Aktualisiert 31.12.2012 21:12

SNB-Gewinne

Wie gewonnen, so zerronnen

Der sinkende Goldpreis und der starke Franken lassen den Nationalbankgewinn zum Jahresende schrumpfen. Für Bund und Kantone bleibt voraussichtlich eine Milliarde übrig.

von
Balz Bruppacher
Der Reingewinn der SNB für das ganze Jahr dürfte sich im mittleren einstelligen Milliardenbereich bewegen.

Der Reingewinn der SNB für das ganze Jahr dürfte sich im mittleren einstelligen Milliardenbereich bewegen.

Ende September meldete die Schweizerische Nationalbank (SNB) für die ersten neun Monate dieses Jahres einen Rekordgewinn von 16,9 Milliarden Franken. Das weckte bei den Kantonen Hoffnungen auf eine zusätzliche Gewinnausschüttung. Denn vor Jahresfrist hatten das Eidgenössische Finanzdepartement und die Nationalbank vereinbart, dass die jährliche Überweisung von 1 Milliarde Franken an Bund und Kantone bei unerwartet hohen Gewinnen aufgestockt wird. Und zwar dann, wenn im Bilanzposten «Ausschüttungsreserve» nach der ordentlichen Gewinnzuweisung mehr als 10 Milliarden Franken liegen.

3,9 Milliarden Franken sind aus dem letztjährigen Gewinn schon jetzt in diesem Reservetopf. Für die Aufstockung der gesetzlich vorgeschriebenen Rückstellungen gehen rund 3 Milliarden weg; eine weitere Milliarde ist für die ordentliche Gewinnausschüttung reserviert. Für eine zusätzliche Ausschüttung wäre also ein Jahresgewinn von gut 10 Milliarden Franken nötig. Problemlos, könnte man meinen, wenn der Neun-Monats-Gewinn fast 17 Milliarden betrug. Da und dort wurde auf Grund einer simplen Hochrechnung auch ein Jahresgewinn von über 20 Milliarden Franken in Aussicht gestellt.

Verfehlte Hochrechnungen

Doch solche Gewinnprojektionen führen im Falle der Nationalbank in die Irre. Denn sie funktioniert anders als eine Geschäftsbank; die Gewinnmaximierung gehört zudem nicht zu ihrem Auftrag. Wegen der massiven Devisenkäufe zur Verteidigung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken ist die Nationalbank mehr denn je gegenüber Wechselkursveränderungen exponiert. Schon minime Verschiebungen lösen auf dem riesigen Devisenberg Gewinn- oder Verlustlawinen in Milliardenhöhe aus.

Devisenberg verliert in 3 Monaten 9 Milliarden an Wert

Genau dies in den letzten drei Monaten dieses Jahres passiert. Der Franken hat sich gegenüber den wichtigsten Reservewährungen weiter aufgewertet. Nimmt man die Devisenbestände von Ende September zum Massstab, macht der Kursverlust bis Sylvester Mittag gut 9 Milliarden Franken aus. Am deutlichsten an Wert büssten die Yen-Guthaben ein, weil die japanische Währung im Vergleich zum Franken seit Ende Septeber einen Kursverlust von fast 12 Prozent erlitt.

Auch Gold glänzt weniger hell

Doch damit nicht genug: Auch der 1040 Tonnen schweren Goldschatz der Nationalbank büsste in den letzten drei Monaten massiv an Wert ein. Beim heutigen Kilopreis von 49 012 Franken waren die Goldreserven noch 50,972 Milliarden Franken wert - 4,6 Milliarden Franken weniger als Ende September.

Auf den Devisenreserven und dem Goldbestand erlitt die Nationalbank im letzten Quartal also einen Buchverlust von gegen 14 Milliarden Franken. Die 10-Milliarden-Franken-Schwelle für eine höhere Gewinnausschüttung ist kaum zu knacken, selbst wenn die Nationalbank die Zins- und Dividendenerträge im letzten Quartal weiter gesteigert hat. Der Reingewinn für das ganze Jahr dürfte sich im mittleren einstelligen Milliardenbereich bewegen. Damit bliebe es für 2012 bei der Ausschüttung von 1 Milliarde Franken an Bund (1/3) und die Kantone (2/3).

Jordan weint geschmolzenem Gewinn kaum Träne nach

Im Gegensatz zu den kantonalen Finanzdirektoren dürfte die Nationalbank dem Gewinnschwund im Schlussquartal kaum nachtrauern. Denn erst vor Jahresfrist hatte sie in Verhandlungen mit dem Bund erreicht, dass bis 2015 im Prinzip nur noch eine Milliarde statt wie in den neun vorangegangenen Jahren 2,5 Milliarden Franken pro Jahr an Bund und Kantone verteilt wird. Müsste die Ausschüttung schon nach einem Jahr auf Grund der Ausnahmeklausel wieder erhöht werden, könnte dies den Gelüsten der Politik auf das Geld der Notenbank neuen Vorschub leisten. Für SNB-Präsident Thomas Jordan hat bis auf weiteres ohnehin die Stärkung des Eigenkapitals Vorrang vor der Gewinnausschüttung. «Gute Zwischen- oder auch Jahresergebnisse dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass erhebliche Risiken auf unserer Bilanz lasten», mahnte er Ende November.

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