Nazi in Israels Diensten: Wie ein SS-Mann zum Mossad-Killer wurde
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Nazi in Israels DienstenWie ein SS-Mann zum Mossad-Killer wurde

Erst machte er unter Hitler Karriere, dann tötete er für den Mossad: Die unglaubliche Geschichte von Otto Skorzeny.

von
kmo

Das wahre Leben schreibt noch immer die besten Agententhriller. Das zeigt die Geschichte des ehemaligen SS-Obersturmbannführers Otto Skorzeny, der sich Anfang 1962 vom Mossad rekrutieren liess. Die wichtigste Mission des Österreichers fand laut Recherchen von «Haaretz» wenige Monate später statt und zielte auf «Raketen-Krug».

Am 11. September 1962 stieg der deutsche Raketentechniker Heinz Krug in München mit einem Unbekannten in seinen Mercedes 300 SE, fuhr Richtung Norden – und verschwand spurlos. In der Nazi-Zeit hatte «Raketen-Krug» unter Wernher von Braun am Raketenprogramm in Peenemünde mitgearbeitet, in den Sechzigerjahren war er für Israels Feind Ägypten tätig.

Mord an «Raketen-Krug»

Der Unbekannte im Mercedes war Otto Skorzeny. Krug hatte den Nazi-Helden um Hilfe gebeten, weil er – wie andere deutsche Raketentechniker in Ägypten auch – Todesdrohungen erhalten hatte. Dem Mercedes folgte ein weiteres Auto mit drei Insassen, laut Skorzeny handelte es sich um Leibwächter.

In einem Wald erschoss Skorzeny den Deutschen. Die drei angeblichen Leibwächter – in Wirklichkeit Mossad-Agenten – übergossen den Toten mit Säure, vergruben die Überreste und schütteten Kalk auf die Erde, um den Leichengeruch zu überdecken. Die Leiche wurde nie gefunden. Dass jetzt bekannt wurde, was mit «Raketen-Krug» passierte, ist den «Haaretz»-Journalisten zu verdanken, die mit mehreren ehemaligen Mossad-Mitarbeitern sprachen.

Mussolini-Befreier

Als sie Skorzeny rekrutierten, wussten die Israelis, dass ihnen ein Mann, dem die Nazis vertrauen, von Nutzen sein könnte. Der Österreicher – seit 1931 Mitglied der NSDAP, ab 1940 Mitglied der «Leibstandarte SS Adolf Hitler» – war einer der engsten Vertrauten des Nazi-Führers und hatte weitreichende Kontakte.

Zudem waren Skorzenys Einsätze als furchtloser, intelligenter und effizienter Agent legendär: 1943 hatte er etwa im «Unternehmen Eiche» mit weiteren Agenten den italienischen Faschistenführer Benito Mussolini aus der Gefangenschaft der Alliierten in Italien befreit und nach Deutschland gebracht.

Filmreife List

Der Mossad setzte einen Agenten und eine junge Frau – beides Deutsche – auf Skorzeny an, der in der Hauptstadt der damaligen Franco-Diktatur Spanien lebte. Die beiden inszenierten eine Zufallsbegegnung mit dem Nazi und seiner Frau, doch Skorzeny durchschaute die List und wollte die beiden erschiessen.

Dass sich der damals 53-Jährige dennoch anheuern liess, dürfte an seiner Furcht vor den Israelis gelegen haben, die auf der ganzen Welt Nazis verfolgten und sie vor Gericht brachten oder töteten. Skorzeny wollte denn auch kein Geld für seine Dienste, sondern forderte, dass sein Name von der Liste des Nazi-Jägers Simon Wiesenthal gestrichen wird. Als sich Wiesenthal weigerte, fälschte der Mossad kurzerhand ein entsprechendes Bestätigungsschreiben – und der Deal stand.

Hitlergruss an der Beerdigung

Im Jahr 1963 ersetzte der damalige Premierminister Ben Gurion den Mossad-Chef. Skorzeny wurde noch einmal eingesetzt, diesmal um die Möglichkeit von geheimen Friedensverhandlungen mit den Ägyptern auszuloten. Danach endete die Zusammenarbeit des Nazis mit den Israelis.

Obwohl der Österreicher keine Garantie für sein Leben erhalten hatte, blieb er unbehelligt. 1975 starb er in Madrid an Lungenkrebs. Sein Leichnam wurde erst in der spanischen Hauptstadt, danach im Wiener Familiengrab beigesetzt. An beiden Beerdigungen nahmen Dutzende Nazis teil, die sich mit Hakenkreuzen geschmückt hatten und den Hitlergruss zeigten.

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