Zwielichtiger Financier: Wie der Ex-Jockey mit den Anlegern umsprang
Aktualisiert

Zwielichtiger FinancierWie der Ex-Jockey mit den Anlegern umsprang

Seit Montag sitzt Ex-Jockey und Financier Martin Gloor nach einem Fluchtversuch in Haft. Ihm werden Vermögensdelikte vorgeworfen. Ein Geschädigter erzählt, wie er Gloor auf den Leim ging.

von
Sandro Spaeth
Der umstrittene Financier Martin Gloor ist Präsident des Rennvereins Zürich. Er blickt auf eine Karriere als Jockey zurück und erzielte in seinen erfolgreichsten Jahr 1989 elf Siege.

Der umstrittene Financier Martin Gloor ist Präsident des Rennvereins Zürich. Er blickt auf eine Karriere als Jockey zurück und erzielte in seinen erfolgreichsten Jahr 1989 elf Siege.

Harte Holzbank statt lederner Chefsessel, Gitterstäbe statt Aussicht auf den Paradeplatz. Seit gestern sitzt Martin Gloor nicht mehr in seinem Büro an der noblen Bahnhofstrasse, sondern in einer Zürcher Strafanstalt. Die Staatsanwaltschaft hat den CEO der Firma Core Capital Partners AG am Montagmorgen verhaftet und seine Büros durchsucht, wie das Nachrichtenmagazin «10vor10» des Schweizer Fernsehens berichtete. Zuvor hatte der Financier versucht, sich mit einer spektakulären Flucht dem Zugriff zu entziehen.

Ein Geschädigter beschreibt den heute 43-jährigen Ex-Jockey im Gespräch mit 20 Minuten Online als äusserst galanten Typ und brillanten Redner, der stets gut angezogen ist. Der Anleger aus der Ostschweiz hatte Gloors Firma 4,5 Millionen Franken anvertraut, damals im Sommer 2008, als Core Capital noch an einer «bescheidenen» Adresse in Zollikon domiziliert war. Dann folgte der Umzug an die teure Bahnhofstrasse, «wo alles nach Geldverschwendung aussah». Gloor hatte das Geld des Ostschweizer Anlegers unter anderem in Aktien des deutschen Medizinalbedarf-Unternehmens Vangaurd investiert. Der Ostschweizer kaufte auf die Beratung von Gloor hin 50 668 Stück zu einem Preis von 18.20 Euro. Heute ist die nicht an der Börse gehandelte Aktie noch höchstens ein Paar wenige Euro Wert.

Deals liefen über Bermuda Inseln

Was Gloor laut dem Geschädigten unterlassen hatte, war der Eintrag des Aktienkaufs ins Aktienregister. Zwei Jahre später waren erst 10 000 Stück übertragen. Was ist mit dem Rest geschehen? «Es ist unklar, ob Gloor die Anteile tatsächlich gekauft oder das Geld unterschlagen hat», sagt der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer, der in der Causa Gloor mehrere Geschädigte vertritt. Für Fischer macht die unterlassene Handlung den Eindruck, als wolle jemand etwas verbergen. Der geprellte Ostschweizer Anleger vermutet auch: «Gloor war womöglich selbst an den Firmen beteiligt und nützte unsere Käufe, die den Kurs hochtrieben, zum Ausstieg.» Zudem war es nie Gloor selbst, der die Aktien verkaufte, sondern die CC Private Equity Capital Partners Ltd. im Steuerparadies Bermudas.

Als der Ostschweizer Anleger an Gloor zu zweifeln begann und verlangte, er solle die Anlagen verkaufen, war es bereits zu spät. Der Schaden belief sich bereits auf gegen 3 Millionen Franken. «Ich wollte Gloor zur Rede stellen, doch er war immer häufiger nicht erreichbar oder sagte vereinbarte Sitzungen in letzter Sekunde ab», so der Anleger, den der Verlust zwar schmerzt, nicht aber in einen finanziellen Engpass bringt. Schliesslich verlangte der geprellte Anleger, dass er von allen Verträgen zurücktreten könne und betrieb Gloors Firma vor rund vier Wochen auf 4.5 Millionen Franken.

Mehrere Strafanzeigen am Hals

«Gloor ist ein äusserst gewiefter Redner, der es immer wieder schafft die Leute zu blenden», sagt Wirtschaftsanwalt Fischer. Man habe versucht mit dem Financier eine einvernehmliche Lösung zu finden und habe vorerst von einer Strafanzeige abgesehen. Der Grund: Ein Verfahren kann sich enorm in die Länge ziehen und für den Kläger sehr teuer werden. Laut Fischer hat Gloor sein Vorgehen mit teilweise irrwitzigen Dokumenten zu erklären versucht. Zudem: Statt mit dem Anwalt versucht Gloor mit den gutgläubigen Investoren direkt zu verhandeln. Nun ist aber auch Fischer der Geduldsfaden gerissen und er wird im Namen des Ostschweizer Anlegers in den nächsten Tagen Strafanzeige einreichen.

Dies hat im Frühjahr bereits der Zürcher Rechtsanwalt Michael Werder. Er schätzt, dass rund 50 Prozent des Geldes, das Gloor in Start-Up-Firmen zu investieren versprach, in Gloors eigner Firma verschwand. Die Summe schätzte er gegenüber «10vor10» auf 10 Millionen Franken.

Grosszügige Versprechen

Dass Gloor ein brillianter Rhetoriker ist, zeigt auch dies: Er liess sich im Frühjahr 2011 zum Präsidenten des Rennvereins Zürich, dem ältesten Pferdesportverein der Schweiz wählen und wurde gefeiert, als er versprach die Vereinsschulden von 1,5 Millionen Franken persönlich zu tilgen und 20 Millionen Franken in den Ausbau der Pferderennbahn in Dielsdorf zu investieren. Was die Versprechen wert sind, wird sich weisen.

Was weder die Zürcher «Pferdsport-Freunde» noch die Anleger wussten: Bereits vor Jahren war Gloor in Monaco wegen Betrügereien verurteilt und mit einer Einreisesperre belegt worden. Zudem wurde Gloor 2007 vor dem Obergericht in Zug wegen Beihilfe zu gewerbsmässigem Betrug zu 14 Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt.

Zum hängigen Verfahren gilt die Unschuldsvermutung. 20 Minuten Online hätte den Angeschuldigten gerne mit den Vorwürfen konfrontiert. Aufgrund seiner Inhaftierung war das aber nicht möglich.

Kaufvertrag zwischen der CC Privat Equity Partners Ltd. auf den Bermudas und einem Schweizer Anleger.

NZZ rechtfertigt sich

«10vor10» warf dem NZZ-Journalisten Peter Jegen vor, er habe seine journalistischen Sorgfaltspflichten verletzt. Die NZZ-Chefredaktion hält dazu in einer Stellungnahme u.a. fest: Weder die NZZ noch der Autor wussten von unlauteren Machenschaften, wie sie Gloor vorgeworfen werden, noch kannten sie dessen Vorstrafen. Die Tatsache, dass Jegen als Privatperson dem Rennsportverein Zürich als Mitglied verbunden ist, 2011 für diesen u.a. gewisse Medienleistungen erbracht hat, wird von der NZZ-Chefredaktion mit Verweis auf interne Gepflogenheiten und standesethische Prinzipien als unzulässiger Interessenskonflikt gewertet. Entsprechend werde der Autor beim Thema Gloor/Rennsportverein Zürich mit sofortiger Wirkung in den Ausstand treten.

Spektakuläre Flucht

Wie die «Tagesschau» von SF berichtete, wollte Gloor durch ein Fenster aus einer Zürcher Wohnung flüchten. «Nach 7 Uhr erhielten wir einen Anruf, dass im Seefeld ein Mann an einer Fassade hänge und nicht mehr weiter komme», erklärte Mario Cortesi, Sprecher der Stadt Polizei Zürich, gegenüber der «Tagesschau». Polizei und Feuerwehr seien daraufhin ausgerückt, ohne zu wissen, um wen es sich bei dem Mann handelte. Als die Beamten vor Ort angekommen waren, liess sich Gloor schliesslich widerstandlos festnehmen

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