Carunglück in Zürich : Wie die Spitäler mit 45 Verletzten umgehen
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Carunglück in Zürich Wie die Spitäler mit 45 Verletzten umgehen

1 Todesopfer und 45 Verletzte: Das ist die Bilanz eines Carunglücks auf der A3 in Zürich. Wie gehen Rettungskräfte vor, damit alle so schnell wie möglich versorgt werden?

von
tam/som
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Die Front des Busses wurde beim Unfall völlig zerstört.

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Beim Unfall ist eine Person ums Leben gekommen.

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44 weitere wurden verletzt.

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Wie viele Rettungskräfte waren im Einsatz?

Rund 100 Rettungssanitäter, 30 Feuerwehrleute, 30 Rettungswagen und 1 Grossraumambulanz waren am Sonntagmorgen beim Carunfall auf der A3 vor Ort, wie es bei Schutz & Rettung Zürich (SRZ) auf Anfrage heisst. Laut Sprecher Ivo Bähni wurde SRZ durch weitere Rettungsdienste sowie der Milizfeuerwehr unterstützt.

Was geschieht vor Ort?

Laut Bähni ist genau festgelegt, was bei solchen unplanbaren Grossereignissen zu tun ist. Das werde immer wieder geübt. So konnten auch am Sonntag die Einsatzkräfte innert kürzester Zeit aufgeboten werden. Vor Ort befreite die Feuerwehr die Passagiere aus dem Bus. Drei Notärzte sowie Rettungssanitäter übernahmen die medizinische Erstversorgung der Verletzten. Dabei galt es auch, die Verletzten warm zu halten.

Schutz und Rettung zum Carunfall

Peter Wullschleger gibt Auskunft.

Video vom verunfallten Car in Zürich

(Video: Tamedia)

Wie werden die Patienten auf die Spitäter verteilt?

Die Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung weiss aus dem Computersystem, wie viele Kapazitäten die Spitäler gerade frei haben. In diesem Fall wurden die Patienten auf sieben umliegende Spitäler verteilt.

Wie viele Verletzte können Spitäler aufnehmen?

Beim Stadtspital Triemli wurden zum Beispiel zehn verletzte Personen eingeliefert, davon eine schwer und fünf mittelschwer. Darunter hatte es die ganze Bandbreite von Bauchverletzungen über Knochenbrüche bis Quetschungen. «Für solche Fälle sind wir als Zentrumsspital vorbereitet», sagt Professor Andreas Platz, Chef von Unfallchirurgie und Leiter des Notfalls. Beliebig viele Schwerverletzte könne man aber nicht aufnehmen: «Wir haben zwei Schockräume und können zwei weitere in kurzer Zeit einrichten.»

Kann sich die Notfallstation vorbereiten?

Die Spitäler werden umgehend über das Ereignis und grob über den Gesundheitszustand der Verletzten informiert – so auch das Stadtspital Waid, wo sechs Verletzte angeliefert wurden. «Wird ein grosser Unfall gemeldet, haben wir in der Notfallaufnahme eine knappe halbe Stunde Zeit, um uns auf die vielen Patienten vorzubereiten», sagt Michael Dietrich, Chef von Unfallchirurgie und Orthopädie. Man versuche in dieser Zeit, möglichst viele Fälle abzuarbeiten oder Patienten zu verlegen, um die Behandlungsräume frei zu bekommen. Da das Unglück am frühen Morgen geschah, sei das in diesem Fall keine Herausforderung gewesen. Man sei bei mehreren Schwerverletzten aber relativ rasch an der Kapazitätsgrenze.

Wann wird zusätzliches Personal aufgeboten?

Am Universtitätsspital Zürich gibt es ein umfassendes Notfallkonzept für Ereignisse mit vielen Verletzten. Definierte Personen der Notfallmedizin, der Traumatologie und der Anästhesie vor Ort würden entscheiden, ob eine Verstärkung der anwesenden Teams nötig ist und in welchem Umfang. Entsprechend werde dann zusätzliches Personal alarmiert und zum Einsatz gerufen. Das erfolgt stufenweise. Jede Stufe umfasst eine genau definierte Gruppe bis hin zum Aufbieten aller Mitarbeitenden in einem Katastrophenfall. Beim heutigen Ereignis seien erweiterte Teams intern aufgeboten worden.

Was macht man bei Sprachproblemen?

Nur wenige Personen im verunfallten Reisecar verfügen über Deutschkenntnisse. Im Waid-Spital führt man eine interne Liste mit den Sprachkenntnissen der Mitarbeiter. «Darauf sind über 30 Sprachen verzeichnet – so auch die heute benötigten Sprachen russisch und italienisch.» Für alle anderen Sprachen benutze man telefonische Übersetzungsdienste. Auch beim Universitätsspital Zürich seien die gängisten Sprachen gut abgedeckt, heisst es auf Anfrage. Man habe auch Verständigungshilfen wie Übersetzungslisten und Piktogramme zur Hand. Zudem würden Dolmetscher hinzugezogen.

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