Aktualisiert 06.02.2013 04:54

Das ProtokollWie ein Betrüger selbst zum Opfer wird

Bei einem Telefonanruf des «Microsoft-Kundendienstes» ist grösste Vorsicht geboten. Am anderen Ende der Leitung spricht ein Gauner. Doch ein 20-Minuten-Online-Leser weiss sich zu wehren.

von
owi

Die Masche ist alles andere als neu: Englisch sprechende Anrufer aus dem Ausland geben sich als Microsoft-Mitarbeiter aus und behaupten, der Computer sei von Viren befallen. Sie aber könnten aus der Ferne helfen. Das wahre Ziel solcher Telefonate ist es, die Opfer dazu zu bewegen, Manipulationen an ihren Computern vorzunehmen, Software herunterzuladen oder infizierte Webseiten zu besuchen. Dies geschieht mit der Absicht, sich unerlaubt Zugriff auf die fremden Rechner zu erschleichen.

Ein Ärgernis, das 20-Minuten-Online-Leser Marcel Fischer* nur zu gut kennt. Fast täglich hat er Telefonbetrüger oder Werbeverkäufer an der Strippe. Offenbar ist seine Telefonnummer in einer Datenbank der Trickbetrüger gelandet, sodass er und seine Familie nun aus aller Welt ungebetene Anrufe erhalten. Doch nun hat Fischer den Spiess umgedreht. Den letzten Anruf aus Indien hat er kurzerhand aufgenommen und den Trickbetrüger mit albernen Fragen und Antworten ins Messer laufen lassen (siehe Video).

Fiese Masche der Betrüger

Der vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter aus Indien will Fischer dazu bewegen, das Remote-Desktop-Programm TeamViewer zu installieren. Sein Computer sei voller Viren, aber er könne aus der Ferne Hilfe leisten. Wer auf den Trick hereinfällt und das Programm installiert, gibt dem Angreifer die Möglichkeit, auf den eigenen PC oder Mac zuzugreifen. Die Gauner erhalten die volle Kontrolle über den Computer, da ihnen ihre Opfer quasi selbst die Türe öffnen.

In diesem Fall bleibt der Angreifer auf der Strecke: Fischer kennt die Masche der Kriminellen und gibt sich als unbedarfter User aus, der dringend Hilfe mit seinem Computer brauche. Das scheinbare Opfer gaukelt dem Betrüger vor, einen Atari Mega ST4 zu haben. Eine Uralt-Kiste aus dem Jahr 1987, die dem englisch sprechenden Anrufer mit indischem Akzent unbekannt ist. «Ist ihr Computer ein Microsoft-PC oder ist es ein Apple-Computer», will der Anrufer wiederholt wissen. Fischer pocht darauf, einen Atari Mega ST4 zu haben: «Mein Computer ist so langsam, können Sie mir helfen?» Statt Atari, versteht der Telefonbetrüger auch nach einer halben Stunde nur Safari und schliesst auf einen Mac.

«Da wir das aufgenommene Gespräch so lustig fanden, haben wir dazu ein YouTube-Video erstellt», sagt Fischers Kollege Dave Büttler. Mit Gesetzen sei solchen Gaunern kaum beizukommen, «vielleicht werden sie ja durch fiese Spässe abgeschreckt und verlieren die Geduld?», sagt der Trickbetrüger-Schreck.

Inzwischen gibt es sogar eine Facebook-Seite, auf der sich die Spassvögel über Online-Betrüger lustig machen. Auf der Facebook-Seite ist auch der zweite Teil des Scherz-Videos zu finden.

(Teil 2. Video: YouTube/AllchemistHCL)

*Name der Redaktion bekannt

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