1917–2019: Wie der Erste Weltkrieg die Muba hervorbrachte
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1917–2019Wie der Erste Weltkrieg die Muba hervorbrachte

In Zeiten wirtschaftlicher Not sollte die Basler Mustermesse dem Schweizervolk wieder Zuversicht schenken. Nun findet sie mangels Publikumsinteresse zum letzten Mal statt.

von
lha

Die Muba wurde in turbulenten Zeiten gegründet und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. (Video: Wibbitz/20 Minuten)

«Überall und auf allen Gebieten geht Basel voran. Namentlich auch in diesen schweren Zeiten, wo die Not an Türen klopft», sprach Bundespräsident Edmund Schulthess beim Empfang der Behörden und Gäste anlässlich der ersten Basler Mustermesse 1917. Europa, im Krieg versunken, lag auch wirtschaftlich darnieder. «Die Mustermesse ist nicht aus Zufall gerade in dieser Zeit entstanden, wo jedermann die Frage nach unserer wirtschaftlichen Zukunft auf den Lippen liegt», so Schulthess weiter.

Mit Stolz blicke das ganze Schweizervolk nun auf das Mustergemeinwesen, das hier in Basel ernste Wissenschaft, weitblickender Handel und kühne Industrie gepaart mit traditionellem Gemeinsinn und sozialem Verständnis geschaffen habe. Die Muba wurde während des Ersten Weltkriegs aus der Taufe gehoben, um dem Volk Zuversicht zu schenken. Eine Leistungsschau der Schweizer Wirtschaft mit propagandistischer Komponente.

Eine Messe hinterlässt viele Kinder

Begleitend zur Messe erschienen mehrere Druckschriften. So erschienen vor der Messe «stattlich, schön illustrierte Hefte», die auch Aufsätze volkswirtschaftlichen Inhalts enthielten. So wurde im ersten Katalog der Muba etwa auf die Abhandlung von Dr. Traugott Geering, dem Sekretär der Basler Handelskammer, zu den neuen Schweizer Industrien in den Heften 11 und 12 hingewiesen. Präsident des ersten Messe-Organisationskomitees war übrigens ein gewisser Dr. Hermann Blocher, seinerzeit Basler Regierungsrat für die SP. Er war der Grossonkel von Christoph Blocher.

Von den Ausstellern sind einige heute noch im Geschäft. Etwa die Federnfabrik der Gebrüder Baumann aus dem zürcherischen Rüti, die im ersten Muba-Katalog auf einer ganzen Seite ihr Sortiment anpries. Oder die Bieler Uhrenmanufaktur Rolex, die ihre Produkte mittlerweile an der Uhren- und Schmuckmesse präsentiert. Die Muba hat ihren Übernamen Mutter aller Messen nicht von ungefähr. Die Baselworld wie auch die Swissbau oder die Holz sind alles Kinder der Mustermesse.

Jahrelanger Bedeutungsverlust

Die «Mutter der Messen» wird nun allerdings zu Grabe getragen. Vom 8. bis 17. Februar findet die Derniere statt. Nachdem die Besucherzahlen seit Jahren rückläufig sind, hat sich das Konzept Mustermesse überlebt. Zog die erste Muba 1917 noch 300'000 Besucher an, waren es letztes Jahr noch 123'746. Die «NZZ» resümierte schon in ihrem Jubiläumsbeitrag: «Einst nationale Leistungsschau, hat die Mustermesse in Basel nach 100 Jahren nur noch regionale Bedeutung.»

Zur Erstausgabe machte noch fast der gesamte Bundesrat der Messe seine Aufwartung. «Vor allem möchte ich der Stadt Basel die Versicherung bringen, dass noch nie das Interesse des Bundes so lebhaft für sie war, dass noch nie unsere Herzen so warm für sie geschlagen haben», richtete Bundespräsident Schulthess in seiner Grussbotschaft anno 1917 aus. Zur Derniere hat sich, es ist eine Premiere, noch kein Bundesrat angemeldet.

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Tief unter der Rundhofhalle sind alte Schätze der Messe Basel eingelagert.

Tief unter der Rundhofhalle sind alte Schätze der Messe Basel eingelagert.

20 Minuten/lha
In diesem Raum sind sämtlich Ausstellungskataloge der Muba und anderer Messen aufbewahrt.

In diesem Raum sind sämtlich Ausstellungskataloge der Muba und anderer Messen aufbewahrt.

20 Minuten/lha
Muba-Messechef Daniel Nussbaumer und Muba-Sprecherin Sabrina Oberländer stöbern durch die Archivschätze.

Muba-Messechef Daniel Nussbaumer und Muba-Sprecherin Sabrina Oberländer stöbern durch die Archivschätze.

20 Minuten/lha

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