«The Perils of Man»: Wie das beste Schweizer Game 2014 entstand
Aktualisiert

«The Perils of Man»Wie das beste Schweizer Game 2014 entstand

Sie sprangen ins kalte Wasser und tauchten mit einem Game-Award auf: Die Erfinder von «The Perils of Man» und Gründer von IF Games eroberten per Zufall die Game-Welt.

von
Jan Graber
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Hatten von Game-Entwicklung keine Ahnung und gewannen mit ihrem ersten Game den SGDA Swiss Game Award: Philipp Zünd (links) und Mike Huber.

Hatten von Game-Entwicklung keine Ahnung und gewannen mit ihrem ersten Game den SGDA Swiss Game Award: Philipp Zünd (links) und Mike Huber.

Jan Graber
«The Perils of Man» handelt von Ana Eberling, die zum 16. Geburtstag ein mysteriöses Geschenk von ihrem verschollenen Vater, einem Forscher, erhält.

«The Perils of Man» handelt von Ana Eberling, die zum 16. Geburtstag ein mysteriöses Geschenk von ihrem verschollenen Vater, einem Forscher, erhält.

Das Geschenk weckt Anas Neugier und sie macht sich auf die Suche nach der Geschichte ihres Vaters und dem eigenartigen Rätsel, das ihre Familie umgibt.

Das Geschenk weckt Anas Neugier und sie macht sich auf die Suche nach der Geschichte ihres Vaters und dem eigenartigen Rätsel, das ihre Familie umgibt.

Dass Mike Huber und Philipp Zünd jemals ein Game entwickeln würden, liessen sich die beiden Gründer des Animations- und Werbeproduktionsstudios Boutiq wohl nicht träumen. Geschweige denn, dass sie mit ihrem ersten Game gleich einen Award gewinnen würden. Denn mit Game-Entwicklung hatten weder Huber noch Zünd bisher etwas am Hut.

Rückblende: Zünd und Huber lernen sich im auslaufenden 20. Jahrhundert in Amerika kennen und verstehen sich auf Anhieb. Sie erkennen, dass sie sich mit ihren Fähigkeiten ideal ergänzen: Der heute 49-jährige Mike Huber dreht Filme und ist tief in der Welt der bewegten Bilder verwurzelt, der neun Jahre jüngere Philipp Zünd studiert in Los Angeles Design und Animation und experimentiert mit Urversionen neuartiger Animationstechnologien. Und er weiss, wie man eine Idee verkauft.

Plötzlich ein Auftrag

Zünd und Huber erkennen, dass sie im Bereich des Motion Designs eine Nische erobern können und entdecken dabei das Potenzial, bewegte Grafik und Film zu vermischen. 2006 schliessen sie sich zusammen und gründen die Firma Boutiq, um Werbe- und Corporate-Filme zu drehen sowie Animationen herzustellen. Sechs Jahre später – Boutiq ist bereits ein erfolgreiches Unternehmen – tauchen die ersten intelligenten Telefone am Horizont auf. Geräte, mit denen sich mehr anstellen lässt, als nur zu telefonieren.

Als der Versicherer Swiss Re an die beiden herantritt, um sich für das 150-Jahr-Jubiläum ein eigenes Game zu spendieren, zögern Huber und Zünd: Obwohl Huber ein passionierter Gamer ist, haben sie keine Ahnung von Game-Entwicklung. Doch die Experimentierlust packt sie. «Uns hat das Neue immer gereizt, es ist Teil unserer Arbeit», sagt Huber. Aus ihrem weit geknüpften Netzwerk trommeln sie aus aller Welt Leute zusammen, die helfen können. Sie schreiben ein 80-seitiges Drehbuch, holen sich Input von einem Game-Designer von LucasArts und beginnen mit der Entwicklung des Spiels «The Perils of Man» – einem Game, das von der Voraussicht für drohende Gefahren handelt.

Scheitern und wachsen

Bald zeigt sich: Das Spiel wird grösser, als gedacht. «Es brach uns fast das Rückgrat», sagt Huber. Weil sie im Point'n'Click-Abenteuer für Tablets ein Live-Rendering von Filmen möchten, stecken sie mehr als ein Jahr in die Entwicklung dieser Technologie – und scheitern. Doch sie erkennen auch, dass das Spiel mehr ist als nur ein Werbe-Game. Also kaufen sie einen Teil der Rechte zurück und gründen das Studio IF Games. Swiss Re bleibt als Sponsor an Bord und bringt sogar eigene Ideen mit ein; «The Perils of Man» wird zu einem ausgewachsenen Spiel – eines der wenigen Point'n'Click-Abenteuer für Tablets.

Das Game sorgt schnell für Aufmerksamkeit - und wird als bestes Schweizer Game 2014 auf den Thron der Vorzeige-Games aus einheimischem Schaffen gehoben. «Als wir vom SGDA-Award erfuhren, haben wir uns gefreut wie kleine Kinder – mehr noch als über viele Filmpreise», sagt Zünd. Und Huber ergänzt: «Wir fühlen uns wie Goldgräber in Klondyke, die Gold gefunden haben.» Huber vergleicht die Game-Entwicklerszene generell mit der Goldgräberstimmung von einst – mit dem Unterschied, dass man sich gegenseitig unter die Arme greift.

«Ich bin erstaunt, dass wir mit offenen Armen empfangen wurden», sagt Huber. Ganz im Gegensatz zur Filmszene, wo jeder möglichst für sich arbeite, spüre er in der Schweizer Game-Entwicklerszene einen Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung. In diese Community ist mit IF Games nun ein neuer starker Spieler eingetreten.

«The Perils of Man»

In «The Perils of Man», einem Point'n'Click-Abenteuer fürs iPad, schlüpfen Spieler in die Haut von Ana Eberling, die zu ihrem 16. Geburtstag ein Geschenk von ihrem einst verschollenen Vater erhält: einen mysteriösen Schlüssel zu einer Maschine, die die Gefahren der Zukunft voraussieht und letztere ändern kann. Bevor die Maschine läuft, muss Ana sie jedoch flicken. Spieler machen sich im grafisch einfachen, doch packenden Spiel auf die Suche nach Informationen zur Geschichte von Anas Familie und nützlichen Objekten, um Rätsel zu lösen.

Mehr Infos zu «The Perils of Man».

«The Perils of Man» ist für 5 Fr. im Appstore erhältlich.

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