Medienkonferenz AfghanistanEDA schickt Swiss-Flugzeug für Evakuation

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) informiert in einer Medienkonferenz zur aktuellen Lage. 20 Minuten berichtet im Stream und Ticker.

von
Newsdesk

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Freitag, 20.08.2021

Zusammenfassung

Das EDA ist weiterhin bemüht, alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger auszufliegen. Ihm sind 35 Personen bekannt. Elf konnten bereits das Land verlassen, davon ist eine in der Schweiz angekommen. Von 40 Personen mit ständiger Aufenthaltsbewilligung sind derzeit acht ausgereist. Von den über 200 Personen, die für die Schweiz arbeiteten, konnte leider noch niemand ausgeflogen werden.

Die grösste Hürde ist der Flughafen. Dieser stösst laufend an seine Kapazitätsgrenzen und wird von den USA kontrolliert. Schweizer Personen werden nach Taschkent geflogen. Dort wird auch ein Charterflug der Swiss im Auftrag des EDA landen und medizinische Hilfsgüter (unter anderem 2 Millionen Schutzmasken) für Usbekistan mitbringen.

Für das EDA haben drei Punkte Priorität: die Evakuation aus Afghanistan, die Unterstützung Usbekistans im Kampf gegen Corona und Verstärkung nach Kabul zu senden, welche die bereits vor Ort agierenden Soldaten unterstützt.

Die Medienkonferenz ist beendet

Es werden keine weiteren Fragen gestellt. Lesen Sie hier in Kürze eine Zusammenfassung.

Könnte es sein, dass Personen wieder in Afghanistan arbeiten werden?

«Im Moment ist alles Spekulation, jetzt geht es darum, alle Personen rauszuholen. Falls die Voraussetzungen erfüllt sind, kann man das evaluieren. Das Kooperationsbüro ist vorübergehend geschlossen», Matyassy.

Was kann dieser Flug der Suisse?

Der Charterflug werde gebraucht, um Hilfsmittel und weiteres Personal vor Ort zu bringen. «Alle Personen, die diesen Flug erwischen, sind bestimmt glücklich», so Benz.

Die SP fordert, 10'000 Personen in die Schweiz auszufliegen. Warum macht man das nicht?

«10'000 ist an der Realität gemessen kaum möglich», sagt Lenz. «Die Deutschen haben es geschafft, 1000 Afghaninnen und Afghanen auszufliegen.»

Wer entscheidet, wer am Flughafen durchkommt?

«Nach wie vor haben die USA die Leitung über den Flughafen, sie entscheiden», sagt Lenz. «Es ist nicht einfach, sich Gehör zu verschaffen, sehr viele Länder haben dieselben Absichten. Es ist kaum absehbar, dass wir eine Priorität erhalten für die Ausreise der Schweizer.»

Wie lange wird es dauern, bis die Schweizer ausreisen können?

Lenz: «Realistisch zu sein, ist schwierig. Das kann morgen sein, oder auch später. Es gibt so viele Unwägbarkeiten.»

Mitarbeiter verletzt

Zusätzlich schwierig sei es, weil die Taliban immer wieder versuchen, Panik auszulösen. Ein Mitarbeiter des Kooperationsbüros der Schweiz wurde bei einer Panik verletzt, als Taliban in die Luft schossen.

Gibt es einen Mangel an militärischen Transportkapazitäten?

Lenz sagt: «Die Personen gelangen bis vor den Flughafen. Jetzt gilt es, in den Flughafen zu gelangen. Es werden nur so viele Leute reingelassen, wie der Flughafen Startkapazitäten hat. Das kann schnell gehen, und dann muss man in Position sein, praktisch 24 Stunden täglich. Wir schätzen es sehr, dass Usbekistan uns Hand bietet, aber in Taschkent kommen nur so viele rein, wie in sechs Stunden weiterreisen können. Man kann sagen, dass es zu wenig Flugkapazitäten gibt.»

Was ist der genaue Stand der Schweizer in Afghanistan?

Lenz: «Immer mehr Schweizer in Afghanistan melden sich beim EDA. Von 35 bekannten Personen konnten elf bereits das Land verlassen, davon ist eine in der Schweiz angekommen. Von 40 Personen mit ständiger Aufenthaltsbewilligung sind derzeit acht ausgereist. Von den über 200 Personen, die für die Schweiz arbeiteten, konnte leider noch niemand ausgeflogen werden.»

Ausreise hat höchste Priorität

Das EDA ist bemüht, alle Schweizer Bürger ausreisen lassen zu können. «Die Evakuierungen haben höchste Priorität. Es ist nicht einfach», sagt Lenz. Die Ausreise aus Kabul erfolge mit militärischen Flügen nach Taschkent, Usbekistan. Ein Flugzeug der Swiss wird morgen nach Taschkent fliegen, mit Schutz- und medizinischem Material. Darunter auch über eine Million Schutzmasken für Usbekistan. «Wir wissen noch nicht, ob dieser Flug Schweizerinnen und Schweizer nach Hause nehmen kann», so Lenz.

Hans-Peter Lenz spricht: «Die aktuelle Lagebeschreibung basiert auf verschiedenen Quellen.» Es mehren sich die Berichte, dass die Taliban vermehrt verhaftet und tötet. Ausgangssperre: Da widersprechen sich die Berichte. Der Zutritt zu Flughäfen bleibt schwierig bis sehr schwierig.

26 Millionen jährlich

«Die Schweiz betreibt seit über 20 Jahren ein Kooperationsbüro, das wir schliessen mussten. 26 Millionen bezahlt die Schweiz jährlich an Hilfskooperationen nach Afghanistan. Wir sind sehr besorgt und sehen die Nachrichten, die uns erschüttern. Besonderen Schutz sollen Frauen und Kinder erhalten. Die Wege zu den Flughäfen müssen diskriminierungsfrei zugänglich sein», so Matyassy.

Zur aktuellen Lage

Johannes Matyassy spricht: «Wir prüfen Möglichkeiten, um unsere Partner zu unterstützen und zu stärken. Wir kennen die Verhältnisse und es ist nicht einfach. Man kann nicht immer alles erreichen, was man möchte und was von einem gewünscht wird.«

Die Medienkonferenz beginnt

Michael Steiner eröffnet den Point de Presse und begrüsst die Anwesenden.

Medienkonferenz

Dutzende Schweizer Staatsangehörige wollen aus Afghanistan ausreisen. Sie werden vom Bund eine Rechnung bekommen, weil sie Reisewarnungen missachtet haben. Der Stv. Staatssekretär Johannes Matyassy und Botschafter Hans-Peter Lenz, Leiter der Krisenzelle Afghanistan, informieren ab 17 Uhr über die aktuelle Lage und beantworten anschliessend Fragen.

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