Aktualisiert 01.09.2018 12:46

Unnötige Belastung

Wie die Zeitumstellung der Wirtschaft schadet

Das halbjährliche Umstellen der Zeit soll es bald nicht mehr geben. Dies würde auch die Wirtschaft freuen. 20 Minuten sagt, warum.

von
Dominic Benz
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Eingeführt wurde die Sommerzeit 1973 in Europa anlässlich der Ölkrise und mit dem Gedanken, Energie zu sparen. Mit der Zeitverschiebung sollte eine Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden.

Eingeführt wurde die Sommerzeit 1973 in Europa anlässlich der Ölkrise und mit dem Gedanken, Energie zu sparen. Mit der Zeitverschiebung sollte eine Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden.

Keystone/Christian Beutler
Die Schweiz führte die Sommerzeit 1981 ein, um sich den Nachbarländern anzupassen. Vorher war sie in einer Volksabstimmung abgelehnt worden.

Die Schweiz führte die Sommerzeit 1981 ein, um sich den Nachbarländern anzupassen. Vorher war sie in einer Volksabstimmung abgelehnt worden.

Keystone/str
Fachleute zweifeln mittlerweile am Nutzen: Zwar schaltet man im Sommer abends seltener das Licht an, ...

Fachleute zweifeln mittlerweile am Nutzen: Zwar schaltet man im Sommer abends seltener das Licht an, ...

iStock/Aleksandarnakic

Jedes halbe Jahr gewinnen oder verlieren wir eine Stunde. Möglich macht das die Umstellung auf Winter- oder Sommerzeit. Das könnte aber bald ein Ende haben: Am Freitag hat sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker für eine «ewige Sommerzeit» ausgesprochen. Denn das ewige Hin und Her nervt die Bevölkerung. Vor allem ältere Menschen und kleine Kinder haben Mühe.

Aber auch auf die Wirtschaft hat die Zeitumstellung negative Folgen. 20 Minuten zeigt auf, wo das der Fall ist:

• Schichtbetriebe

Für Industriekonzerne, Krankenhäuser oder Dienstleistungsbetriebe ist die Zeitumstellung mühsam. Sie müssen die Arbeitsschichten und Produktionsabläufe anpassen. «Das verursacht hohe administrative Kosten», sagt Korbinian von Blanckenburg, Ökonom an der deutschen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, zu 20 Minuten. Ein grosses Problem hätten die Energieversorger: «Sie müssen Sonderschichten schieben, um in der Nacht der Zeitumstellung sicherzustellen, dass beispielsweise die von den Städten bestellten Strom- und Gasmengen zur richtigen Zeit fliessen.»

• Öffentlicher Verkehr

Bei den Betreibern von Zug-, Bus- und Tramnetzen wirbelt die Zeitumstellung den Fahrplan durcheinander. Sonderschichten sind im Herbst nötig. «Die Änderung auf Winterzeit macht die Nacht um eine Stunde länger. Wir benötigen daher entsprechend mehr Nachtzüge», sagt SBB-Sprecher Reto Schärli. Auch Busse und S-Bahnen im Nachtnetz von Zürich kurven beim Wechsel nach einem speziellen Fahrplan. Kaum beeinflusst wird hingegen der internationale Flugverkehr, da sich dieser nach der Weltzeit richtet.

• Landwirtschaft

Gemäss Von Blanckenburg hat das zeitliche Hin und Her «gravierende Auswirkungen» auf die Landwirtschaft. Kühe und Schweine sollten wenn möglich immer zur gleichen Zeit gefüttert werden. Bei den Kühen wird die Milchproduktion gestört. Bauern müssen daher zweimal im Jahr sowohl behutsam das Füttern als auch das Melken anpassen. «Es gibt Bauern, bei denen dauert die Anpassung rund zwei Wochen», so Von Blanckenburg. Laut der Schweizer Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost übernehmen in modernen Betrieben automatische Milchsysteme diese Aufgabe.

• Leistungsfähigkeit bei Mitarbeitern

Die Zeitumstellung bringt den menschlichen Biorhythmus durcheinander. Bis er sich wieder eingependelt hat, dauert es teilweise über eine Woche. Vor allem die Umstellung im Frühjahr belastet, weil man eine Stunde Schlaf verlieft. «Viele Menschen leiden dann unter Konzentrationsschwäche, Stress und Müdigkeit», sagt Von Blanckenburg. Die Betroffenen können bei der Arbeit weniger leisten und machen unnötige Fehler. Das kostet die Firmen viel Geld. Auch das Immunsystem ist geschwächt. «Die Zahl der Arztbesuche schnellt jeweils nach Umstellungen nach oben», sagt Von Blanckenburg. Viele bleiben dann wegen Krankheit der Arbeit fern. Auch das verursacht hohe Kosten in der Wirtschaft.

• Höhere Stomkosten

Eigentlich wurde die Zeitumstellung eingeführt, um Energie zu sparen. Laut Studien bleibt aber der Spareffekt aus. Laut Von Blanckenburg würde eine andauernde Sommerzeit mehr bringen. «Der grösste Teil des Energieverbrauchs fällt am Abend an», sagt er. Weil es bei der Sommerzeit länger hell bleibe, würden die Menschen ihre Freizeit tendenziell mehr draussen verbringen. «Sowohl Licht als auch Fernseher oder Computer wird dann weniger benutzt.»

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