Neue Studie zeigt: Wie diese Katzen-Accessoires Tausenden Wildtieren das Leben retten
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Neue Studie zeigtWie diese Katzen-Accessoires Tausenden Wildtieren das Leben retten

Katzen gelten als eines der Hauptprobleme des fortschreitenden Vogelsterbens. Wie die Vogelwarte Sempach jetzt aufzeigt, kann das aber überraschend einfach reduziert werden. Allein durch eine bunte Halskrause tötet eine Katze 37 Prozent weniger Vögel.

von
Daniela Gigor
Gianni Walther
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Mit Halskrause erlegen Katzen weniger Vögel und Säugetiere. 

Mit Halskrause erlegen Katzen weniger Vögel und Säugetiere. 

Kathi Märki / swild.ch
In der Schweiz leben rund 1,7 Millionen Katzen. Laut Hochrechnungen erbeuten sie jährlich Millionen von Wildtieren, darunter Hunderttausende Vögel. 

In der Schweiz leben rund 1,7 Millionen Katzen. Laut Hochrechnungen erbeuten sie jährlich Millionen von Wildtieren, darunter Hunderttausende Vögel. 

Daniel Hegglin / swild.ch
Empfohlen wird ein Halsband mit Sicherheitsverschluss, der sich öffnet, wenn ein Büsi etwa an einem Ast oder Zaun hängen bleiben sollte. Noch besser ist, wenn die Katze auch noch ein Glöckchen trägt. 

Empfohlen wird ein Halsband mit Sicherheitsverschluss, der sich öffnet, wenn ein Büsi etwa an einem Ast oder Zaun hängen bleiben sollte. Noch besser ist, wenn die Katze auch noch ein Glöckchen trägt. 

Madeleine Geiger / swild.ch

Darum gehts

  • Tragen Katzen eine Halskrause, bringen sie 37 Prozent weniger Vögel nach Hause.

  • Wenn an der Krause noch ein Glöckchen befestigt ist, erlegen sie sogar bis zu 60 Prozent weniger Säugetiere. 

  • Das hat eine Studie von Swild in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Sempach ergeben.

  • Demnächst wird eine weitere Studie gestartet. Bevor es losgehen kann, werden Katzenhalterinnen und -halter gesucht, die sich freiwillig beteiligen.  

Welche Katzenhalterinnen oder -halter kennen diese Situation nicht? Ihr Liebling auf samtenen Pfoten kehrt mit einem Vogel, Kleinsäuger oder Reptil zwischen den Zähnen von seinem Ausflug im Freien in die Wohnräume zurück. Der erfolgreiche Jäger erwartet dafür natürlich keine lauten Schreie des Entsetzens, sondern Streicheleinheiten und lobende Worte zur Belohnung. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass die rund 1,7 Millionen Katzen, die in der Schweiz leben, laut Hochrechnungen jährlich Millionen von Wildtieren, darunter Hunderttausende Vögel, töten.

Untersucht wurde auch, wie Massnahmen akzeptiert werden

Um zumindest einen Teil davon vor dem Tod durch die Katze zu bewahren, wurde in den USA eine Halskrause entwickelt. Sie wurde auf ihre Wirksamkeit untersucht und das Ergebnis nun veröffentlicht. Durchgeführt wurde die Studie von Swild, einer unabhängigen Forschungs- und Beratungsgemeinschaft von Biologinnen und Biologen in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Sempach. «In dieser Studie wurde die Wirksamkeit von bunten Halskrausen und von Katzenglöckchen unter lokalen Verhältnissen getestet. Zudem wurde untersucht, wie verträglich diese Massnahmen für die Katzen sind und wie sie von den Katzenhalterinnen und -haltern akzeptiert werden», sagt Studienleiterin Madeleine Geiger.

Vögel reagieren auf den Kragen und Säugetiere auf das Glöckchen 

Die Resultate der Studie, an der Freiwillige teilgenommen hatten, ist erfreulich: «Mit Halskrause brachten die Katzen 37 Prozent weniger Vögel nach Hause. Trugen sie Halskrause und Glöckchen, erbeuteten sie sogar rund 60 Prozent weniger Säugetiere», so Geiger weiter. Laut der Biologin reagieren Vögel explizit auf den Kragen, weil Vögel Farben besser sehen können als die meisten Säugetiere. Letztere werden wiederum durch den Ton der Glöckchen vor den Katzen gewarnt.

Halsbänder mit Sicherheitsverschluss werden empfohlen

Geigers Fazit: Halskrause und Glöckchen, einzeln oder in Kombination, sind einfache Massnahmen, die jährlich Hunderttausenden Wildtieren das Leben retten könnten. Wichtig ist, Geiger festzuhalten, dass diese Massnahmen auch noch katzenverträglich sind und 72 Prozent der Testpersonen die Halskrause weiterhin nutzen möchten. Die Halskrause besteht aus zwei Teilen: einem Halsband, das in die Halskrause aus Stoff gezogen und der Katze um den Hals gelegt wird. Laut Geiger empfiehlt es sich, ein Halsband mit Sicherheitsverschluss zu verwenden, der sich öffnet, wenn ein Büsi etwa an einem Ast oder Zaun hängen bleiben sollte. Bestimmte Modelle mit Sicherheitsverschluss können noch auf das Körpergewicht der Katze eingestellt werden, was ideal wäre.

Experiment dauert sechs Wochen 

Ausserdem geht die Studie demnächst in eine zweite Runde. Dort soll geklärt werden, ob eine proteinreiche Ernährung und häufiges Spielen mit der Katze ihren Jagdtrieb reduzieren können. Auch für diese Studie werden Katzenhalterinnen und -halter auf freiwilliger Basis gesucht. «Angemeldet werden können Katzen, welche mindestens ein Beutetier pro Woche nach Hause bringen», sagt Geiger. Das Experiment dauert sechs Wochen und die Halter und Halterinnen sollten Interesse an der Studie und Genauigkeit beim Erfassen der Protokolle mitbringen. Das benötigte Material wird zur Verfügung gestellt. Für die Teilnehmenden bedeutet es aber auch, dass sie Fragebogen und Protokolle ausfüllen werden, und die benötigte Zeit für das Spielen mit dem Büsi einrechnen müssen. Anmeldungen werden unter cats@swild.ch entgegengenommen. 

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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