Trenchcoat: Wie der Krieg plötzlich Mode machte

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TrenchcoatWie der Krieg plötzlich Mode machte

Heute ein zeitloses Kleidungsstück wurde der Trenchcoat ursprünglich für das britische Militär entworfen. Er sollte die Soldaten im Einsatz vor Wind und Wetter schützen.

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Der Trenchcoat – ein mittellanger, kapuzenloser und meist doppelreihiger Mantel mit Gürtel – ist ein Klassiker. Manche behaupten sogar, er sei ein Muss in jedem Kleiderschrank. Einige haben sogar gleich mehrere davon. Doch lange bevor der praktische Kurzmantel aus Gabardine in das Bewusstsein von modebewussten Menschen rückte, war er fester Bestandteil der Uniform britischer Offiziere.

Seine Ursprünge gehen zurück auf das Ende des 19. Jahrhunderts, als die Hersteller Burberry und Aquascutum zusammen ein wasserabweisendes Kleidungsstück entwarfen, das die Offiziere der Armee Königin Victorias vor dem wechselhaften britischen Wetter schützen und gleichzeitig auch kleiden sollte.

Der Spitzname setzt sich durch

Der sogenannte Tielocken kam gut an: «Dieser Mantel ist so bequem, dass ich traurig sein werde, wenn er einmal abgetragen ist. Er ist der beste Schutz gegen Wind, Schnee und Regen, den ich je hatte», zitierte Burberry einen gewissen H.S. in einer Werbeanzeige aus dem Jahr 1912. Tatsächlich bot der überknielange Armeemantel alles, was ein Offizier damals brauchte, beispielsweise Schulterklappen zum Anbringen des Rangabzeichens. Diese sorgten gleichzeitig dafür, dass der Gewehrriemen nicht abrutschte. Am Gürtel gab es zudem Metall-Ösen, um Handgranaten und andere Gegenstände zu befestigen und zu transportieren.

Zum ersten Mal zum militärischen Einsatz kam das khakifarbene und damit unauffällige Oberkleid im Zweiten Burenkrieg (1899–1902). Weltberühmt machte ihn jedoch erst der Erste Weltkrieg (1914–1918). Weil er den britischen Soldaten vor allem in den Schützengräben (englisch: trench) gute Dienste erwies, bekam der Mantel (englisch: coat) schon bald einen Spitznamen, der den eigentlichen Namen schon bald ersetzte: Der Trenchcoat war geboren.

Über Hollywood auf die Laufstege

Da die Soldaten auch nach dem Krieg nicht mehr auf das praktische Kleidungsstück verzichten wollten, nahmen sie es mit nach Hause und zivilisierten es so. Bald darauf konnte der Trench, wie er häufig genannt wird, auch von Privatleuten erworben werden, was diese auch rege taten. Zunächst nur in Grossbritannien, später weltweit. Dies jedoch nicht nur, weil er dank seines schlichten Looks zu allem passte und aufgrund seiner Robustheit überaus praktisch war, sondern auch weil Hollywood ihn entdeckte und so ganz nebenbei die Werbetrommel rührte.

Schauspieler Humphrey Bogart lancierte ihn in dem Film «Die Spur des Falken» (1941) als ultimatives Kleidungsstück für Privatdetektive. Peter Falk folgte seinem Beispiel als «Columbo». Unvergessen ist auch der Auftritt von Audrey Hepburn in «Breakfast at Tiffany's» (1961), als sie am Ende als Holly Golightly mit einem Trenchcoat bekleidet dem strömenden Regen trotzt und Paul Varjak alias George Peppard küsst.

Schliesslich eroberte der einstige Armeemantel auch die Laufstege dieser Welt. Denn heute wird der Trench nur noch locker definiert. Es gibt ihn in unterschiedlichen Längen und Farben. Selbst gemustert wird er heute produziert. Doch wie immer er auch geartet ist: Man trägt den Gürtel immer geknotet und nie durch die Schlaufe gezogen.

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