Stellen E-Autos in Tiefgaragen ein Brandrisiko dar?
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Stellen E-Autos in Tiefgaragen ein Brandrisiko dar?

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BrandgefahrWie gefährlich sind E-Autos in Tiefgaragen?

Gerät ein Elektrofahrzeug in Brand, ist es nur sehr schwer zu löschen. Riccardo möchte wissen, wie gefährlich solche E-Autos in Tiefgaragen sind.

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Riccardo ans AGVS-Expertenteam:

In vielen Tiefgaragen findet man mittlerweile Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Nun liest man immer mal wieder von Bränden von E-Fahrzeugen, die kaum noch zu löschen sind. Wie gefährlich sind diese E-Autos eigentlich?

Antwort:

Lieber Riccardo

Pauschal und abschliessend lässt sich deine Frage nicht beantworten. Aber ich werde versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Zunächst einmal gilt es, eines festzuhalten: Elektro- oder Hybrid-Autos mit ihren Lithium-Ionen-Batterien brennen nicht häufiger als Autos mit Verbrennungsmotoren. Bevor ein Elektrofahrzeug auf den Markt kommt, müssen die Hersteller bezüglich Sicherheit und Brandschutz entsprechende Normen erfüllen, sonst erhält es keine Zulassung.

Folgende Ursachen können im schlimmsten Fall zu einem Brand einer Batterie führen:

1. Die Batterie wird als Folge eines Unfalls verformt oder beschädigt. Dabei kann die Trenn-Membran, die zwischen Plus- und Minusseite liegt und normalerweise nur den Elektrolyten passieren lässt, Schaden nehmen, was zu ungewollten chemischen Reaktionen bis hin zum Kurzschluss führen kann. Wird dieser Prozess nicht gestoppt, kann eine Zelle die nächste «anstecken» und so eine Kettenreaktion auslösen («thermal runaway»). Diese Kettenreaktion führt zu einer Überhitzung der Batterie und schliesslich zum Brand.

2. Die Batterie könnte einen Produktionsfehler haben – ähnlich wie bei den brennenden Handys, von denen man immer mal wieder liest.

3. Auch zu hohe Ladeströme oder eine Überladung an der Ladestation können auftreten, wenn das Ladegerät den Ladevorgang nicht korrekt steuert bzw. beendet.

4. Die vierte Variante ist simpel: Wenn das Auto ohnehin brennt, brennt irgendwann auch die Batterie.

E-Fahrzeuge brennen zwar nicht häufiger als konventionelle Autos, aber sie brennen anders. Rein vom Energiegehalt einer vollgeladenen Elektroauto-Batterie (z.B. 60 kWh) liegt man deutlich unter dem Energiegehalt eines gefüllten Benzintanks (50 Liter entsprechen 430 kWh Energie). Heikel ist der bereits erwähnte «thermal runaway» bei einem Batteriebrand. Bei dieser Kettenreaktion gibt die Batterie innert Kürze die gespeicherte elektrische Energie in Form von Wärme frei. Dabei können Batterien praktisch nicht gelöscht, sondern müssen so gut wie möglich gekühlt werden. Beim Einsatz von Wasser muss man daher eher von Kühl- und nicht von Löschwasser sprechen.

E-Fahrzeuge brennen nicht häufiger als konventionelle Autos.

Markus Peter, AGVS

In Tiefgaragen kommt der Be- und Entlüftung eine wichtige Rolle zu, damit die giftigen Rauchgase abgeführt werden können. Das gilt natürlich auch für konventionell angetriebene Fahrzeuge. Bei E-Fahrzeugen ist einfach der «Giftcocktail» noch etwas umfangreicher.

Wichtig ist auch, dass Tiefgaragen mit Ladeplätzen gut konzipiert sind. Idealerweise sind solche Ladeplätze nahe an der Ein- und Ausfahrt gelegen, um das Herausschleppen zu ermöglichen bzw. zu vereinfachen. Auch die Raumhöhe spielt hier eine Rolle, denn die entsprechenden Bergungsfahrzeuge sind höher als die handelsüblichen Personenwagen.

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