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Und sie könnens dochWie die Unsiegbaren das Siegen lernten

Der SC Post Winterthur wird dem Titel der schlechtesten Fussballmannschaft der Schweiz nicht mehr gerecht. Das Team schiesst auf einmal Tore. Und ein Spieler hat sogar einen Penalty rausgeholt.

Der Cup der Unsiegbaren. Bei perfektem Fussballwetter tat der SC Post das, was er am besten konnte: Erhobenen Hauptes (und dieses Mal sogar mit einem Pokal) als Verlierer vom Platz gehen.

Sie haben gekickt, gekämpft - und immer verloren. Der SC Post Winterthur, die schlechteste Fussball-Mannschaft der Schweiz, hat dort gespielt, wos eigentlich nichts mehr zu verlieren gibt: ganz unten. Mit null Punkten und der schweizweit miserabelsten Saisonbilanz (17 Tore geschossen, 79 kassiert) haben sie dennoch etwas gewonnen: Den Titel der unsiegbarsten Mannschaft der Schweiz. In einem packenden Spiel gegen das einzige andere Team, das ebenfalls mit null Punkten die Runde beendet hatte, bewiesen die Gelb-Schwarzen, dass sie vor allem eines können: vielleicht etwas humpelnd aber doch erhobenen Hauptes als Verlierer vom Rasen gehen.

Doch über die Niederlagen ist längst Gras gewachsen. Denn der SC Post hat geschafft, was alle für unmöglich hielten: Die Mannschaft hat gelernt, zu siegen. Nach sieben Niederlagen und insgesamt 46 kassierten Toren holten die Winterthurer im Oktober in einem Unentschieden gegen Neunkirch endlich den ersten Punkt. Eine Woche später gelang den Pöstlern der erste Sieg - zu Hause auf dem löchrigen Rasen triumphierten die Winterthurer gegen Scheltheim. Sogar das Derby gegen den Stadtrivalen Wülflingen konnte der SC Post für sich entscheiden und die Herbstrunde schliesslich mit sieben Punkten beenden.

Revanche gegen den Luzerner SC?

«Der erste Sieg war wirklich genial», erzählt Coach Meftah Dardouri. «Es hat alles gepasst.» Das Spielsystem habe funktioniert. Burak habe sogar einen Penalty «herausgeholt», den Engin Superstar souverän verwandelte. Sie seien besser geworden, sagt der Trainer, «tatsächlich.» Jetzt steuern sie den dritten Tabellenplatz an, der richtige Schritt in diese Richtung sei getan. Es ist ein kleiner Schritt - noch liegt Winterthur auf dem drittletzten Platz, 15 Punkte hinter dem Zweitplatzierten. An Zuversicht hat es den Pöstlern aber noch nie gemangelt.

SC Post Winterthur

Zuversichtlich hatte der SC Post auch die letzte Saison beendet. «Es war erstaunlich, wie viele neue Spieler sich gemeldet haben», sagt der Trainer. «Wir konnten mit einem grossen Kader arbeiten und viel trainieren.» Die Überraschungen aus Muftis Trainermappe, für die er bei den Spielern berühmt war, scheinen sich endlich – nach mehr als einem Jahr Engagement beim SC Post, bezahlt zu machen. Und der Luzerner SC? «Wir sind noch in Kontakt mit unserem Rivalen», sagt Mufti.

Die Unsiegbaren - SC Luzern

Im Frühling wollen sie ein Trainingsspiel gegen die Innerschweizer organisieren. «Vielleicht wird dies ja zu einer schönen Tradition», so der Trainer. Um einen weiteren «Unsiegbaren»-Pokal wird die ehemals schlechteste Mannschaft der Schweiz diesen Frühling aber nicht spielen müssen. Zum Glück. «Eine Vitrine haben wir ja nicht.»

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