Impfplan in Zürich angepasst«Bitte fragen Sie Ihren Hausarzt heute nicht, ob er impft!»

Seit dem 4. Januar wird im Kanton Zürich gegen Corona geimpft. Später sollen Impfungen auch beim Hausarzt möglich sein.

«Bitte fragen Sie Ihrem Hausarzt nicht, ob er impft!»

Seit dem 4. Januar wird im Kanton Zürich gegen Corona geimpft. Später sollen Impfungen auch beim Hausarzt möglich sein. (Video: 20M)

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Montag, 11.1.2021

Zusammenfassung

Seit dem 4. Januar werden im Institut für Reisemedizin (EBPI) in Zürich Personen über 75 Jahren und Risikopatienten gegen Corona geimpft. Heute werden auch erstmals Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende eines Heims eine Impfung erhalten. Es handelt sich um das Wohnzentrum Fuhr in Wädenswil.

Da derzeit nur wenig Impfstoff zur Verfügung steht, muss sich die Bevölkerung noch gedulden, sagte die stellvertretende Kantonsärztin Bettina Bally. Im Kanton Zürich werden bis Ende Jahr 2,8 Millionen Impfstoffe zur Verfügung stehen. Das seien genügend Dosen, sodass sich alle Personen impfen lassen können, wenn sie wollen. Die grössten Impfmonate sollen der Mai und Juni werden. Bis Ende März sollen 140’000 Moderna-Impfdosen zur Verfügung stehen.

Der Kanton hat den Impfplan abgeändert. Auch die Hausärzte sollen bald impfen können. 165 Praxen erhalten voraussichtlich noch im Januar je 100 Impfdosen. Im Februar kommen weitere 250 Praxen dazu. Die Ärzte bitten ihre Patienten ebenfalls um ein wenig Geduld. «Bitte rufen Sie Ihren Hausarzt nicht an und fragen Sie ihn nicht, ob er impft», sagt Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich. Es müsse zuerst koordiniert werden. Hochrisikopatienten werden von ihren Ärzten kontaktiert.

Nebst dem Universitätsspital Zürich werden ab dem 18. Januar zusätzlich das Kantonsspital Winterthur und das Stadtspital Triemli Impfungen an Hochrisikopatienten verabreichen. Die betroffenen Personen werden vom Spital kontaktiert.

Der Projektleiter Markus Näf entschuldigt sich für die aufgetauchten Probleme auf dem Anmeldetool am 30. Dezember. Noch im Januar wird es eine neue Anmeldemöglichkeit geben, wo sich Personen über 75 Jahre für einen Impftermin am EBPI registrieren werden können.

Nach dem heutigen Startschuss in Wädenswil sollen bis Mitte April 40’000 Bewohnerinnen und Bewohnern sowie auch Mitarbeitenden in 400 Heimen beide Impfdosen verabreicht werden. Der Kanton hofft auf eine Impfrate von rund 70 Prozent. In Wädenswil wollen sich 76 Prozent der Bewohner und 60 Prozent der Mitarbeitenden impfen lassen.

Impfen nach Corona-Erkrankung

Wie sinnvoll ist es, wenn Leute geimpft werden, die bereits Corona hatten? «Es ist auf jeden Fall sinnvoll», so Bally. Die Immunität halte nur drei Monate und gewährleiste somit keinen Schutz nach dieser Periode. Das sei die aktuelle Forschungslage.

Moderna-Impfstoff

Bally sagt, dass sie hofft, dass voraussichtlich noch diese Woche der Moderna-Impfstoff zugelassen werde. Laut Näf sollen bis Ende März 140'000 Moderna-Impfdosen zur Verfügung stehen. «Plangemäss sollte der Impfstoff bis Anfang Februar geliefert werden.» Es soll im Verlauf des Jahres noch ein weiterer Impfstoff zugelassen werden, so Näf.

Josef Widler

Die Ärzte haben sich angeboten als kleine Impfzentren mitzumachen, da sie ihre Patienten am besten kennen, so Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich. «Wenn genügend Impfstoffe da wären, könnten wir Personen impfen. Aber wir haben auch heute für Risikopatienten noch zu wenig Impfungen.»

«Bitte rufen Sie Ihren Hausarzt nicht an und fragen Sie ihn nicht, ob er impft. Bitte warten Sie ab! Wir müssen das zuerst koordinieren», so Widler. Die Ärzte haben auch neben Corona Hochbetrieb. Sie müssen planen, wie sie neben dem Tagesbetrieb die Impfungen durchführen können, erklärt Widler.

Wie eine grosse Familie

«Die Personen in den Heimen haben mehr soziale Kontakte als wir. Es ist wie eine grosse Familie», so Müller. Darum freue er sich, dass nun die Impfung kommt.

Ablauf in Heimen

Müller erklärt, dass Einwilligungen der Bewohner und Mitarbeitenden eingeholt werden mussten. «Diese kommen in den nächsten Tagen rein.» Ebenfalls musste das Personal geschult werden für die Impfung.

Die Heime im Kanton werden nun ihre Impftermine erhalten. «Die Institutionen werden bis am Vortag ihres Termins Impfungen bestellen können. Am nächsten Tag werden sie geliefert und dann geimpft», sagt Müller.

Impfung in 400 Heimen

«Es freut mich, dass es jetzt in den Heimen losgeht», sagt André Müller, Präsident von CURAVIVA Kanton Zürich. Der Impfstoff stehe für die Bewohner der Heime bereit.

Bis Mitte März werden in allen 400 Heimstandorten rund 40'000 Bewohner und Mitarbeitende das erste Mal geimpft. Bis Mitte April sollte die zweite Impfung verabreicht werden können, so Müller. «Wir hoffen auf eine Impfrate von 70 Prozent.»

Heute werden erstmals Personen in einem Heim in Fuhr in Wädenswil geimpft. Angemeldet haben sich laut Müller 76 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner.

Das ursprüngliche Konzept ging davon aus, dass man nur in Impfzentren impft und in den Heimen sowie bei Patienten, die nicht mobil sind, sagt Näf. «Das wird nun angepasst.»

Anmelde-Chaos

«Die breite Bevölkerung kann erst geimpft werden, wenn die Risikopatienten und das Gesundheitspersonal geimpft sind», so Näf.

Man habe gewusst, dass es einen hohen Andrang auf das Anmeldetool am 30. Dezember geben wird. Die aufgetauchten Probleme hätten nicht auftauchen sollen, sagt Näf. «Es tut uns leid für die Personen, die versucht haben einen Termin zu bekommen.» Näf sagt weiter: «Wir arbeiten daran, dass schon bald neue Termine aufgeschaltet werden.»

Impfzentren ab April

«Am meisten Impfstoffe werden uns für Mai und Juni zur Verfügung stehen. Daher müssen die Impfzentren erst im April bereitstehen», sagt Näf. In den Spitälern werden die Hochrisikopatienten geimpft. «Wenn der Moderna-Impfstoff zur Verfügung steht, kann bei den Hausärzten geimpft werden.» Zurzeit werden die Leute zur Impfung aufgefordert, man könne sich für diese Impfungen zurzeit nicht anmelden.

2,8 Millionen Impfungen

«Es kommen genügend Impfstoffe, dass sich jede Person im Kanton wird impfen lassen können», sagt Markus Näf, Projektleiter Corona-Impfungen im Kanton Zürich. Die Impfungen seien kein Wettrennen, es gehe darum ein gutes Zusammenspiel aller Partner zu finden.

Der Kanton Zürich hat für das ganze Jahr rund 2,837 Millionen Impfungen zur Verfügung. «Das sind genügend für alle, die sich impfen lassen wollen», versichert Näf.

Gerüchte zur Impfung

«Der Impfwille ist erfreulicherweise hoch», so Bally. Es seien jedoch Gerüchte im Umlauf, dass die Impfung unfruchtbar machen könnte. «Es gibt keine Hinweise auf eine Unfruchtbarkeit nach einer Corona-Impfung.»

Bettina Bally

Die Medienkonferenz beginnt. Bettina Bally, stellvertretende Kantonsärztin, sagt, dass der Impfstart erfolgreich war, aber dass die Leute geduldig sein müssen, da nur wenige Impfstoffe verfügbar sind. «Wir fokussieren zurzeit auf Personen ab 75 Jahren und solche mit schweren Vorerkrankungen.»

Medienkonferenz

Ein Ehepaar aus Wetzikon erhielt am 4. Januar die erste Corona-Impfung. Seitdem werden im Institut für Reisemedizin in Zürich Zürcherinnen und Zürcher ab 75 Jahren und Hochrisikopatienten geimpft. Termine gibt es derzeit keine mehr.

Am Montag um 10 Uhr informiert die Gesundheitsdirektion über die weitere Umsetzung der Impfstrategie und die Impfung in Alters- und Pflegeheimen.

An der Medienkonferenz nehmen teil:

  • Bettina Bally, stellvertretende Kantonsärztin

  • Markus Näf, Projektleiter Corona-Impfungen im Kanton Zürich

  • André Müller, Präsident von CURAVIVA Kanton Zürich

  • Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich