Ford Thunderbird: Wie Detektiv Tanna im Wohnzimmer parkieren
Aktualisiert

Ford ThunderbirdWie Detektiv Tanna im Wohnzimmer parkieren

Neben dem Sofa parkieren, sich aus dem Fahrersitz direkt vor den Fernseher fläzen, das wäre der Traum vieler Autoliebhaber. Vor allem wenn der Wagen ein Ford Thunderbird ist.

von
Bruno von Rotz

In der Fernsehserie «Vegas» fuhr Dan Tanna (Robert Urich) seinen Ford Thunderbird jeweils direkt in sein Wohnzimmer, das sich in einem umgebauten Lagerhaus des Desert Inn Hotels in Las Vegas befand. Die Stadt gab der Serie, die 1978 bis 1981 in den USA ausgestrahlt wurde und ab 1980 im ZDF lief, auch den Namen. In den USA hiessen die ursprünglichen Staffeln – es gab später Remakes – allerdings «Vega$».

Dan Tanna war Detektiv, der mithilfe seiner Gefolgschaft schwierige Fälle löste und es dabei tüchtig rauchen liess. Am Anfang der Serie ging dabei auch seine gelbe Chevrolet Corvette C2 zugrunde, die dann durch einen roten Thunderbird mit Baujahr 1957 ersetzt wurde. Genau genommen gab es zwei Thunderbirds, einen schönen für die ungefährlichen Aufnahmen und einen Stuntcar mit Dodge-Interceptor-Maschine und einer Vorrichtung, die das schnelle Blockieren der Hinterräder für Action-Aufnahmen erlaubte, wie Insider berichten.

TV-Coloration

Gespritzt waren die Wagen übrigens nicht im eigentlich korrekten «Candy Apple Red», sondern im Rot der Siebzigerjahre-Corvette, da dieser Farbton gemäss TV-Produzent Aaron Spelling besser rüberkam.

Der T-Bird, wie der Thunderbird auch zärtlich genannt wird, gehört zu den bekanntesten amerikanischen Klassikern und neben Tanna fuhren ihn auch Marilyn Monroe, Frank Sinatra, Barbra Streisand, Bing Crosby oder Doris Day, um nur eine kurze Auswahl an Prominenten zu nennen, die mit dem frühen Thunderbird assoziiert sind.

Antwort auf die Chevrolet Corvette

Vorgestellt wurde der Ford Thunderbird ein Jahr nachdem General Motors 1953 mit der Präsentation der Corvette für Furore gesorgt hatte. In ziemlich genau zwölf Monaten entwickelten die Ford-Männer einen schnittigen Zweisitzer, der im Gegensatz zur Corvette einen grossvolumigen V8-Motor hatte. Die beim Prototyp vorhandene Kunststoffkarosserie wurde noch vor Produktionsbeginn im September 1954 durch einen herkömmlichen Stahlblechaufbau ersetzt und auch sonst setzte man auf bewährte Werte, was der Popularität aber keinen Abbruch tat.

Im Verkauf schlug der Thunderbird die Corvette klar, offensichtlich präferierten die Amerikaner Komfort und Bequemlichkeit, während reine Fahrleistungen und Rennsporteignung weniger wichtig waren.

Und so kosteten denn auch die meisten der ursprünglich in nur fünf Farben lieferbaren Cabrios deutlich mehr als die 3000 Dollar, die als Basispreis kommuniziert wurden. Kunststoffhardtop, Automatikgetriebe, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Sitze, Servolenkung, Radio und später das «continental kit» genannte aussenliegende Reserverad trieben den Einstandspreis des «personal luxury cars» deutlich nach oben.

In der Schweiz lag der Preis eines 57er-Modells auf Höhe des Jaguar XK 150 oder etwa einen Drittel unter dem Mercedes Benz 300 SL Roadster. Billig war es hierzulande also nicht, den offenen Ford zu fahren.

Elf Generationen

Dem ursprünglichen Thunderbird folgten bis ins neue Jahrtausend zehn weitere Generationen. Bereits ab 1958 trat der T-Bird als Viersitzer an, die ersten drei Baujahre gelten bei Klassiker-Fans aber als die schönsten Donnervögel, wie der Wagen auf deutsch übersetzt hiess.

Die Fernsehserie «Vegas» und der Wagen waren übrigens so populär, dass der Spielzeughersteller Corgi Toys ein entsprechendes Modellauto verkaufte. Und wer sich nun selber einen Thunderbird im Massstab 1:1 kaufen möchte, der hätte am 7. Juni an der Versteigerung der Oldtimer Galerie auf dem Dolder Eisfeld dazu Gelegenheit, wenn das weisse 57er-Modell, das für diesen Bericht porträtiert wurde, unter den Hammer kommt.

Mehr Informationen und vor allem Hunderte von Bildern zum Ford Thunderbird und seinen Evolutionsstufen gibt es auf www.zwischengas.com.

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