Aktualisiert 06.07.2012 13:08

Gipfelgeschichten

Wie die Berge zu ihren Namen kamen

Eigers Schneeberg, Hinterer oder Kleiner Eiger: Der Mönch hat schon viele Namen getragen. Warum er und 63 andere Gipfel heissen, wie sie heissen, ergründet ein toller Bildband. Es ist kompliziert.

von
S. Lüthi

Um herauszufinden, wie die Gipfel in luftiger Höh zu ihrem jeweiligen Namen gekommen sind, hat sich Nathalie Henseler in die Tiefen der Namensforschung begeben. Die Schwyzerin fand für die 64 von ihr porträtierten Schweizer Felsgiganten (siehe Info-Box) weit mehr als 64 Antworten. Denn warum ein Berg heisst, wie er heisst, dafür gibt es oft viele und selten eine eindeutige Erklärung. Die diversen Herkünfte und Ableitungen können für den gemeinen Leser recht verwirrend sein. Zum Glück finden sich im Bildband «Gipfelgeschichten» auch noch kleine Anekdoten über Naturkatastrophen, Berichte zu (Erst-)Besteigungen und Geschichten aus dem Krieg. Und die versteht auch das einfachere Gemüt.

Sidelhorn, Wallis und Bern

Fangen wir mit den Schlachtfabeln an. Eine davon besagt, dass sich in den Spalten beim Sidelhorn Knochen von 150 österreichischen Soldaten stapeln. Die Männer stürzten am 14. August 1799 in den Tod, als sie während den Revolutionskriegen vor dem französischen Heer flüchteten. An dieses tragische Ereignis erinnert der Totensee am Grimselpass.

Les Diablerets, Waadt

Eine weitere dramatische Begebenheit hat sich bei den Diablerets ereignet. Doch diese Katastrophe war nicht menschgemacht, sondern quasi gottgewollt. So vernahm man damals, am 23. September 1714 von der Alp am Fusse der Diablerets ein dumpfes Grollen. Dieses sei angewachsen zu einem anhaltenden, drohenden Knurren. Zwei Tage später schliesslich hat der Berg einige Hörner abgestossen. 15 Menschen und 100 Stück Vieh wurden unter den Felsmassen begraben. Knapp 30 Jahre später wiederholte sich das Desaster. Der Bergsturz von 1749 verschüttete zwei Berner und den Lauf der Lizerne. So entstand der Lac de Derborence, einer der jüngsten natürlich entstandenen Bergseen der Schweiz. Nun stehen noch drei Teufelshörner. Die Frage ist, wie lange noch. Denn Geologen prophezeiten damals, dass auch diese noch purzeln werden.

Monte Rosa, Wallis und Italien

Grosses Unglück hatte auch der kleine italienische Ort Val di Rutor. Über ihm ergoss sich nämlich in einem Mal der vom Gletscher gestaute Rutorsee, der nichts als eine Schlammlawine hinterliess. Alles, was ihm unter die Fluten kam, Vieh und Ernte, hat er mitgerissen und so die Menschen ins Unglück gestürzt. Dies geschah im Spätsommer 1594. Und ebenso 1595. Und, trotz Beten und Zetern der frommen Dorfbewohner, wiederholte sich das traurige Naturspiel auch im darauf folgenden Jahr.

Dufourspitze, Wallis und Italien

Einmalig in der Schweizer Bergwelt hat die Dufourspitze ihren Namen per Bundesbeschluss bekommen. Der im Monte-Rosa-Massiv liegende Berg war zuvor landauf, landab als Gornerhorn bekannt. Darum scherte sich der österreichische Alpenforscher Freiherr Ludwig von Welden nicht die Bohne und taufte den höchsten Berg der Schweiz so geschwind wie geistlos um in «Die höchste Spitze». Zwei Schweizer Bergsteiger schliesslich beantragten nach der Erklimmung des Buckels beim Bundesrat die Namensänderung in Dufourspitze. Seit dem 23. Januar 1863 ist der Berg nun offiziell nach dem Schweizer General und Kartografen Guillaume-Henri Dufour (1787–1875) benannt.

Niesen, Bern

Wer auf Berge klettert, wird für seine Plackerei damit belohnt, dass er von oben herab und in die Ferne staunen darf. Heutzutage lässt sich der Alpenrundblick natürlich auch bequemer, beispielsweise per Gondeli, erhaschen. Doch schon lang vor dem Bau der Niesen-Standseilbahn wusste man am Thuner Hausberg, wie sich mit faulen Gipfelgroupies Geld verdienen lässt. So konnte man sich schon im 19. Jahrhundert in Tragestühlen auf Maultierrücken zur Spitze hochschaukeln lassen. Bekannt ist, dass die drei Herren Otto von Bismarck (1815 bis 1898), der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, Kaiser Wilhelm II. (1859–1941), der letzte Deutsche Kaiser, und der Hamburger Komponist Johannes Brahms (1833 – 1897) diesen Service in Anspruch genommen haben. Für acht Franken.

Eiger, Bern

Die Strapazen selber auf sich genommen haben zwei Gäste, die vom bekannten Wengener Skistar und Bergführer Karl «Moli» Molitor (geboren 1920) auf den Eiger geführt wurden. Bei Sonnenaufgang ging einem der beiden seinerseits auf, dass der Mittellegigrat, der von der Mittellegihütte auf den Gipfel führt, nicht breiter als einer seiner Füsse ist. Wer daneben tritt, fliegt 1000 steile Meter hinab, direkt nach Grindelwald. Um dieses Schicksal zu vermeiden, liess sich der Bergunkundige bibbernd auf alle Viere nieder, um dergestalt über den schlanken Kamm zu kriechen. Worauf der olle Moli meinte: «Sie können ruhig aufrecht gehen, hier oben stossen Sie sich nirgends den Kopf!»

Mönch, Wallis und Bern

Eingeklemmt zwischen dem Eiger (3970 Meter) mit seiner spektakulären Nordwand und der Jungfrau (4158 Meter) mit ihrem hübschen Aussehen und lieblichen Namen, fristete der Mönch in der Mitte lange Zeit ein Mauerblümchendasein. Das fängt bei seinem Namen, den er lange gar nicht hatte, an. So hiess er weit bis ins 19. Jahrhundert Eigers Schneeberg, Hinterer Eiger, Kleiner Eiger oder Inner Eiger. Später wurde er zu Grosser Münch, Weissmönch oder Gross-Mönch. Doch nicht nur viele Namen hat er getragen, er musste sich auch diverse Male vermessen lassen, immer mit anderem Resultat. Die Angaben schwanken von minimal 3976 bis maximal 4114 Meter. Heute zählt der Mönch mit seinen offiziellen 4107 Metern über Meer zu den 48 Viertausendern der Schweiz.

Altels, Bern und Wallis

Mit dieser letzten Anekdote führt uns die «Gipfelgeschichten»-Autorin Nathalie Henseler direkt von den Berner Alpen auf den Zürcher Sächsilüüten-Platz. In Ersteren ragt der Altels auf. Oder eben die Altels. Denn die Els ist die Frau vom Zürcher Böögg, den die bösen Unterländer allfrühjährlich verbrennen. Seine Gattin ist riesig gross und verkörpert das winterliche, mit ewigem Schnee bedeckte Gebirge. Es wäre doch ein Gedanke wert, den armen Böögg nicht einfach abzufackeln, sondern in einem feierlichen Prozedere seiner Angetrauten zuzuführen. Die Zunftmähren jedenfalls würden einen flotten Trab durch die frische Bergluft dem sinnfreien Kreisgallopp durch den beissenden Rauch allemal vorziehen. Aber die fragt ja wieder keiner.

Die Anekdoten zu den erwähnten Schweizer Bergen stammen aus dem Bildband Von Nathalie Henseler Erschienen im Faro-Verlag Format 205 x 270 mm, 185 Seiten 80 Farbfotos, durchgehend vierfarbig Hardcover, matt laminiert, CHF 44.90 ISBN: 978-3-03781-009-5

Die Anekdoten zu den erwähnten Schweizer Bergen stammen aus dem Bildband Von Nathalie Henseler Erschienen im Faro-Verlag Format 205 x 270 mm, 185 Seiten 80 Farbfotos, durchgehend vierfarbig Hardcover, matt laminiert, CHF 44.90 ISBN: 978-3-03781-009-5

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Die Anekdoten zu den erwähnten Schweizer Bergen stammen aus dem Bildband Von Nathalie Henseler Erschienen im Faro-Verlag Format 205 x 270 mm, 185 Seiten 80 Farbfotos, durchgehend vierfarbig Hardcover, matt laminiert, CHF 44.90 ISBN: 978-3-03781-009-5

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Die Anekdoten zu den erwähnten Schweizer Bergen stammen aus dem Bildband Von Nathalie Henseler Erschienen im Faro-Verlag Format 205 x 270 mm, 185 Seiten 80 Farbfotos, durchgehend vierfarbig Hardcover, matt laminiert, CHF 44.90 ISBN: 978-3-03781-009-5

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