Nachgefragt beim Arzt: Wie gefährlich sind 37 Wespenstiche?

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Nachgefragt beim ArztWie gefährlich sind 37 Wespenstiche?

Wespen stachen bei Teenagern auf einer Wanderung teilweise etliche Male zu. Ein Allergie-Experte erklärt, was das mit dem Körper macht.

B. Zanni
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B. Zanni
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«Eine Wespe hinterlässt pro Stich nur 20 bis 30 Mikrogramm Gift», sagt Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter der Allergiestation am Universitätsspital Zürich.

«Eine Wespe hinterlässt pro Stich nur 20 bis 30 Mikrogramm Gift», sagt Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter der Allergiestation am Universitätsspital Zürich.

Nataba
Auslöser der Wespenattacke waren Bodennester. «Der Wespenschwarm brach aus zwei Bodennestern neben dem Wanderweg Suonenweg aus», sagt Simon Vogler, Kommandant der Feuerwehr Schattenberge.

Auslöser der Wespenattacke waren Bodennester. «Der Wespenschwarm brach aus zwei Bodennestern neben dem Wanderweg Suonenweg aus», sagt Simon Vogler, Kommandant der Feuerwehr Schattenberge.

Simon Vogler
Normalerweise blieben solche Nester ruhig.

Normalerweise blieben solche Nester ruhig.

Simon Vogler

Herr Schmid, auf einer Schulreise im Wallis wurden Teenager von Wespen gestochen. Eine Schülerin erwischten die Wespen sogar 37 Mal. Wie gefährlich ist das?

Stiche in dieser Anzahl sind natürlich sehr schmerzhaft. Sie brennen ähnlich wie Brennesselstiche. Das kann mehrere Stunden oder Tage dauern. Auch bilden sich überall Quaddeln. Möglich sind Vereiterungen durch das Kratzen an den Stichen. Gegen die Schmerzen helfen Schmerzmittel. Manche Menschen bekommen vom Gift Fieber, das man mit fiebersenkendem Mittel behandeln kann. Ist die betroffene Person nicht allergisch auf Wespenstiche und haben die Wespen nicht beim Halszäpfchen zugestochen, besteht keine Lebensgefahr.

Aber Wespenstiche sind doch giftig.

Ja. Es gibt aber Menschen, die schon über 1000 Wespenstiche überlebt haben. Da zum Glück selten jemand Opfer von vielen Wespenstichen auf einmal geworden ist, besteht eine dünne Datenlage. Grundsätzlich kann man aber sagen: Damit Wespenstiche lebensbedrohlich werden, bräuchte es mehrere Hundert Stiche.

Warum verträgt man so viele Stiche?

Eine Wespe hinterlässt pro Stich nur 20 bis 30 Mikrogramm Gift. Gefährlicher sind Bienenstiche. Bienen verlieren den Stachel und geben den ganzen Giftsack mit 50 bis 80 Mikrogramm Gift ab. Darum würde ich mich lieber für 100 Wespen- als 100 Bienenstiche entscheiden.

Was passiert, wenn das Gift eine lebensbedrohliche Dosis erreicht hat?

Die Folgen sind Muskelzerfall, Blutzerfall und ein akutes Leber- und Nierenversagen. Das könnte unbehandelt zum Tod führen. Im Falle einer Allergie reicht natürlich schon ein Stich, um die Person in Lebensgefahr zu bringen.

Wie muss man bei einer Wespenallergie reagieren?

Bei einer leichten Allergie kommt es zu massiven lokalen Schwellungen und Nesselfieber. Dagegen wirken Tabletten. Im schweren Fall sind Atemnot oder ein Kreislaufkollaps die Folge. In diesem Fall kann eine Adrenalinspritze helfen, die sich die Betroffenen selbst geben können. Solch schwere Reaktionen zeigen sich häufig schon nach drei bis fünf Minuten.

Die Opfer der Schulklasse waren nicht allergisch. Laut dem Schulleiter schockierte sie die Attacke aber ziemlich. Was löst eine Wespenattacke bei den Opfern psychisch aus?

Eine solche Attacke ist traumatisch. Es ist möglich, dass manche Opfer künftig sehr schnell in Panik geraten, wenn sich eine Wespe ihnen nähert.

Wie soll man sich verhalten, wenn einem eine oder mehrere Wespen um den Kopf schwirren?

Sobald eine Wespe auf einen zufliegt, sollte man ganz ruhig bleiben und möglichst nicht herumfuchteln. Mit einem Wasserspray kann man sie gut verscheuchen, denn Wespen mögen kein Wasser. Sind sie nass, können sie nicht mehr gut fliegen.

Was raten Sie Menschen, die noch nie von einer Wespe gestochen wurden, aber nicht wissen, ob sie allergisch sind?

Die Wahrscheinlichkeit, auf Wespen allergisch zu sein, ist klein. Von 100 Prozent sind weniger als 5 Prozent betroffen. Feuerwehrleuten oder Imkern ist ein Bluttest zu empfehlen, um eine Allergie abzuklären. Sehr gut wirkt eine Desensibilisierung. Über 95 Prozent der Betroffenen reagieren danach nicht mehr allergisch.

Aufgrund der Hitze der vergangenen Wochen sind die Wespen zurzeit besonders aggressiv. Spüren Sie dies bei Ihren Patienten?

Ja. Wir behandeln zurzeit rund 20 Prozent mehr Wespenstiche als in anderen Jahren.

Im Video sehen Sie eine Stichprovokation mit einer Wespe, um den Therapieerfolg aufzudecken:

Wie gefährlich sind 37 Wespenstiche?

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