der Regel qualvoll auf dem Scheiterhaufen.

Mit der Aufklärung schwand der Glaube an Hexen, Zauberer und auch an Werwölfe. Den endgültigen Todesstoss versetzte dem Aberglauben aber ein berühmter britischer Biologe – Charles Darwin. Das behauptet zumindest Brian Regal von der Kean University in Union im US-Staat New Jersey. Der Wissenschaftshistoriker untersucht die Geschichte von Monstermythen und deren Wechselwirkung mit der Wissenschaftsgeschichte.

Bigfoot statt Werwolf

Regal beobachtet einen starken Rückgang der Werwolf-Geschichten im späten 19. Jahrhundert. Bis zum frühen 20. Jahrhundert schliesslich waren die Berichte fast gänzlich verschwunden. Im gleichen Zeitraum nahmen Regal zufolge Berichte über vermeintliche Affenmenschen aus den USA, Zentralasien, Russland, Afrika und Indonesien enorm zu. «Die Zahlen solcher Berichte gehen in die Tausende», erklärt der Wissenschaftshistoriker. «Interessanterweise gab es in Frankreich, Deutschland und der Balkan-Region, woher zuvor viele der Werwolf-Geschichten kamen, keine Berichte über Affenmenschen.»

Das «Monster von Bray Road»

Allerdings dürfe man nicht annehmen, dass ein derart komplexes Phänomen wie ein über Jahrhunderte hinweg tradierter Aberglaube einfach aufgrund einer einzigen Ursache verschwinde. «Die darwinsche Evolution war Teil einer ganzen Sammlung von Kräften, die wir vage als ‹Modernismus› beschreiben können», meint Regal. So gab es auch im ausgehenden 20. Jahrhundert und selbst noch im frühen 21. Jahrhundert Berichte über Werwölfe, wie zum Beispiel über das «Monster von Bray Road», einen angeblichen Werwolf im US-Staat Wisconsin.

Für Regal spielt die Evolutionstheorie eine wichtige Rolle dabei, welche Art von Monster die menschliche Fantasie bevölkert. Da Wolf und Mensch vom Standpunkt der Evolutionstheorie aus gesehen nur sehr weit entfernt miteinander verwandt sind, war die neue Theorie nicht dazu geeignet, den Aberglauben vom Wolfsmenschen zu nähren. Anders verhielt es sich da beim Affenmenschen: Für die meisten Leute bestand ja die prägnanteste – und schockierendste – Zusammenfassung der Evolutionstheorie in der These, der Mensch stamme vom Affen ab. Folgerichtig tauchen, wie Regal zeigt, affenartige Monster wie der Yeti oder Schneemensch aus dem Himalaya und der Bigfoot aus Nordamerika nach Darwin viel häufiger auf als vor ihm. Darwin habe zwar nichts zu Werwölfen gesagt. Doch seine Theorie «sprach vielmehr generell gegen Werwölfe, Meerjungfrauen oder andere solche Kreaturen», erklärt Regal. «Daher können wir in gewisser Hinsicht sagen, dass Darwin dabei geholfen hat, den Werwolf zu töten.»

Werwolf (Lykanthrop)

Der Begriff «Werwolf» (von germanisch «wer» für «Mann», althochdeutsch auch «Mannwolf») steht im mythologischen Aberglauben für einen meist männlichen Menschen, der sich nachts bei Vollmond in einen blutdürstigen Wolf verwandeln kann. Ursprung des Aberglaubens dürften kultische Rituale der Skythen zu Ehren eines wolfsgestaltigen Gottes gewesen sein. Fälle von Menschen, die von Tollwut befallen oder Opfer von Psychosen (Lykanthropie) wurden, könnten die Verbreitung des Mythos begünstigt haben.

In Mittelalter und früher Neuzeit kam es im Zuge der Hexenprozesse auch zu Verfahren gegen Personen, denen vorgeworfen wurde, sich in Werwölfe zu verwandeln.

Das moderne Bild des Werwolfs ist stark durch Hollywoodfilme geprägt. So ist die Vorstellung, dass Opfer einer Werwolfattacke ebenfalls zum Werwolf mutieren, erst 1941 im Film «The Wolf Man» bekannt gemacht worden.

(Quelle: Wikipedia.org)

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