Aktualisiert 14.01.2010 11:31

Die Löcher von HellikonWie ein Fass ohne Boden

Die Höhlenforscher haben in Hellikon weiterführende Gänge entdeckt. Ein Höhlensystem gibt es nicht. Doch die beiden Erdlöcher könnten unterirdisch verbunden sein - und den Acker weiter zum Einsturz bringen.

von
Marius Egger

Es war ein waghalsiges Unterfangen. Das weiss auch Andy Blaser. «Im Moment ist es sehr kriminell, da hinunter zu steigen», sagt das Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung Sektion Nordwest-Schweiz. Trotzdem wagten Blaser und sein Kollege Fabrice Franz am Dienstag den Abstieg in die mittlerweile berühmten Löcher von Hellikon. Und brachten so als erste Fotos aus den Tiefen des Aargauer Acker mit (siehe Diashow).

Eine gröbere Sache

«Wir haben Fortsetzungen entdeckt. Aber die sind schlicht unpassierbar», sagt Blaser. Mit einem Höhlensystem hätten sie nicht rechnen können. Doch ganz unspektakulär sind die Erkenntnisse aus den Tiefen dennoch nicht. «Wir vermuten, dass die beiden Löcher unterirdisch zusammenführen», sagt Blaser und gibt zu Bedenken: «Wenn der Boden taut, könnte das eine gröbere Sache geben.» Will heissen: Weitere Teile des Ackers drohen einzubrechen oder könnten sich zu einem grossen Krater ausweiten. «Risse an der Oberfläche deuten darauf hin, dass sich die Einsturzlöcher noch vergrössern werden und weitere tiefe Krater entstehen», schätzt auch Geologe Peter Lüdin.

Wie gross das Ausmass tatsächlich ist, wird durch Geowissenschaftler weiter abgeklärt. Christoph Donié vom Expertenteam, das mit den Messungen beauftragt wurde, hinkt dem Fahrplan hinterher. Erste Erkenntnisse haben die Experten trotzdem. Gemeinderat Josef Hasler hat diese erste Einschätzung erhalten, wie die «Basler Zeitung» berichtet. Die Nachricht hat ihn nicht gefreut: «Es hat mich schon überrascht, dass die Geologen eine weitere Gefahr nun noch im Hang auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse orten.» Gefahr für das Dorf bestehe vorläufig nicht, der Gemeinderat möchte aber langsam wissen, was Sache ist, so Hasler weiter.

Wird die Doline zum Abfallkübel?

Dolinen sind in der kalkhaltigen Umgebung allerdings kein neues Phänomen. Sie entstehen, wenn Wasser im Kalkgestein unterirdische Hohlräume auswäscht und diese einstürzen. Bereits vor 20 Jahren seien rund 2 Kilometer vom jetzigen Standort Dolinen aufgetaucht, sagt Höhlenforscher Andy Blaser. Damals habe man zur Stabilisation Eisenbahnschwellen im Loch verlegt und die Löcher aufgefüllt. «Wegen der Grundwasserverschmutzung darf man heute aber keine Bahnschwellen mehr verwenden», sagt Blaser. Auch Bauschutt oder Beton seien aus demselben Grund nicht erlaubt. Wie der Acker wieder begehbar gemacht werden kann, ist derzeit offen. Nach den Erforschungen ist für Blaser aber klar: «Einfach Kies hineinschütten dürfte schwierig werden. Dieser Acker ist ein Fass ohne Boden.»

Bleibt zu hoffen, dass die Erdlöcher nicht zum Abfallkübel verkommen. Diese Befürchtung ist laut Blaser nicht unbegründet. Vor allem im Westschweizer Jura und in Frankreich habe er dieses Problem schon angetroffen. In Frankreich sollten die Höhlenforscher einst eine Grube von Kadaver befreien, die von Unbekannten in einer Doline versenkt wurden. Die Übung musste abgebrochen werden. Blaser: «Die Gase waren zu stark.» In Hellikon ist das bisher noch nicht passiert. «Die Löcher waren sauber.»

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