Steuersünder Hoeness: Wie gesteht man am besten einen Fehltritt?
Aktualisiert

Steuersünder HoenessWie gesteht man am besten einen Fehltritt?

Uli Hoeness in Sachen Fussball stets Herr der Lage. Doch war seine Kommunikation in eigener Sache auch erste Liga? Wir fragten Kommunikationsexperte Roger Huber.

von
P. Dahm

20 Minuten: Herr Huber, Stichwort Krisenkommunikation: Wie gesteht man am besten einen Fehltritt?

Roger Huber: Schnell, bevor andere die Meinungshoheit übernehmen. Damit hätte er alle Spekulationen verhindern können. Uli hätte mit einer proaktiven Kommunikation den medialen Shitstorm abschwächen können. Wenn eine Krise im Anmarsch ist, nicht warten, bis sie ausbricht, sondern handeln. Agieren statt reagieren - dann ist man im Lead.

Uli Hoeness hat wegen der «Exzesse in einigen Berichterstattungen» mit dem Anwalt gedroht. Wie wird so eine Reaktion wahrgenommen?

Das ist eine eher klägliche Verteidigung. Bringt nichts, im Gegenteil.

Als sich der frühere deutsche Bundespräsident Christian Wulff im TV-Interview zu seinem Fall geäussert hat, erntete er jede Menge Kritik. Wie vermeidet Hoeness den «Wulff-Effekt»?

Hoeness' Konto war bei der Bank Vontobel

Wulff und Hoeness sind zwei völlig unterschiedliche Typen - Politiker gegen Macher. Deshalb ist die Enttäuschung bei Hoeness auch so gross. Er kann sich aber, wie heute mit seiner Entschuldigung, einen Teil der Reputation wieder zurückholen. Fehler machen ist nicht schlimm. Nicht dazu zu stehen hingegen schon. Das grosse Problem von Hoeness sind die vielen «Predigten» in den vergangenen Jahren. Da er nun selber als Betrüger dasteht, gibt er seinen Feinden viel Munition.

Statt Volkszorn erregt so manches Geständnis auch einen Soldarisierungseffekt. Wann ist das der Fall?

Bei 20 Millionen gibt es keine Solidarisierung. Aber nach der Wutzeit, werden seine grossen Verdienste wieder sichtbar. Und ein Sieg in der Champions-League würde Uli auch helfen.

Hilft auch die Neuigkeit, dass man einem Liga-Konkurrenten für 37 Millionen Euro einen Spieler abgeluchst hat?

Grundsätzlich überdeckt so eine Nachricht natürlich die Steueraffäre. Ich bin überzeugt, dass der FC Bayern den Götze-Transfer bewusst zu diesem Zeitpunkt publik gemacht hat.

Roger Huber, Präsident des Schweizer Verband für Krisenkommunikation (vkk)

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