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Kühle NächteWie gefährlich ist Schlafen im Keller?

Einige Schlaflose würden keine zehn Pferde dorthin bekommen, andere schwören darauf: an heissen Tagen im Keller nächtigen.

von
Daniela Gschweng
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Es ist Sommer in der Schweiz.

Es ist Sommer in der Schweiz.

Keystone/Valentin Flauraud
Und was liegt bei dieser Hitze näher als ein Sprung ins kühle Nass?

Und was liegt bei dieser Hitze näher als ein Sprung ins kühle Nass?

Keystone/Walter Bieri
Aber was tun, wenn das kühle Nass weiter weg ist?

Aber was tun, wenn das kühle Nass weiter weg ist?

Keystone/Salvatore di Nolfi

Wenn die Temperaturen über die 30-Grad-Grenze steigen, bekommen viele Menschen nachts kein Auge mehr zu. So mancher Zeitgenosse zieht sich in heissen Nächten darum in den Keller zurück. Dort ist bei tropischen Temperaturen noch erholsamer Schlaf zu finden.

Allein bei dem Gedanken, dass ein vorbeiwandernder Weberknecht womöglich den Schlafsack streift, würde sich manch einer lieber die Seele aus dem Leib schwitzen. Gut zu wissen daher: Ungeziefer ist in einem sauberen Keller tatsächlich eher selten.

Ganz amtlich: Kellerräume sind meist kein Wohnraum

Erlaubt ist das Schlafen im Keller nutzungsrechtlich gesehen in den meisten Fällen nicht. Keller haben meist keine Fenster, sind oft nicht genügend isoliert und entsprechen unter Umständen auch nicht den Brandschutzvorschriften. Als Wohn- und damit auch als Schlafraum sind sie oft ungeeignet.

In den Kellergängen liegen Schläfer?

Ist das eigene Kellerabteil zu vollgestopft, legt sich der eine oder andere Schläfer schon mal in die Kellergänge. Auch das ist, streng genommen, verboten. Im Treppenhaus schlafen Sie ja auch nicht, das ist gemeinschaftlicher Raum. Mitten in der Nacht interessiert das aber meist niemanden. Wer anderen schlaf- und ahnungslosen Hausbewohnern nicht einen heftigen nächtlichen Schrecken einjagen will, sollte trotzdem vorher Bescheid sagen.

Das sagt der Kantonsarzt

Ist der unterirdische Schlaf eigentlich gesund? Eine generelle Antwort darauf gebe es nicht, gibt der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen Auskunft. Jeder Keller sei eben anders. Wenn für genügend Isolation und Belüftung gesorgt ist und die Brandschutzvorschriften eingehalten werden, spreche eigentlich nichts dagegen, ein paar Nächte im Keller zu verbringen.

Schimmel? Nicht immer ist Lüften gut

Schimmel und Schimmelsporen können eine Gefahr für die Gesundheit sein. Die häufigsten Gründe für Schimmel sind schlechte Isolierung und Belüftung. Also Fenster auf – auch am Morgen nach der kühlen Nacht.

Ein Mensch verliert im Schlaf bis zu zwei Liter Flüssigkeit. Wenn die Aussentemperatur nicht mindestens fünf Grad unter der Kellertemperatur liegt, bringt das allerdings wenig: Die warme Luft von draussen kühlt ab und gibt die Feuchtigkeit an Wände und Einrichtung ab.

Und was ist mit Radon?

Lüften hilft aber gegen zu hohe Radonkonzentrationen. Radon ist ein natürliches radioaktives Gas, die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs und gelangt aus dem Erdreich in Häuser. Am ehesten passiert das, wenn der Kellerboden aus geologischen oder baulichen Gründen sehr durchlässig ist. Die höchsten Radonkonzentrationen in der Schweiz gibt es in den Alpen, im Jura und im Tessin.

Im Kanton Zürich beispielsweise sind laut dem Zürcher Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) aber nur etwa 0,4 Prozent aller Häuser zu hoch belastet. Lokal können auch in niedrig belasteten Gemeinden die Grenzwerte überschritten sein. Wer ganz sicher gehen will, fragt nach.

Wem das alles zu viel ist, für den kann ein Zelt im Garten im Sommer auch eine Alternative sein. Zumindest, sofern der- oder diejenige nicht nur eine Dachwohnung, sondern auch einen Garten hat.

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