Superfood: Wie die Avocados in die Schweiz kommen
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SuperfoodWie die Avocados in die Schweiz kommen

Der Hunger auf Avocados ist gross wie nie. Weil sie niemand kauft, wenn sie steinhart sind, brauchen sie eine Spezialbehandlung.

von
Vanessa Sadecky

So sieht es im Inneren einer Schweizer Avocado-Reiferei aus. (Video: vay/20M)

Sie ist nicht länger nur des Hipsters liebste Frucht: die Avocado, wegen ihrer rauen Schale und dem weichen Fleisch auch Alligatorbirne oder Butterfrucht genannt.

In den letzten sieben Jahren haben sich die Avocado-Einfuhren in der Schweiz verdoppelt. Die Exotin ist nicht länger eine saisonale Frucht, sondern das ganze Jahr über erhältlich: 2017 wurden laut der Eidgenössischen Zollverwaltung über 14'000 Tonnen importiert. Das sind schätzungsweise 58 Millionen Avocados.

Kunden wollen reife Früchte in den Läden

Ein schnelles Ende des Avocado-Booms ist laut Romeo Giovanelli, Co-Geschäftsführer von Giovanelli, einem der grössten Avocado-Importeure der Schweiz, nicht zu erwarten. Die steigende Nachfrage und die Erwartung der Kunden, nur reife Früchte in der Obstabteilung zu finden, haben neue Lager mit Reifungskammern nötig gemacht.

Avocados müssen in der Schweiz nachreifen

In der Frauenfelder Reifungskammer von Giovanelli werden pro Tag mehrere Tausend Avocados gereift. In ihrem Innern ist es heiss und feucht, von der Decke tropft Wasser. Das tropische Klima beschleunigt die Reifung. Je nach Reife der Avocados bleiben die Früchte etwa vier Tage in der Kammer, bis sich ihre grüne Schale braun verfärbt hat. Danach werden sie in LKWs geladen und auf Supermärkte im ganzen Land verteilt.

Über die Schattenseite des globalen Avocado-Handels spricht man in Frauenfeld offen. Der Anbau von Avocados braucht enorm viel Wasser, und da sich viele Anbaugebiete gerade in von Dürren betroffenen Ländern wie Chile und Peru befinden, wird dies zum Problem. «Wir importieren wegen der Wasserknappheit keine Avocados mehr aus kritischen Gebieten wie Petorca in Chile. Wir setzen auf neue Anbaugebiete wie Südafrika», sagt Romeo Giovanelli zu 20 Minuten.

Wasserknappheit je nach Region unterschiedlich

Laut Umweltforscherin Franziska Stössel von der ETH Zürich ist es schwer zu beurteilen, ob dieser Entscheid per se nachhaltiger ist. «Gerade in Südafrika ist die Verfügbarkeit von Wasser je nach Region verschieden und kann sich unterschiedlich stark auf die Ökobilanz auswirken.»

Dass die Avocados von Giovanelli zum grössten Teil mit dem Schiff und LKW ihren Weg aus Südafrika in die Schweiz finden, beurteilt Franziska Stössel positiv. «Im Vergleich zum Flugweg dürften mit dieser Mischform rund 13-mal weniger Co2 ausgestossen werden.»

Avocados sind nicht die einzigen Exoten, deren Nachfrage in den letzten Jahren hochgeschnellt ist. Auch die Einfuhren von anderen Exoten wie Mangos, Granatäpfeln und Ingwer zeigen nach oben.

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