Gigathlon 2011: «Wie eine Firma mit 1600 Mitarbeitern»
Aktualisiert

Gigathlon 2011«Wie eine Firma mit 1600 Mitarbeitern»

In vier Wochen fällt der Startschuss für den Gigathlon, den grössten Multisportevent der Schweiz. Warum im Wallis alles etwas anders läuft, verrät Projektleiter Corsin Caluori im Interview.

von
Olaf Kunz
Jedes Jahr findet der Gigathlon auf einer komplett neuen Strecke in veränderter Form statt. Motto des diesjährigen Events im Wallis: «On the rocks» - das ist durchaus wörtlich zu nehmen.

Jedes Jahr findet der Gigathlon auf einer komplett neuen Strecke in veränderter Form statt. Motto des diesjährigen Events im Wallis: «On the rocks» - das ist durchaus wörtlich zu nehmen.

Vom 1. bis 3. Juli findet im Wallis der 14. Gigathlon statt. Als Einzelkämpfer, im Zweier- oder im Fünfer-Team gilt es rund um Leukerbad, Crans Montana und Zermatt steile Berge, wilde Serpentinstrassen und kalte Seen zu überwinden. Insgesamt 340 Kilometer und 11 111 Höhenmeter müssen die Schwimmer, Inliner, Biker, Velofahrer und Läufer hinter sich bringen. Mindestens ebenso sportlich ist die Organisation eines solchen Mega-Events. 5 500 Sportler und ihre rund 500 Supporter müssen untergebracht, verpflegt, von einem Ort zum anderen gebracht und zur Not erstversorgt werden. Wie lässt sich das in einer solchen bergigen Umgebung überhaupt bewerkstelligen? Und warum läuft im Wallis in Sachen Vorbereitung alles ein wenig anders? Corsin Cauri, Projektleiter Gigathlon bei Swiss Olympic, plaudert aus dem Nähkästchen.

20 Minuten Online: Wie lange hat es gedauert, bis alle Startplätze für den Gigathlon, die es via Web zu ergattern gab, weg waren?

Corsin Caluori: Die gingen weg wie warme Semmeln. Innerhalb von fünf Stunden war das gesamte Kontingent von 1388 Startplätzen ausverkauft.

Der Gigathlon ist der vermutlich grösste Multi-Sportevent der Schweiz. Warum ist der Zulauf so gross?

Es ist die Mischung und das besondere Erlebnis. Einfach anmelden und starten ist beim Gigathlon nicht drin. Man muss sich richtig vorbereiten – nicht nur in sportlicher Hinsicht. Wer das Manual nicht gelesen und sich nicht intensiv mit den Strecken auseinandergesetzt hat, hat kaum eine Chance durchzukommen. Aber auch der olympische Geist ist bei dieser Veranstaltung sehr stark zu spüren. Dass jedes Mal eine ganz andere Gegend in der Schweiz als Austragungsort gewählt wird, ist ein zusätzlicher Anreiz.

Bei den Zweierteams muss mindestens eine Frau dabei sein und bei den Fünferteams mindestens zwei. Warum diese Frauenquote?

Der Frauenanteil ist uns enorm wichtig, weil dadurch die ganze Veranstaltung einen völlig anderen Charakter erhält. Frauen sind weniger kompetitiv eingestellt. Unserer Erfahrung nach ist ihnen das Erlebnis als solches deutlich wichtiger als das Gewinnen. Das trägt dazu bei, dass der Gigathlon kein verbissenes Sportereignis wird.

Zum ersten Mal liegen alle Strecken des Gigathlons in einem einzigen Kanton. Hat das die Vorbereitung erleichtert?

Nicht die Tatsache, dass wir lediglich mit einem Kanton zu tun haben, sondern dass es der Kanton Wallis ist, hat sich für die Organisation als sehr vorteilhaft erwiesen. Die Walliser sind sehr lösungsorientiert und die Behörden sind kooperativ. Und auch die Polizei ist uns gegenüber positiv eingestellt.

Wie viele Stunden Arbeit stecken bis jetzt in der Vorbereitung für den Gigathlon 2011?

Bei uns in der Geschäftsstelle arbeiten sieben Festangestellte. Alleine sie haben bis jetzt 6500 Stunden investiert. Hinzu kommen die 40 Ressortleiter – von Streckensicherung über Catering bis hin zum Rettungsdienst. Jeder von ihnen hat ebenfalls schon mindestens 120 Stunden reingesteckt. Ausserdem sind da natürlich noch die vielen ehrenamtlichen Helfer. Alles in allem dürften es wohl über 20 000 Stunden sein.

Es ist der dritte Gigathlon, den sie organisieren. Was ist der Reiz dabei?

Vor allem die Herausforderung, für drei Tage eine «Firma» mit 1600 Mitarbeitern aus dem Boden zu stampfen, die dann am Tag X perfekt funktioniert. Motivieren tun mich aber vor allem die rund 5700 Teilnehmer, die am Sonntag ins Ziel einlaufen. Da gibt es so viele Emotionen und Tränen. Diesen Moment lasse ich mir nicht entgehen. Aber auch die Vorfreude auf den Event spornt mich an: Wenn ich vor Ort im Wallis bin, stelle ich mir immer vor, wie die Teilnehmer auf der Strecke fighten.

Rund 220 Sportler – davon 40 Frauen - absolvieren alle fünf Disziplinen – Schwimmen, Laufen, Inlinen, Bike und Rennvelo alleine. Wie würden Sie diesen Sportlertyp, der solche Strapazen auf sich nimmt, charakterisieren?

Es sind vor allem Breitensportler. Es sind sportliche Menschen, die Spass haben am Training und daran, in der freien Natur zu sein. Es sind auch nicht die typischen Triathleten, weil es doch sehr in die Höhe geht.

Also keine Freaks?

Doch. (lacht) Ehrlich: Man muss schon speziell sein um am Gigathlon mitzumachen.

Der diesjährige Gigathlon-Wettbewerb ist insbesondere aufgrund des Höhenprofils sehr anspruchsvoll. Rechnen Sie deshalb mit mehr Abbrechern im Vergleich zu früheren Jahren?

Das ist ein grosses Fragezeichen für mich. Es werden schon einige wegen der Höhenmetern aufgeben müssen. Triathleten zum Beispiel sind in der Ebene stark. Aber an den steilen Hängen... Das wird schon sehr spannend. Letztlich aber wird vor allem das Wetter die Finisher-Quote beeinflussen.

Was möchten Sie den Teilnehmern noch mit auf den Weg geben?

Vor allem, sich die Kräfte gut einzuteilen. Geht es nicht zu schnell an. Die Strecken sind lang. Wichtig: Nehmt euch Zeit und legt auch mal eine Pause ein. Und: Studiert das Manual gut – es ist wirklich hilfreich, wenn man genau weiss, was einen erwartet und wie die Regeln sind.

20 Minuten Online am Gigathlon

Unsere Redaktion stellt am Gigathlon vom 1.-3. Juli im Wallis ein Team of Five. Annette Hirschberg, Simone Kubli, Antonio Fumagalli, Stefan Ryser und Olaf Kunz berichten im Vorfeld regelmässig aus ihrem Trainingsalltag und lassen so die Leserinnen und Leser daran teilhaben.

Alle fünf Mitglieder des Redaktions-Teams sind Neo-Gigathleten, allerdings mit sportlichem Hintergrund. Die Zielsetzung ist daher bescheiden: Das 20-Minuten-Online-Team will den Gigathlon schlicht und einfach beenden.

Der Mega-Anlass in Zahlen

Während der Veranstaltung werden mehr als 2000 Organisatoren und freiwillige Helfer sowie 43 ehrenamtliche Ressortleiter im Einsatz sein. Zu den Ressorts zählen zum Beispiel medizinische Versorgung, Catering, Wechselzonenorganisation und Streckensicherung.

Beim Gigathlon sind 11 111 Höhenmeter zu überwinden – rund 30 Prozent mehr als in den Vorjahren.

3000 Meter Absperrgitter, 260 mobile Toiletten, 2400 Igluzelte, 45 Shuttle-Züge und 45 Shuttle-Busse (Eurobus und STI) kommen zum Einsatz.

Während den drei Tagen werden rund 48 000 Mahlzeiten ausgegeben. Insgesamt werden 73,2 Tonnen Lebensmittel bereit gestellt. Davon könnte sich ein einzelner Mensch etwa 35 Jahre ernähren.

Der Mann hinter dem Gigathlon

Der 34-jährige Corsin Caluori ist Projektleiter Gigathlon bei Swiss Olympic und organisiert den Anlass zum dritten Mal. Der studierte Maschineningenieur war vor seiner Ernennung zum Projektleiter als Ressortleiter Bike beim Event dabei. Er leitet am Hauptsitz in Bern ein Team von sechs festangestellten Mitarbeitern.

Zur Website des Gigathlon

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