Aktualisiert 27.08.2012 07:12

Rochade beim FCZWie eine Notlösung Sion zu Fall brachte

Es war eine Behelfsmassnahme, doch sie entschied den Match: FCZ-Captain und Abwehrchef Mathieu Beda musste gegen Sion im Mittelfeld in die Bresche springen. Und brillierte auf dem Posten.

von
Eva Tedesco

FCZ-Captain Mathieu Beda über seine Rolle vor der Abwehr, Stimmung und den FC Basel. (Video: 20 Minuten Online)

Aus Mangel an Alternativen stellte FCZ-Trainer Rolf Fringer seinen Abwehrchef Mathieu Beda im defensiven Mittelfeld auf. Die Notlösung wurde zum Schachzug.

Der Franzose war massgeblich am 2. Saisonsieg des FCZ und der ersten Niederlage des Leaders aus dem Wallis beteiligt. Als Innenverteidiger daran gewöhnt zu dirigieren, kam die Persönlichkeit des Franzosen vor der Abwehr noch besser zum Tragen. Philippe und Raphael Koch, Kajevic und Chikhaoui verletzt, Pedro Henrique und Kukeli (nach Rot gegen YB) gesperrt – viel Auswahl blieb dem FCZ-Trainer gegen Sion nicht. «Darum haben wir umgestellt und auch weil wir wussten, dass Sion in der Offensive gefährlich über Darragi und Margairaz kommt. Dem haben wir Rechnung getragen. Mathieu hat seine Sache vor der Abwehr clever und gut gemacht», sagt Fringer.

Tatsächlich hat der Franzose den Defensivverbund deutlich gestärkt. Er hat die Räume dicht gemacht, Löcher gestopft, dirigiert, physische Präsenz markiert und so der ansonsten kreativen Sittener Offensive viel Schneid abgekauft und Darragi und Co. wenig Platz für Fantasie gelassen. Fringer: «Das ist gegen Mannschaften mit drei Mittelfeldspielern – und das sind die meisten in der Liga, denn die wenigsten sind so offensiv mit zwei Stürmern aufgestellt wie wir – eine Variante. Beda hat sich für die Aufgabe geopfert.» Fringer glaubt zwar nicht, dass der lange Zeit verletzte Franzose eine Daueroption auf diese Position sein kann, «aber für Sion ist die Lösung massgeschneidert gewesen.»

Eine neue, nicht unbekannte Aufgabe

Beda freute sich zwar über das Kompliment, gab es aber an die Mannschaft zurück. Endlich konnte man zeigen, dass man die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz am Wochenende umsetzen kann. «Wir sind defensiv sehr kompakt gestanden und haben das Glück verdient. Der Sieg tut gut. Aber jetzt müssen wir keine Riesenparty veranstalten deshalb. Es ist nur ein Spiel gewesen – auch wenn es gegen den Tabellenersten war.»

Zu seinem Auftritt auf der neuen Position sagt der FCZ-Captain: «So neu war das für mich ja nicht. Ich habe schon in Deutschland (1860 München, Anmerk. d. Red.) und bei der U21-Nationalmannschaft als Sechser gespielt. Der Trainer hat mich gefragt, ob ich aushelfen kann. Es braucht zwar Zeit sich richtig einzufinden, aber ich glaube, so schlecht war es nicht». Und dann fügt Beda mit einem Schmunzeln an: «Wir haben kein Tor kassiert. Haben 1:0 gewonnen – alles positiv, oder?».

Beda für den FC Basel bereit

So positiv sogar, dass sich Fringer in Zukunft überlegen muss, den Franzosen nicht häufiger vor der Abwehr aufzustellen. Zum Beispiel schon am Sonntag gegen den FC Basel. «Das ist eine Frage an Rolf Fringer. Ich spiele dort, wo mich der Trainer braucht – auch als Stürmer, wenn es sein muss. Ich bin bereit.» Beda hofft, dass der Sieg gegen Sion der langersehnte Befreiungsschlag sein kann. Die Mannschaft habe kapiert, dass es nur geht, wenn alle am gleichen Strick ziehen. Das sieht auch Fringer gleich: «Der Sieg kann Doping für die Zukunft sein. Aber von Sion und Basel sind wir noch ganz weit weg.»

So weit vielleicht doch nicht, so die Hoffnung von Captain Beda. «Man hat gesehen, dass alles möglich ist. Wieso also nicht auch gegen Basel? Basel hat viel Druck im Moment. Man muss auch noch schauen, was sie am Mittwoch in der Champions-League-Qualifikation (gegen Cluj, Anmerk. d. Red.) machen. Aber vor fast genau einem Jahr – es war auch im August – haben wir gegen Basel einen schönen Sieg gefeiert. Den ersten seit vielen Jahren. Warum nicht noch einmal?»

Zur Erinnerung: Am 13. August 2011 gewann der FCZ in Basel 2:1 und beendet nach 4 Jahren, 8 Monaten und 18 Tagen eine Serie von 20 Spielen ohne Sieg gegen den FCB. Die Torschützen damals waren Chermiti und – Beda.

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