Aktualisiert 27.02.2014 09:18

BlackphoneWie eine Schweizer Firma die NSA narren will

Surfen, Telefonieren, Texten – und zwar abhörsicher: Das verspricht das Blackphone. Mit dem Krypto-Handy will die Firma aus Zürich US-Spione austricksen.

von
T. Bolzern
Barcelona

«Die Zeit ist reif für abhörsichere Telefonie», sagt Phil Zimmermann, und er muss es wissen. Mit Pretty Good Privacy (PGP) hat der Verschlüsselungs-Guru bereits die Kommunikation per E-Mail sicher gemacht.

Mit dem Blackphone will er nun das nächste Sorgenkind zurück zur Privatsphäre führen und vor Abhöraktionen schützen: die gesamte Kommunikation mit dem Smartphone. Zimmermann ist Teil des Blackphone-Teams, das im Sommer sein erstes sicheres Handy auf den Markt bringen will. Am Mobile World Congress in Barcelona haben die Hersteller erstmals Details zum Gerät präsentiert.

Sind Apps eine Alternative?

«Wir wollen ein Telefon bauen, das für den Schutz der eigenen Daten optimiert ist», sagt Zimmermann. Nun lassen sich aber mit entsprechenden Apps auch andere Smartphones bereits ziemlich gut gegen fremde Blicke sichern. So gibt es etwa zahlreiche verschlüsselte Messagingdienste, wie etwa Threema.

Auch für das sichere Surfen im Web gibt es bereits Alternativen, so zum Beispiel den Onion-Browser in App-Form. Er greift auf das anonymisierte Tor-Netzwerk zu und erlaubt keine Rückschlüsse mehr auf den eigenen Standort. Was also bringt das Blackphone?

Ein eigenes OS für Rundum-Schutz

Es geht einen Schritt weiter: «Gute Kryptografie ist nie leicht zu knacken, doch die Angriffe zielen meist auf die Plattform, auf der die Verschlüsselung läuft», sagt Zimmermann. Beim Blackphone soll dies anders sein: Das Team hinter dem ambitionierten Projekt hat ein eigenes mobiles Betriebssystem entwickelt, an dem solche Angriffe abprallen sollen.

PrivatOS basiert zwar auf Android, soll aber um einiges sicherer sein. Dafür wurden zusätzliche Funktionen, Systemeinstellung und Verschlüsselungen eingebaut. Restriktiv geht Blackphone auch mit der Sammelwut einiger Firmen um: Mit Hilfe des PrivatOS kann dieser Unsitte ein Riegel geschoben werden, sodass eigene Daten nicht mehr zu Geld gemacht werden können.

Der einzige Grund, weshalb dieses Telefon gebaut werde, sei es, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. «Wir sind kein Smartphone-Hersteller, der eine Privatsphären-Funktion entwickelt, sondern eine Privatsphären-Firma, die ein Smartphone entwickelt», sagt Zimmerman.

Was bekommt man fürs Geld?

Ab sofort kann das Blackphone für 629 Dollar vorbestellt werden. Im Juni soll es weltweit ausgeliefert werden. Mit den Angaben zur Hardware sind die Hersteller zurückhaltend. Das Display ist 4,7 Zoll gross und hat eine HD-Auflösung. Den Namen des Prozessors nennt die Firma noch nicht – er sei aber höher getaktet als 2 GHz, sagen die Blackphone-Macher. Verbaut sind zudem 2 GB RAM und 16 GB Speicherplatz. Rein technisch sind die Daten wohl eher im Mittelmass. Was also bekommt man für das Geld neben dem Gerät?

Käufer können während zweier Jahre verschiedene integrierte Dienste nutzen und erhalten eine Mitgliedschaft zum sogenannten Silent Circle, der auch ohne Blackphone das sichere Telefonieren, Nachrichten versenden und den sicheren Datentausch erlaubt.

Zudem erhält man drei Gutscheine für je ein Jahr Silent-Circle-Mitgliedschaft. Diese können an Freunde und Familie weitergegeben werden, die so auch geschützt sind. Enthalten sind im Preis eines Blackphones zudem 5 GB Online-Speicher beim Sicherheits-Dienstleister SpiderOak sowie ein VPN-Service, der den anonymen Zugang ins Internet ermöglicht.

Standort in der Schweiz

Entwickler des Blackphone ist das Joint Venture SGP Technologies, das Zimmermanns Firma Silent Circle und der spanische Smartphone-Hersteller Geeksphone gegründet haben. Mitgearbeitet haben zudem eine ganze Reihe von Kryptografen und Sicherheitsexperten. Den Sitz hat die Firma in Zürich – aus einem einfachem Grund: «In der Schweiz ist der Datenschutz im Sinne der Bürger und per Gesetz verankert und damit ein idealer Standort für uns», sagt Toby Weir-Jones, Managing Direktor von Blackphone.

Ab Juni wird das Blackphone ausgeliefert. (Video: Youtube.com/Blackphone)

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