Klare Regeln: Wie der Hirntod festgestellt wird
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Klare RegelnWie der Hirntod festgestellt wird

Weil ihnen die Erfahrung fehlt, haben Ärzte in Deutschland Patienten fälschlicherweise für hirntot erklärt. In der Schweiz ist dies kaum möglich.

von
Claudia Hoffmann
Tot oder noch am Leben? Bei der Diagnose darf kein Fehler passieren.

Tot oder noch am Leben? Bei der Diagnose darf kein Fehler passieren.

Organe für Transplantationen stammen meist von Menschen, deren Kreislauf zwar noch durch Maschinen aufrechterhalten wird, deren Gehirn aber bereits abgestorben ist. Diesen so genannten Hirntod müssen Ärzte in der Schweiz mit Hilfe vorgeschriebener Tests feststellen (siehe Box).

In Deutschland gelten ähnlich strenge Richtlinien. Trotzdem sind dort jüngst Fälle bekannt geworden, in denen Ärzte sich nicht daran hielten. Sie erklärten Patienten für hirntot, ohne die Diagnostik korrekt durchgeführt zu haben. Das Problem: Viele der Mediziner haben zu wenig Erfahrung mit der Hirntod-Diagnose. Denn in kleineren Spitälern bekommen sie nur sehr selten einen solchen Patienten zu Gesicht. Das ist in der Schweiz nicht anders.

«Trotzdem können hier solche Fehler nicht passieren», sagt Franz Immer von Swisstransplant, der nationalen Koordinationsstelle für Organtransplantationen. Die Begründung:

• In der Schweiz gibt es sechs spezialisierte Transplantations-Zentren. Nur diese sowie die so genannten Entnahme-Zentren, zu denen vor allem grosse Kantonsspitäler zählen, dürfen selbst Organentnahmen durchführen.

• Der Hirntod eines potenziellen Spenders wird in diesen Zentren festgestellt. Die Diagnose stellen dafür geschulte Intensivmediziner oder Neurologen, die viel Erfahrung haben.

• Spender aus kleinen Spitälern werden zur Diagnose in eines der Zentren verlegt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass niemand irrtümlich für tot erklärt wird.

So stellen Ärzte fest, ob jemand hirntot ist

Laut dem Schweizer Transplantationsgesetz ist ein Mensch hirntot, wenn sämtliche Funktionen seines Gehirns einschliesslich derjenigen des Hirnstamms unwiderruflich ausgefallen sind. Das prüfen qualifizierte Ärzte anhand einer Liste mit sieben Punkten. Zu diesen zählt, dass der Patient im Koma liegt und dass ihm darüber hinaus bestimmte Reflexe fehlen und er nicht spontan atmet.

Den Hirntod müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander feststellen, von denen mindestens einer nicht in die Transplantation oder die Patientenbetreuung eingebunden sein darf. Möglich, aber nicht vorgeschrieben, ist eine zusätzliche Untersuchung mittels Computer-Tomografie: Diese zeigt beim gesunden Gehirn die gut sichtbaren Blutgefässe (Bild oben). Das Hirn im rechten Bild ist hingegen nicht mehr durchblutet – und somit tot. (ho)

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