Aktualisiert 03.11.2014 10:58

Desaster in ZeitlupeWie gefährlich ist der Lavastrom auf Hawaii?

Hawaii gilt als Synonym für Strand, Paradies und gute Laune. Was viele nicht wissen: Der US-Staat ist anfällig für Umweltkatastrophen.

von
Jennifer S. Kelleher, AP

Hawaii ist für wundervolle Sandstrände, Lebensfreude sowie als Surfparadies und Heimat von US-Präsident Barack Obama berühmt. Doch nun rollt seit Monaten eine Katastrophe auf die Menschen in der ländlichen Gemeinde Pahoa zu – in Zeitlupe.

Der Vulkan Kilauea auf der Hauptinsel Hawaiis ist einer der aktivsten der Welt. Seit 1983 bricht er immer wieder aus. In den 90er-Jahren wurden rund 200 Häuser durch einen Lavafluss aus dem Kilauea zerstört. Nun hat ein Lavastrom des Vulkans in dieser Woche Pahoa erreicht. Wie gefährlich ist die Lava für die Bewohner von Pahoa? Fragen und Antworten zu der glühenden Bedrohung:

Wie vorhersehbar ist der Weg, den der Lavastrom nehmen wird?

Forscher der hawaiianischen Vulkanbeobachtungsstelle können ermitteln, ob ein Ausbruch bevorsteht und daraus den Weg der Lava schlussfolgern. Das Problem: Man weiss nie genau, wie sich Lava als Naturphänomen weiterbewegt. Ähnlich wie bei einem Hurrikan können zwar Vorhersagen getroffen werden – bei beiden bleiben jedoch Unsicherheiten. Die Topographie der Hauptinsel Hawaiis trägt zu dieser Ungewissheit bei, wie der Vulkanologe der Drexel University in Philadelphia, Loyc Vanderkluysen, sagt.

Nach seinem Auftauchen im Juni bahnte sich die Lava zunächst seinen Weg durch dicht bewachsene Regionen. Dort ist es schwierig, Abzweigungen des Geländes festzustellen. Nun strömt die Lava wahrscheinlich mitten auf die Hauptstrasse von Pahoa, wie Vanderkluysen sagt. «Vielleicht ein wenig nach rechts oder nach links, aber sie wird auf die Strasse zusteuern.» Besonders schwierig ist vorherzusagen, wohin kleinere Äste des Flusses strömen werden. «Es kann nicht erfasst werden, wohin diese Abzweigungen führen werden», so Vanderkluysen.

Wie heiss ist die Lava?

Rund 1150 Grad Celsius, sagt die Sprecherin der Vulkanbeobachtungsstelle, Janet Babb. «Das ist zehn Mal so heiss wie kochendes Wasser.» Sobald die Lava jedoch der Luft ausgesetzt ist, nimmt die Temperatur rapide ab, sagt Vulkanexperte Vanderkluysen. «Die Kruste kühlt sich ab, sodass man nach ein paar Tagen bereits darauf herumlaufen kann.»

Wie kann man die Lava stoppen?

«Lava-Umleitung ist eine sehr komplexe Sache», sagt Behördensprecherin Babb – in rechtlicher, politischer, technischer und kultureller Hinsicht. Mithilfe von Gräben und Mauern wurde bereits am italienischen Ätna versucht, Lavaströme aufzuhalten – allerdings nur mit mässigem Erfolg. Zudem sind solche Versuche immens teuer, führt Vanderkluysen an.

Selbst die Bewohner der Region auf Hawaii haben sich dagegen ausgesprochen, gegen die Lava vorzugehen – aus Angst vor der Vulkangöttin Pele. Den Fluss vom Kilauea abzuleiten sei kulturell gesehen taktlos und greife in den Willen von Pele ein, heisst es in dem betroffenen Gebiet.

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