Süss und weltberühmt: Wie ein junger Berner aus Versehen die Schokolade revolutionierte

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Süss und weltberühmtWie ein junger Berner aus Versehen die Schokolade revolutionierte

Eine Unachtsamkeit führte dazu, dass der Rudolf Lindt im 19. Jahrhundert die Schokolade erfand, die die Schweiz berühmt machte. Lange war es ein begehrtes Geheimrezept.

von
Raphael Casablanca

Darum gehts

  • Lange Zeit war Schokolade praktisch ungeniessbar. Ein Zufall sorgte dafür, dass ein junger Berner namens Rudolf Lindt die Schokolade revolutionierte.

  • Auf seinem Weg traf er auf Persönlichkeiten, deren Firmen heute noch existieren.

  • Später verkaufe Lindt das Geheimrezept für die zarte Schokolade und geriet in einen grossen Rechtsstreit.

Die Schweiz ist bekannt für die beste Schokolade der Welt. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte Schokolade noch nichts mit der süssen und zarten Schoggi von heute gemeinsam. Die Schokolade unserer Vorfahren war eher bitter als süss und zerbröselte, wenn man sie im Mund hatte. Im Lauf der Jahre versuchten zahlreiche Chocolatiers, die Schokolade zu revolutionieren. Sie alle tüftelten am Prozess und versuchten, den Geschmack mit Honig, Vanille und anderen Substanzen zu verbessern. Mit Erfolg: Die Schweizer Schokolade wurde besser und gewann internationale Preise und Ansehen. Doch die eigentliche Revolution sollte erst noch starten.

Obwohl der Markt gesättigt war, entschied sich ein junger Berner, ins Geschäft einzusteigen. Der 24-jährige Rudolf Lindt, ein Bernburger aus der Oberschicht, kaufte sich eine alte Fabrikhalle mit veralteten Maschinen im Berner Mattenquartier. Mit Ach und Krach produzierte Lindt fortan Schokolade und versuchte, sie zarter und feiner hinzubekommen als die Konkurrenz. Ein Zufall führte ihn schliesslich ans Ziel. An einem Freitag verliess er die Fabrik, ohne seine Rührmaschinen abzustellen. Weil die Masse das ganze Wochenende über in der Maschine erwärmt und gerührt wurde, entfalteten sich nicht nur die Aromen zu einem Vielfachen, sie wurden auch zart schmelzend. Er nannte seine Schokolade darum «Chocolat fondant» – die schmelzende Schokolade.

Alle wollten das Geheimnis

Das Geschäft lief fortan wie geschmiert. Lindt machte sich im ganzen Land und wenig später auch im Ausland einen Namen. Er hätte längst eine Fabrik nach der anderen aufmachen können, doch verzichtete darauf. Viel mehr liess er die Schokolade von einem Berner Zuckerbäcker vertreiben, der ihm grosse Lieferungen mit einem Rabatt abnahm. Dieser Abnehmer hiess Jean Tobler und vertrieb fast zehn Jahre lang die Waren von Lindt. Doch mit den Jahren ging der Berner Schokoladenfabrikant mit dem Rabatt für Verkäufer Tobler immer weiter hinunter. Bis zum Punkt, als dieser die Zusammenarbeit kündigte und in der Berner Länggasse seine eigene Schokoladenfabrik gründete.Toblers Sohn erfand später die weltberühmte Toblerone, die seit 1990 dem US-Multi Mondelez International gehört.

Sein Geschäftsgeheimnis konnte Lindt fast 20 Jahre lang geheim halten. Er erhielt zahlreiche Angebote, seine Rezeptur zu verraten, doch lehnte zunächst alle ab. Im Jahr 1899 lenkte er jedoch aus unbekannten Gründen ein und verkaufte die Fabrik samt Rezept an Johann Rudolf Sprüngli. Der Verkaufsbetrag ist nicht bekannt, er soll jedoch hoch gewesen sein. Spüngli nannte sein Geschäft Lindt und Sprüngli.

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Die Schokolade von Rudolf Lindt war überall begehrt.

Die Schokolade von Rudolf Lindt war überall begehrt.

Lindt
Er war bekannt dafür, ein Geniesser zu sein.

Er war bekannt dafür, ein Geniesser zu sein.

Wikipedia
Lindt erfand die Chocolat fondant», die schmelzende Schokolade.

Lindt erfand die Chocolat fondant», die schmelzende Schokolade.

Wikipedia

Nach dem Verkauf ist vor dem Neuanfang

Doch lange konnte der Chocolatier nicht still sitzen. Nur sechs Jahre später gründete Rudolf Lindt mit seinem Bruder und seinem Cousin in Bern erneut eine Schokoladenfabrik mit dem Namen Lindt. Dies führte zu einem langen Rechtsstreit, der gut 20 Jahre andauerte. Lindt erlebte die juristische Niederlage aber nicht mehr, er verstarb einige Jahre zuvor.

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