11.09.2019 11:23

Illegale Brunnen

Wie Erdbeeren einen Nationalpark vernichten

Der andalusische Nationalpark Coto de Doñana ist bekannt für seinen Artenreichtum – doch das könnte sich in Zukunft ändern.

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In Supermärkten werden häufig Erdbeeren aus Spanien angeboten.

In Supermärkten werden häufig Erdbeeren aus Spanien angeboten.

Keystone/AP/Boris Roessler
Viele stammen aus der Region Huelva im Südwesten, wo der Erdbeeranbau lange Tradition hat.

Viele stammen aus der Region Huelva im Südwesten, wo der Erdbeeranbau lange Tradition hat.

Screenshot GoogleMaps
Doch die Erdbeerbauern sind im Laufe der letzten Jahre eine Gefahr geworden.

Doch die Erdbeerbauern sind im Laufe der letzten Jahre eine Gefahr geworden.

Getty Images/jmn

Der Coto de Doñana in Andalusien ist ein Vorzeige-Nationalpark. 1994 wurde er von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Dies auch wegen seiner sogenannten Marismas. Diese bilden ein riesiges Feuchtgebiet, das als eines der wichtigsten in Europa gilt. Es stellt ein Zuhause für zahlreiche seltene Tierarten wie den spanischen Kaiseradler oder den iberischen Luchs dar. Jahr für Jahr rasten hier ausserdem Hunderttausende Zugvögel.

Sie alle sind bedroht. So warnte etwa die Non-Profit-Organisation BirdLife kürzlich vor dem Rückgang der Zahl der bedrohten Vogelarten, die bis anhin in dem Nationalpark Zuflucht finden.

Denn dem geschützten Paradies wird zusehends das Wasser abgegraben – im wahrsten Sinne des Wortes, wie Jordi Figuerola von der Forschungsstation Estación Biológica de Doñana zur spanischen Tageszeitung «El Pais» sagt. Schuld daran seien die Erdbeerplantagen rings um den Nationalpark.

80 illegale Brunnen

Für den Anbau der roten Frucht braucht es viel Wasser. Aufgrund der immer grösser werdenden Nachfrage nach Erdbeeren und der zunehmend trockener werdenden Sommer ist die Zahl illegaler Brunnen in der Nähe des Nationalparks in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Situation hat sich so weit zugespitzt, dass Wissenschaftler mittlerweile von einem Wassernotstand sprechen.

«Die Doñana ist umgeben von einer Unmenge illegaler Brunnen», erklärte Figuerola der Wissensplattform Spektrum.de. Rund 80 sollen es derzeit sein. Das dort abgezwackte Wasser wird gemäss «El Pais» unterirdisch über ein ebenfalls illegales Rohrleitungssytem auf den Plantagen verteilt.

Zeit, etwas zu ändern

Zwar stellte bereits 1992 eine Kommission fest, dass die Wasserressourcen der Coto de Doñana übernutzt werden. Doch geändert hat sich seither nichts. Im Gegenteil: Laut dem WWF steigt der Wasserbedarf seit den 1990er-Jahren in der Region immer stärker an.

Mindestens 60 Prozent des Wassers, das früher in die Doñana floss, werde heute für wirtschaftliche Zwecke genutzt. Nur ein Teil davon fliesse in die Touristenzentren an der Küste, der Grossteil werde für die Landwirtschaft genutzt.

Nun wird die Zeit knapp. Noch könne die Doñana wiederhergestellt werden, sagt Figuerola. «Aber niemand weiss, ab welchem Zeitpunkt es kein Zurück mehr gibt.»

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