Task-Force informiert - Schweiz soll sich vor Omikron «in den Frühling retten» - BAG-Direktorin

Task-Force informiertSchweiz soll sich vor Omikron «in den Frühling retten» - BAG-Direktorin

Nach der Annahme des Covid-19-Gesetzes am Sonntag fordern viele Politiker für einzelne Bereiche des Lebens die 2G-Regel. Die Expertinnen und Experten der Taskforce nehmen um 15.30 Uhr Stellung zu den neusten Entwicklungen im Pandemieverlauf.

von
Newsdesk

«Es ist die Delta-Variante, die bis Weihnachten unser Leben bestimmt», sagt Tanja Stadler, Präsidentin der Covid-Task-Force. (Video: 20min)

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Montag, 29.11.2021

Zusammenfassung

Anne Lévy, die Direktorin des Bundesamts für Gesundheit, machte folgende Ausagen:

  • Zum ersten wahrscheinlichen Omikron-Fall in der Schweiz: «Morgen sollten wir mit Sicherheit wissen, ob es sich bei der betroffenen Person tatsächlich um eine Infektion mit der neuen Mutation handelt.»

  • Die betroffene Person befinde sich in Isolation, die Kontaktperson in Quarantäne.

  • «Es ist nicht möglich, die Corona-Variante für immer aus der Schweiz herauszuhalten.»

  • Über 350'000 Menschen in der Schweiz hätten den Booster schon erhalten.

Patrick Mathys, Leiter der Sektion Krisenbewältigung, sagte Folgendes:

  • «Für die Delta-Variante ist der letzte Vorhang ganz bestimmt noch nicht gefallen.»

  • Das Bild in der Schweiz sei allerdings «sehr heterogen».

  • Rund 60 Personen müssten wegen Corona täglich ins Spital.

  • Die Intensivplätze seien in der Schweiz gerade zu rund 77 Prozent belegt.

  • Aktuell seien 219 Patienten und Patientinnen wegen Corona auf den Intensivstationen.

  • Damit sei ein Viertel der Plätze durch Corona-Infizierte belegt.

  • «Es besteht das Risiko, dass die Omikron-Variante unser Immunsystem besser umgehen kann als die anderen Varianten.»

  • Die Datenlage sei für verlässliche Aussagen aber noch zu dünn.

Tanja Stadler, Präsidentin der Covid-Task-Force, äusserte sich wie folgt:

  • Omikron sei unabhängig von den Varianten Alpha und Delta entstanden.

  • Omikron weise rund 30 Mutationen auf.

  • Einige dieser Mutationen könnten dazu führen, dass auch Geimpfte und Genesene einen tieferen Schutz gegen diese Corona-Variante haben.

  • Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen seien nun daran, Omikron-Infizierte in Südafrika zu beobachten.

  • «Erste Resultate erwarten wir in einigen Tagen.»

Und hier noch einige Aussagen von Rudolf Hauri, Präsident der Kantonsärzte:

  • «Da die Liste der Länder mit Omikron immer länger wird, steigt der Aufwand überproportional an.»

  • Das Contact Tracing sei heute zwar besser ausgebaut, aber die Situation sei schwierig.

  • «In den kommenden Tagen werden die Kantone wohl weitere Massnahmen ergreifen.»

  • Denkbar seien eine Ausweitung der Maskenpflicht auf Innenräume und repetitives Testen an Veranstaltungen.

  • «Angesagt ist zügiges Vorgehen, jedoch keine Hektik.»

Medienkonferenz zu Ende

Die Medienkonferenz ist zu Ende. In Kürze folgt hier eine Zusammenfassung.

Vorweihnachtszeit könnte zu mehr Ansteckungen führen

«Die Vorweihnachtszeit wird zu mehr Ansteckungen führen», sagt Stadler. Braucht es also Massnahmen im privaten Bereich? Es sei gerade nicht der beste Zeitpunkt, um privat «grosse Partys zu feiern.» Jeder Einzelne könne dazu beitragen, das Infektionsgeschehen zu drücken.

Mehr Einschränkungen im Sport?

«Je weniger Leute sich treffen, desto besser», sagt Lévy. «Und wenn, dann mit Maske!» Der Bundesrat müsse darüber entscheiden, ob es weitere Einschränkungen für Grossanlässe im Sport geben werde oder nicht. Dazu wolle sich Lévy nicht äussern.

Flexible Massnahmen sind gefragt

Der Bundesrat habe immer wieder gesagt, dass er die Situation zeitnah beurteilen müsse, um flexibel Massnahmen treffen zu können, sagt Mathys.

«Genug Impfstoffe für alle»

Wenn jemand eine dritte Impfdosis erhalten hat, stiegen die Antikörper in dieser Person an. Dieser Vorgang helfe auch gegen Omikron, sagt Stadler. «Wir haben genug Impfstoffe für alle», ergänzt Lévy.

Kampf gegen Delta hilft auch gegen Omikron

«Es ist wirklich wichtig, dass wir im Moment Delta bekämpfen», sagt Lévy. Je schneller wir die fünfte «Delta-Welle» durchbrechen, desto besser seien wir gegen eine weitere Welle mit einer anfälligen neuen Virus-Mutation geschützt.

Schweiz hilft anderen Ländern aus

«Es war von Beginn weg wichtig, dass sich alle impfen lassen können», sagt Lévy. Die Schweiz setze sich auch dafür ein, dass sich die ganze Welt impfen lassen könne.

Könnte Omikron Delta verdrängen?

Es gebe noch zu wenig Fälle von Omikron, um das beurteilen zu können, antwortet Stadler auf diese Frage. Angesteckt mit Omikron hätten sich bis jetzt vor allem Jüngere. Nun müsse man genau beobachten, wie schwer die Verläufe mit Omikron wirklich seien. Die vorhandenen Daten dazu seien zu klein und statistisch nicht signifikant, sagt Stadler.

«Gezielt und intensiv reagieren»

«Es macht Sinn, jetzt gezielt und intensiv zu reagieren, und die Massnahmen später wieder aufzuheben», sagt Mathys.

Strengere Quarantäne-Regeln für Omikron-Fälle

Verdachtsfälle müssten in Isolatin gehen und ihre Kontaktpersonen auch, sagt Lévy. Auch wenn diese geimpft oder genesen seien. «In dem Sinne ist das eine Verstärkung der Quarantäne-Regeln», so Lévy.

Omikron könnte die Pandemie in der Schweiz bald bestimmen

«Wenn sich Omikron ähnlich verhält wie Delta, würde Omikron in zwei bis drei Monaten die Lage bestimmen», sagt Hauri. Darum sei es wichtig, jetzt Zeit zu gewinnen und entsprechende Massnahmen im grenzüberschreitenden Verkehr zu treffen. BAG-Chefin Lévy fügt an, dass die Schweiz sich mit neuen Massnahmen «in den Frühling retten» könne.

Kantone sollten koordiniert vorgehen

Die Kantone sollten sich untereinander absprechen und nicht bloss für sich planen, sagt Hauri. Wartezeiten für die Testresultate seien unschön, aber nicht die Regel. «Wir wollen natürlich, dass die Ergebnisse früher kommen», so Hauri.

Stadler zu den umstrittenen Masken

Schlussendlich gehe es immer um ein Zusammenspiel der Massnahmen und darum, wie sie umgesetzt werden, sagt Stadler. Masken seien zum Beispiel in Innenräumen sinnvoll. «Das bringt extrem viel, man kann so Übertragungen vermeiden», so Stadler.

Fragerunde

Nun läuft die Fragerunde.

Hauri zur Lage in den Spitälern

«Angesagt ist zügiges Vorgehen, jedoch keine Hektik», sagt Hauri. Die Lage in den Spitälern sei zwar noch nicht dramatisch, aber schon belastend. Er hält es für möglich, dass es Verschiebungen nicht dringlicher Eingriffe oder sogar Abstiche in der Behandlungsqualität geben wird.

Hauri erwartet weitere Massnahmen in den Kantonen

«Da die Liste der Länder mit Omikron immer länger wird, steigt der Aufwand überproportional an», sagt Hauri. Das Contact Tracing sei heute zwar besser ausgebaut, aber die Situation sei schwierig. «In den kommenden Tagen werden in den Kantonen wohl weitere Massnahmen ergriffen», sagt Hauri. Denkbar seien eine Ausweitung der Maskenpflicht auf Innenräume und repetitives Testen an Veranstaltungen.

Rudolf Hauri übernimmt

Nun spricht Rudolf Hauri, der Präsident der Kantonsärzte.

Delta dominiert nach wie vor das Infektionsgeschehen

Es gehe nun darum, mit gezielten Massnahmen Zeit zu gewinnen, sagt Stadler. «Reduzieren wir Kontakte, dann vermeiden wir grundsätzlich Übertragungen.» Wichtig seien auch die Impfungen. Omikron dürfe aber nicht vom aktuellen Problem – der Delta-Variante – ablenken. Sie werde das Infektionsgeschehen bis Weihnachten dominieren.

Omikron ist gefährlich für alle

«Omikron scheint das Potenzial zu haben, sich auch da rasch ausbreiten zu können, wo ein hoher Anteil der Bevölkerung genesen oder geimpft ist, und wo sich die Delta-Variante aktuell nicht mehr stark weiterverbreitet», sagt Stadler. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen seien nun daran, Omikron-Infizierte in Südafrika zu beobachten. «Erste Resultate erwarten wir in einigen Tagen», so Stadler.

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