Unterbruch wegen Kurzschluss: Wie ein ganzes Dorf ohne Internet zurechtkommt
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Unterbruch wegen KurzschlussWie ein ganzes Dorf ohne Internet zurechtkommt

Zahlen mit Karte, Surfen im Internet, Bestellungen tätigen: Ganz alltägliche Dinge sind für viele Birmensdorfer zurzeit nicht oder nur eingeschränkt möglich.

von
fro/rom
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Ein Help-Point der Swisscom steht am Dienstag, 9. Juni 2015 im Birmensdorfer Zentrum. Die Helfer geben Auskunft über die Störung im Dorf und verteilen mobile Hotspots.

Ein Help-Point der Swisscom steht am Dienstag, 9. Juni 2015 im Birmensdorfer Zentrum. Die Helfer geben Auskunft über die Störung im Dorf und verteilen mobile Hotspots.

fro
Mihael Eldic findet die Störung sehr nervig: «Ich bin krank und kann zuhause nichts machen», so der Automechaniker.

Mihael Eldic findet die Störung sehr nervig: «Ich bin krank und kann zuhause nichts machen», so der Automechaniker.

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Auch für Vreni Blatter, Geschäftsführerin des Kiosks, ist die Situation alles andere als angenehm. «Einige Kunden waren ziemlich verärgert», sagt sie.

Auch für Vreni Blatter, Geschäftsführerin des Kiosks, ist die Situation alles andere als angenehm. «Einige Kunden waren ziemlich verärgert», sagt sie.

fro

Wer in Birmensdorf ZH ein Swisscom-Abo hat, kann seit Montagmorgen weder ins Internet, noch fernsehen oder übers Festnetz telefonieren. Einzig das Handynetz funktioniert mittlerweile wieder. Grund: Die starken Regenfälle hatten für einen Kurzschluss in der Telefonzentrale der Swisscom gesorgt.

Betroffen ist etwa der Coop-Supermarkt im Ortszentrum. Zwar ist der Laden normal geöffnet, doch wer die Einkäufe bezahlen will, muss genügend Bargeld dabeihaben, Karten funktionieren nicht. «Das ist natürlich sehr umständlich, aber es geht ja allen gleich», sagt Coop-Sprecher Patrick Häfliger. Zudem müsse man die Warenbestellungen von Hand aufnehmen und einer benachbarten Filiale übermitteln.

Schätzen statt eintippen

Das gleiche Problem hat auch die Migros gleich neben dem Coop. Kartenzahlungen sind nicht möglich. Laut Sprecher Francesco Laratta läuft das Kassensystem offline: «Somit fallen die automatischen Nachbestellungen aus.» Die Mitarbeitenden müssten Regal für Regal die zu bestellende Ware schätzen und in die Daten in der nächstgelegenen Filiale einspeisen. «Kurzfristig ist dies die effizienteste Lösung», sagt Laratta.

Auch für Vreni Blatter, Geschäftsführerin des Kiosks im Zentrum Wüeri, ist die Situation alles andere als angenehm. «Einige Kunden waren ziemlich verärgert», sagt sie. «Ich kann keine Bestellung abschicken, und die Leute können weder ihr Prepaid-Handy aufladen noch Lotto-Lose kaufen», sagt sie. Auch das Bezahlen mit der Karte funktioniere nicht.

«Man kann ruhiger arbeiten»

Mit demselben Problem kämpfen die Bäckerei Bode und Wüeri Optik. Doch die Kunden seien tolerant und zeigen Verständnis. «Man muss die Situation einfach akzeptieren und optimal über die Runden bringen», sagt Susanne Kneile, die Inhaberin des Optik-Ladens.

Via Festnetz telefonisch nicht erreichbar ist auch die Zentrale der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL – mit 350 Mitarbeitenden die grösste Arbeitgeberin im Dorf. «Zum Glück funktioniert bei uns das Internet und der Mobilfunk, daher ist die Beeinträchtigung nicht so gross», sagt Sprecher Reinhard Lässig. «Und persönlich finde ich den Unterbruch sogar ganz angenehm, denn man kann dadurch ruhiger arbeiten.»

Studentin nimmts locker

Studentin und Hausfrau Stefania Boos (39) sieht das Ganze ebenfalls locker. Sie habe vom Swisscom-Help-Point, der vor der Migros steht, einen Hotspot erhalten, mit dem sie daheim ins Internet könne. «Es ist aber schon mühsam, dass ich nicht mit der Karte einkaufen kann und auch kein Geld abheben kann», so Boos. Weniger gelassen nimmt Mihael Eldic (18) die Störung. «Ich bin krank und kann zu Hause gar nichts machen», so der Automechaniker. «Das finde ich sehr nervig.»

Laut Swisscom-Sprecherin Annina Merk wird der Help-Point rege benutzt: «Die Reaktionen sind zwar gemischt, doch wir stossen auf viel Verständnis.» Die Störung könne voraussichtlich erst bis Montag behoben werden. «Die ganze technische Infrastruktur muss neu aufgebaut werden.»

So lange mag man bei der Verwaltung der Kaserne Birmensdorf nicht warten, wie Urs Grob, Sprecher der kantonalen Sicherheitsdirektion, sagt: «Wir haben mehrere Arbeitsplätze inzwischen verlegt, und zwar ins Amt für Militär und Zivilschutz an der Üetlibergstrasse in Zürich.»

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