Aktualisiert 29.09.2009 12:09

«Time-out» mit Klaus Zaugg

Wie die ZSC Lions unsere Ehre retten können

Es gibt drei gute Gründe, warum die ZSC Lions heute die «Schande von Bern» und die «Schmach von Zürich» gegen die Chicago Blackhawks ein wenig korrigieren können.

von
Klaus Zaugg

Schweizer Teams haben zwei Partien gegen NHL-Mannschaften bestritten. Beide endeten im Debakel. Der SC Bern verlor vor einem Jahr gegen die New York Rangers 1:8. Der HC Davos am Montag gegen die Chicago Blackhawks 2:9.

Kassieren die ZSC Lions nun im Spiel um den Victoria Cup die dritte Ohrfeige? Diese Gefahr ist natürlich gross. Und doch gibt es drei Gründe, warum die ZSC Lions ihr NHL-Abenteuer unbeschadet an Ruhm und Ehre überstehen können.

Drei Gründe gegen eine weitere Schmach

Erstens: Ari Sulander. Der SC Bern wechselte für die zweite Spielhälfte gegen die Rangers gar noch Ersatzgoalie Jonas Müller ein. Ari Sulander ist besser als die beiden SCB-Goalies (Büher, Müller) und als HCD-Torhüter Leonardo Genoni. Weil er auf internationalem Niveau viel mehr Erfahrung hat und mit der finnischen Nationalmannschaft mehrmals gegen NHL-Profis erfolgreich gespielt hat. Der 40-jährige finnische Kultgoalie hat die Erfahrung, die Postur (187 cm, 89 kg), den Stil und das Selbstvertrauen, um gegen Chicago weniger als fünf Tore zu kassieren.

Zweitens: Selbstvertrauen. Die ZSC Lions haben vor grossen Tieren weniger Angst. Der Sieg in der Champions Hockey League (CHL), vor allem der Finaltriumph gegen Magnitogorsk, müsste eigentlich ein Pfingsterlebnis für die Spieler sein: Die Siege in der CHL haben gezeigt, dass es für eine Schweizer Spitzenmannschaft mit der entsprechenden Taktik und ein wenig Glück gegen jeden Gegner der Welt eine Chance gibt. Oder, um es etwas krass zu formulieren: Die Berner und die Davoser hatten schon vor ihrem NHL-Abenteuer die Hosen voll. Die ZSC Lions wohl nur halbvoll.

Drittens: Sean Simpson. Der Trainer der ZSC Lions hat mehr bzw. andere internationale Erfahrungen als der letztjährige SCB-Trainer John van Boxmeer und Arno Del Curto. Simpson arbeitete nicht nur beim Spengler Cup mit dem Team Canada, sondern auch für die weissrussische Nationalmannschaft (als Assistent) an der WM und er hat in der Champions Hockey League ein taugliches taktisches Konzept für Partien gegen spielerisch klar stärkere Teams entwickelt. Die ZSC Lions werden mutiger, selbstsicherer und realistischer spielen als der HCD.

ZSC können die Ehre retten

Alles spricht dafür, dass die Zürcher die Ehre unseres Eishockeys retten können. Oder sagen wir es so: Sie haben die Voraussetzungen dafür. Klar ist aber auch, dass Chicago nun, da es um eine Trophäe geht (Victoria Cup) eher noch stärker spielen werden als gegen Davos.

Wenn auch die ZSC Lions das Spiel und die Ehre verlieren, dann bleibt eine Erkenntnis: Nationaltrainer Ralph Krueger ist der einzige Coach, der dazu in der Lage ist, eine Schweizer Mannschaft (unsere Nati) zu einem Sieg über ein Team aus NHL-Profi zu führen. So wie beim Olympiaturnier von 2006 in Turin (2:0 gegen Kanada).

Kann Sean Simpson wenigstens die Ehre retten, dann wissen wir, dass er definitiv der ideale Nachfolger von Ralph Krueger als Nationaltrainer ist.

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