Innerhalb eines Jahres – «Wie ein dummes Spiel» – Zwei Zürcher verüben 44 Einbrüche für 580’000 Fr
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Innerhalb eines Jahres«Wie ein dummes Spiel» – Zwei Zürcher verüben 44 Einbrüche für 580’000 Fr

Zwei Männer, die über 40 Einbrüche innerhalb eines Jahres verübt haben, müssen für vier und sechs Jahre in Gefängnis.

von
Stefan Hohler
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Am Mittwoch standen ein heute 23- und 25-jähriger Zürcher vor dem Bezirksgericht Zürich. 

Am Mittwoch standen ein heute 23- und 25-jähriger Zürcher vor dem Bezirksgericht Zürich.

20min/hoh
Viele der Einbrüche verübten die Beschuldigten laut Anklage unweit ihres Wohnortes im ehemaligen Amag-Gebäude in Zürich-Schwamendingen. 

Viele der Einbrüche verübten die Beschuldigten laut Anklage unweit ihres Wohnortes im ehemaligen Amag-Gebäude in Zürich-Schwamendingen.

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Darum gehts

  • Zwei heute 23- und 25-jähriger Zürcher sind des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls angeklagt.

  • Sie haben 44 Einbrüche mit einer Gesamtsumme von 580’000 Franken verübt.

  • Am Mittwoch hat sie das Bezirksgericht Zürich zu unbedingten Freiheitsstrafen von vier und sechs Jahren verurteilt.

Innerhalb eines Jahres haben zwei Zürcher am laufenden Band Einbrüche verübt. Die Anklageschrift wirft den 23- und 25-jährigen Schweizern mit Wurzeln im Balkan vor, insgesamt 44 Einbruchdiebstähle sowie weitere Delikte im Jahr 2019 verübt zu haben – teils zusammen, teils alleine oder mit weiteren Komplizen. Die Deliktssumme beträgt insgesamt rund 580’000 Franken.

Bei vielen Delikten war die Summe von einigen hundert oder tausend Franken gering, bei einem Einbruch in ein auf CBD-Marihuana spezialisiertes medizinisches Unternehmen im Kanton Thurgau war die Beute aber gross: 200 Kilogramm CBD-Blüten im Wert von rund 300’000 Franken. Und bei einem Einbruch in einem Schulhaus im Kanton Thurgau wurden Computer und Laptops im Wert von über 130’000 Franken entwendet.

Am Prozess am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich erschien nur der 23-Jährige. Sein 25-jähriger Mitbeschuldigter liess zehn Minuten vor dem Gerichtstermin ein ärztliches Zeugnis überbringen, welches ihm eine Verhandlungsunfähigkeit für einen Monat bescheinigte. Das Gericht ging darauf nicht ein und führte den Prozess in dessen Abwesenheit durch. «Dieses Verhalten grenzt an Rechtsmissbrauch», sagte der Richter verärgert.

Silberfarbene Metallbarren als Weissgold angepriesen

Bei der Befragung erklärte der 23-Jährige, dass er inzwischen als Selbstständigerwerbender einen gutgehenden Onlineshop für Kryptowährungen führe. Er ist grundsätzlich geständig und begründete die Taten mit Gruppendruck und Anerkennung durch die Komplizen. «Es war wie ein sehr dummes Spiel.»

Viele der Einbrüche verübten die beiden unweit ihres Wohnortes im ehemaligen Amag-Gebäude an der Luegislandstrasse in Schwamendingen. Hier sind Gewerbebetriebe eingemietet, und die beiden Männer brachen in über ein Dutzend Firmen ein und stahlen Bargeld, Werkzeuge und weitere Gegenstände. Den Männern wird auch Erpressung vorgeworfen. Sie verlangten von einem Betreiber einer illegalen Marihuana-Plantage je 5000 Franken, ohne die sie eine anonyme Strafanzeige bei der Polizei einreichen würden.

Der Jüngere hat zudem auf einer Online-Auktionsplattform silberfarbene Metallbarren zum Verkauf angeboten und sie als Weissgold deklariert. Der Verkauf eines gestohlenen Luxuswagens Audi RS6 im Wert von 130’000 Franken an zwei angebliche Russen misslang, weil die Kantonspolizei intervenierte und den 25-Jährigen verhaften konnte.

«Er war der eigentliche Kopf der Gruppierung»

Der Staatsanwalt klagte die Männer des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls sowie weiterer Delikte an. Sie sassen einige Monate in Untersuchungshaft, sind aber wieder auf freiem Fuss. Er verlangte für den jüngeren Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten, für den vierfach vorbestraften älteren Komplizen eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und zwei Monaten. «Er war der eigentliche Kopf der Gruppierung», so der Staatsanwalt.

Die beiden Verteidiger verlangten deutlich tiefere Strafen. «Die Strafanträge des Staatsanwaltes liegen völlig quer in der Landschaft», sagte der Anwalt des jüngeren Beschuldigten und forderte eine teilbedingte Strafe von 30 Monaten. Der Anwalt des 25-Jährigen will eine Strafe von drei Jahren.

Das Gericht verurteilte den jüngeren Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und den nicht anwesenden Komplizen zu sechs Jahren. Es bewertete beim 23-Jährigen dessen Geständnis und seinen jetzigen positiven Lebenswandel als strafmindernd. Beim 25-jährigen Beschuldigten fielen dagegen die vier Vorstrafen und dessen Rolle als Anführer der Einbrechergruppe negativ ins Gewicht.

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