Situation in den Zürcher Spitälern : «Kommen nicht um Lockdown rum»

Situation in den Zürcher Spitälern «Kommen nicht um Lockdown rum»

Die zweite Corona-Welle ist für die Zürcher Spitäler eine enorme Herausforderung. Am Dienstag informierten die Vertreter über die aktuelle Lage.

von
Monira Djurdjevic
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Vertreter der Zürcher Spitäler informierten am Dienstag über die aktuelle Corona-Situation.

Vertreter der Zürcher Spitäler informierten am Dienstag über die aktuelle Corona-Situation.

sac
Der Direktor des Universitätsspitals Zürich (USZ), Gregor Zünd, kann sich nicht vorstellen, wie die Schweiz um einen Lockdown herumkommt.

Der Direktor des Universitätsspitals Zürich (USZ), Gregor Zünd, kann sich nicht vorstellen, wie die Schweiz um einen Lockdown herumkommt.

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Der Grund seien die Infektionszahlen, die trotz neuer Massnahmen nach wie vor steigen würden.

Der Grund seien die Infektionszahlen, die trotz neuer Massnahmen nach wie vor steigen würden.

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Dienstag, 15.12.2020

Zusammenfassung

Der Direktor des Universitätsspitals Zürich (USZ), Gregor Zünd, kann sich nicht vorstellen, wie die Schweiz um einen Lockdown herumkommt. Der Grund seien die Infektionszahlen, die trotz neuer Massnahmen nach wie vor steigen würden.

Der R-Wert im Kanton Zürich liege aktuell bei 1,16 erklärte Zünd am Dienstag vor den Medien in Zürich bei einer gemeinsamen Medienorientierung mit den Direktoren des Stadtspital Waid und Triemli und das Kantonspital Winterthur. Zudem befürchtet Zünd eine weitere Corona-Welle Mitte Januar, weil sich viele Menschen in den Skiferien anstecken würden.

Die drei Spitäler sind bereits zu einem beträchtlichen Teil mit Covid-Patienten belegt. Das Personal sei extrem belastet, betonten die drei Direktoren.

«Wir sind in einem Marathon und wissen nicht, wie lange er noch geht», sagte Gabi Brenner, Direktorin der Pflege am USZ. Diese Unvorhersehbarkeit sei extrem belastend.

«Lassen sie sich testen»

Zünd schliesst die Pressekofenrenz mit einer Bitte ab: «Wenn sie Symptome aufweisen, kommen sie bitte vorbei und lassen sie sich testen.»

Ansteckung im Spital

Zur Angst einer Ansteckung im Spital sagt Zünd: «Wir unternehmen alles, damit sich die Leute nicht im Spital infizieren.» Laut Steiger werden häufig Patienten zu ihnen überwiesen, da sie in anderen Spitälern nicht mehr behandelt werden können. Zudem seien die Patienten kränker als in der ersten Welle. «Wir haben mittlerweile mehrere Patienten, die länger als 50 Tage auf unserer Intensivstationen liegen.»

Notfall

Zehnder wendet sich an die Bevölkerung: «Menschen, die krank sind, sollen zu uns kommen. Wir wollen nicht, dass Patienten aus Rücksicht den Notfall nicht aufsuchen.» Zünd fügt an: «Wir haben Erfahrungen gemacht, dass Patienten teils nicht gekommen und dann schwerer erkrankt sind.»

Personalmangel und Ferienstopp

«Es ist keine Bettenzahl-Diskussion, sondern eine des qualifizierten Personals», sagt Zünd. Das Personal sei nicht unbeschränkt und das stellt eine Herausforderung für das USZ dar.

Im USZ gibt es weiterhin ein Zweischichtensystem. «Ebenfalls können die Mitarbeitenden, die Ferien geplant haben, diese weiterhin einlösen», so Zünd. Das sei wichtig, da man nicht weiss, wie lange die Pandemie noch andauert.

Pflegepersonal

Für einen Corona-Patienten braucht es drei Mitarbeitende, erklärt Gabi Brenner, Direktorin Pflege an der USZ. «Es ist ein Marathon. Wir wissen nicht, wie lange er noch geht. Diese Ungewissheit ist für das Personal extrem belastend.»

Operationen verschoben

Im USZ versucht man, dringende Operation, die verschoben werden müssen, innerhalb weniger Tage nachzuholen, so Zünd.

Im KSW seinen es vor allem Operationen im Herz-Kreislauf-Bereich, die verschoben werden müssen. «Je länger die Pandemie anhält, desto mehr Operationen müssen aufgeschoben werden», sagt Zehnder.

Politik auf Lage aufmerksam machen

Laut Zehnder sei es jetzt besonders wichtig, dass man die Kontakte reduziert. Zünd fügt an: «Es ist unsere Pflicht, die Politik auf die dramatische Lage aufmerksam zu machen.»

Die Infektionszahlen nehmen weiterhin zu. Es gehe rund zwei Wochen, bis die Corona-Erkrankten im Spital sind, so Zehnder. «Die Zahlen werden somit weiter ansteigen.»

«Kommen nicht um Lockdown rum»

«Wenn wir weiterhin in diesem Ausmass Coronapatienten aufnehmen müssen, wird es schwierig verletzte Wintersportler zu versorgen», sagt Zünd. «Kommen höchstwahrscheinlich nicht um Lockdown rum.»

Abgewiesene Patienten

Frage: Ältere Personen mit Corona wurden teils abgewiesen. Wieso?

«Grundsätzlich weisen wir Patienten nicht ab. Am USZ haben wir keine älteren Coronapatienten abgewiesen», so Zünd.

Risiko von ungewollten Ereignissen

«Mit der Belastung steigt das Risiko von ungewollten Ereignissen», so Zehnder. Das Wichtigste sei, dass die Infektionsrate sinkt. Zehnder warnt: «Die Welle darf nicht höher und länger werden, als sie jetzt schon ist.»

Keine Aussicht auf Besserung

Der Spitaldirektor des KSW Rolf Zehnder sagt, dass sie am Dienstag 56 Covid-Patienten hatten, 11 davon auf der Intensivstation.

«Die Länge der Welle bereitet uns Sorgen», so Zemp. «Wir haben zurzeit nur vier Betten für Nicht-Covid-Patienten», so Zehnder.

Operationssäle werden geschlossen, um mehr Personal zu haben. Die Belastung der Mitarbeitenden sei seit Wochen steigend. «Die grösste Belastung ist, dass es keine Aussicht auf Besserung gibt», sagt Zehnder.

Unterbestand von 10 Prozent

«Wir sind in die zweite Welle mit einem Personal-Unterbestand von 10 Prozent gestartet», so Zemp. Er befürchtet, dass das Personal kündigt, weil der Stress enorm ist.

100 Operationen verschoben

«Wir mussten bereits 100 Operationen verschieben», sagt Zemp. Weiter sagt er: «Wir sind nicht darauf eingestellt, einen Dauermarathon zu machen.»

André Zemp

André Zemp, Spitaldirektor des STW, hatten heute morgen 65 Covid-Patienten, davon 13 auf der Intensivstation. «Wir haben im Spital eine sehr strenge Zeit.» Die Situation fordert sehr viel vom Pflegepersonal ab, sagt Zemp. Nicht nur die Intensivstation sei gefordert, sondern auch die Bettenstation die Coronapatienten betreuen.

Sicht der Pflegekräfte

Wie Zünd sagt, gehe es in der heutigen Medienkonferenz darum, die Sicht der Mitarbeitenden in den Spitälern darzustellen.

Gregor Zünd

Gregor Zünd, CEO des Universitätsspital Zürich, schildert die Situation im USZ. Es sind momentan 101 Angestellte des USZ in Isolation oder in Quarantäne, also 1 Prozent des Personals. «Wir mussten Operationssäle schliessen, um sie für Covid-Patienten zu öffnen», so Zünd. Die Zusammenarbeit zwischen den Spitälern funktioniere gut.

Pressekonferenz

Die Lage in den Schweizer Spitälern ist angespannt. Während die Corona-Ansteckungszahlen erneut steigen, sind viele Spitäler überlastet. So auch in Zürich: Am Montag erreichte die Zahl der Hospitalisierten mit 535 einen neuen Höchstwert. Am Sonntag benötigten 99 Patienten Intensivpflege, auch das stellt eine neue Höchstzahl dar.

Laut dem Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK) sind nahezu alle Intensivbetten belegt. Am vergangenen Samstag waren im Universitätsspital Zürich noch drei Intensivbetten frei. Diese Situation führte dazu, dass erstmals Behandlungen von Patienten mit anderen lebensbedrohlichen Krankheiten verschoben werden mussten.

Am Dienstag findet eine Medienkonferenz zur aktuellen Lage im Universitätsspital Zürich (USZ), den Stadtspitälern Triemli und Waid (STW), sowie dem Kantonsspital Winterthur (KSW) statt. An der Pressekonferenz nehmen teil:

Prof. Dr. Gregor Zünd, CEO des USZ

André Zemp, Spitaldirektor der STW

Rolf Zehnder, Spitaldirektor des KSW

Ebenfalls stehen die folgenden Vertreter für Fragen bereit:

Gabi Brenner, Direktorin Pflege USZ

Prof. Dr. Annelies Zinkernagel, Direktorin Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene USZ

Prof. Dr. Dagmar Keller Lang, Direktorin Institut für Notfallmedizin USZ

Dr. Peter Steiger, Stv. Leiter Institut für Intensivmedizin USZ