Aktualisiert 11.03.2020 11:49

Mohammed Hamid (13)

Wie geht es dem verbrannten Buben heute?

Erinnern Sie sich an Mohammed Hamid? Das Bild des vor Schmerz schreienden und von Brandblasen überzogenen Kindes ging um Welt. Wo ist der junge Syrer heute?

von
gux
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Diese Aufnahmen gingen vielen ans Herz: Mohammed Hamid (13) wurde vergangenen Oktober schwer verletzt.

Diese Aufnahmen gingen vielen ans Herz: Mohammed Hamid (13) wurde vergangenen Oktober schwer verletzt.

20 Minuten
Er wurde im Militärspital von Percy, Frankreich, behandelt. Heute ...

Er wurde im Militärspital von Percy, Frankreich, behandelt. Heute ...

Screenshot Rudaw

«Papa, Papa! Mach, dass das Brennen aufhört!», schrie Mohammed Hamid (13), als er Ende Oktober 2019 während der türkischen Offensive auf Nordsyrien/Rojava ins Spital in Tel Tamr gebracht wird.

Es wurde – und wird weiterhin – vermutet, dass Mohammed mit weissem Phosphor besprüht worden war – einem hochgiftigen Stoff, der in Brandbomben und Nebelkampfstoff enthalten sein und Verbrennungen bis auf die Knochen hinterlassen kann.

Der Oberkörper des Kindes war jedenfalls komplett mit Brandblasen überzogen. Mohammed war nicht das einzige Opfer mit derlei Verletzungen, aber eines der jüngsten und am schwersten getroffenen. Da es in Nordsyrien keine geeigneten Behandlungsmöglichkeit gab, wurde der Bub zunächst in den Nordirak und schliesslich nach Frankreich geflogen.

Er muss immer noch im Spital bleiben

Mitte November kam es im französischen Militärspital in Percy zu Komplikation: Mohammeds Wunden infizierten sich, und sein Zustand verschlechterte sich so sehr, dass sein Onkel in Syrien nicht mehr darauf zu hoffen wagte, seinen Neffen noch einmal lebend zu sehen.

Doch Mohammed erholte sich. Und mittlerweile geht es ihm sogar so gut, dass er Frankreich verlassen konnte. Er und seine Familie sind zwar nicht nach Syrien zurückgekehrt, sondern haben im Nordirak Zuflucht gefunden, wo Mohammed das Spital aber noch nicht verlassen darf. «Mir geht es gut, Gott sei Dank», sagt der Bub zur kurdischen Rudaw. «Es geht mir besser als je zuvor. Ich glaube, bald kann ich sogar nach draussen gehen.»

Bis heute ungeklärt

Bis heute ist nicht geklärt, welcher Stoff den Teenager so schwer verletzte, dass 45 Prozent seiner Haut zweit- und drittgradig verbrannt und verätzt wurden. Die Türkei dementiert, bei ihrer Offensive auf Nordsyrien weissen Phosphor eingesetzt zu haben. Diesen Kampfstoff habe man nicht im Arsenal. Der Einsatz von weissem Phosphor gegen Zivilsten im Krieg ist seit 1977 verboten, nicht aber bei Kampfhandlungen.

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen OPCW sammelte zwar zu Beginn Material für eine Untersuchung, teilte aber dann mit, für Fälle mit weissem Phosphor nicht zuständig zu sein.

«Kümmert es irgend jemanden?»

Die UNO beziehungsweise die Weltgesundheitsorganisation erklärte zudem, dass es keine Berichte über eine Häufung von Verbrennungsfällen aus Nordsyrien gebe. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt weder die WHO noch eine andere UN-Organsiation im Land.

«Kümmert es irgendjemanden?», fragt der britische Journalist Anthony Loyd in einem Artikel. Die Armee des syrischen Machthabers Assad verwende im Bürgerkrieg seit Jahren international verbotene Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung. Loyd, der dabei war, als Mohammed an jenem 22. Oktober in Tel Tamr eingeliefert wurde, schliesst so: «Wenn Assad damit durchkommt, ist es extrem unwahrscheinlich, dass ernsthafte Ermittlungen gegen den Nato-Partner Türkei eingeleitet werden.»

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