Aktualisiert 05.07.2013 16:26

Brennendes Handy

Wie gefährlich sind Lithium-Ionen-Akkus?

Der Smartphone-Unfall einer jungen Westschweizerin wirft Fragen auf. Ihr Gerät explodierte und verletzte sie schwer am Bein. Unabhängige Experten nehmen Stellung.

von
Daniel Schurter

Smartphones sind unsere ständigen Begleiter – und eine Gefahrenquelle. Zu diesem beunruhigenden Schluss könnte man nach dem Unfall einer jungen Westschweizerin kommen. Ihr von Samsung fabriziertes Galaxy-Smartphone explodierte laut eigener Schilderung in der Hosentasche – sie erlitt schwere Verbrennungen am Bein.

Auf Anfrage heisst es bei Samsung Schweiz, man bedauere sehr, dass die junge Frau einen durch ihr Mobiltelefon verursachten Schaden erleiden musste. Den Kunden wird versichert, dass strengste Qualitätskontrollen bei der Produktion durchgeführt würden. Und: «Es scheint sich um einen Einzelfall zu handeln, da uns zum jetzigen Zeitpunkt kein vergleichbarer Fall vorliegt.»

«Spontane Selbstentzündung»

Auch wenn Panik fehl am Platz ist, steht eines fest: Grundsätzlich kann jeder Lithium-Ionen-Akku in Brand geraten. Sei dies wegen einer mechanische Beschädigung oder durch einen fehlerhaften Aufladevorgang. Fakt ist aber auch, dass solche Unfälle äusserst selten passieren. Rund um den Globus sind Milliarden von Batterien im Einsatz. Und zwar nonstop. Trotzdem werden nur sehr wenige Fälle von «spontanen Selbstentzündungen» publik.

Was passiert, wenn Akkus falsch geladen oder beschädigt werden? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Forscher der Eigenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, kurz Empa (siehe Video). Zum Smartphone-Unfall in der Westschweiz will man sich aus verständlichen Gründen nicht äussern. Das wäre erst nach einer detaillierten Untersuchung möglich, heisst es.

Richtig aufbewahren!

Die Empa-Fachleute rufen die allgemeinen Verhaltensregeln in Erinnerung. So solle man Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets nicht an heissen Orten aufbewahren – ganz schlecht wäre etwa die Lagerung in einem von der Sonne aufgeheizten Auto.

Auch durch einen Sturz könnte der Akku (zunächst unbemerkt) Schaden nehmen. Allerdings ist auch dabei von einem äusserst geringen Risiko zu sprechen: Tag für Tag passieren unzählige solche Missgeschicke, ohne dass die betroffenen Geräte später überhitzen oder gar explodieren.

Neue Erfindung verhindert Akku-Brände

Der Innerschweizer Elektroingenieur Alois Büsser beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Lithium-Ionen-Akkus und auch mit den Gefahren, die von den mobilen Energiespeichern ausgehen. Bei einer defekten Batterie könne es zu einer Kettenreaktion kommen, sagt der Fachmann. «Dann wird die ganze Energie schlagartig in Form von Wärme freigesetzt.»

Büsser hat sich mit seiner in Bilten GL beheimateten Firma Feron AG auf sogenannte Hochleistungsbatterien (LiFePO4) konzentriert, wie sie in Elektrofahrzeugen verbaut werden. Im neuen Elektro-Dreirad der Post steckt eine von ihm entwickelte Technik, die Batterie-Brände wirkungsvoll verhindert. «Wir haben einen Weg gefunden, das Risiko zu minimieren», sagt der 61-Jährige. Wie bei vielen anderen technischen Lösungen gelte aber auch hier: «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.»

Seine Erfindung, die er zur Patentierung angemeldet hat, greift in die chemischen Prozesse ein, die im Akku ablaufen. Er ist davon überzeugt, dass die neuartige Technik auch andere Geräte, die solche Batterien verwenden (z.B. Smartphones), sicherer machen könnte. Das sei eine Frage des Aufwands. Sprich: Es hängt letztlich von den Geräteherstellern ab, ob sie ein heute schon sehr kleines Risiko weiter verringern wollen.

Überall zu finden

Längst haben Lithium-Ionen-Akkus als leistungsfähige mobile Energiespeicher in unserem Alltag Einzug gehalten. Sie werden in Autos, Notebooks und Smartphones verbaut. Sie sind aber auch in Passagierflugzeugen wie dem Boeing Dreamliner und in diversem Kinderspielzeug zu finden. In den vergangenen Jahren kam es verschiedentlich zu Rückrufaktionen der Hersteller. Tausende Geräte mussten wegen Produktionsfehlern aus dem Verkehr gezogen werden, und der Dreamliner blieb wegen Sicherheitsbedenken vorübergehend am Boden.

Vorsicht bei Reparaturen!

Eine unsorgfältig durchgeführte Reparatur eines iPhones hätte beinahe eine Massenpanik in einem Verkehrsflugzeug ausgelöst. Dies zeigt eine im Frühjahr 2012 veröffentlichte Untersuchung von Flugunfall-Experten aus den USA und Australien. Laut Bericht brannte der Lithium-Ionen-Akku wegen einer losen Minischraube durch. Solche Kurzschlüsse könnten unerwartet auftreten - und dabei sei eine Entzündung der umliegenden Materialien möglich, hiess es. Die missglückte iPhone-Reparatur sei nicht durch den Hersteller oder einen autorisierten Apple-Partner durchgeführt worden.

Die Internationale Zivilluftfahrts-Organisation IATA hat sich intensiv mit dem sicheren Transport von Lithium-Ionen-Akkus befasst und entsprechende Vorschriften erlassen. In dem 2013 überarbeiteten Leitfaden (PDF) ist im Detail festgehalten, welche Batterie-Typen unter welchen Bedingungen an Bord gelangen dürfen. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Fachleute von einem äusserst geringen Risiko ausgehen, was zertifizierte Akkus betrift.

(dsc)

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