30 Jahre: Wie GIFs unser Herz und das Internet erobert haben

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30 JahreWie GIFs unser Herz und das Internet erobert haben

Verpixelt, ohne Ton – und dennoch Kult: Im Juni 1987 wurde das GIF-Format geboren. Heute sind die Animationen in jeder Ecke des Internets anzutreffen.

von
swe

Eine Video-Hommage an die letzten drei Jahrzehnte animierte GIFs. (Video: 20M)

Wer GIFs anschaut, wird selten enttäuscht. Die Animationen sind kurz, der Inhalt packend. Diesen Monat ist es genau 30 Jahre her, seit der Programmierer Steve Wilhite bei der Firma Compuserve das Grafikformat entwickelte. Und eines stellte er gleich klar: die Abkürzung des Graphic Interchange Format wird nicht als «Gif» sondern als «Tschif» ausgesprochen.

Soweit sich Wilhite erinnern kann, zeigte das erste GIF-File ein Flugzeug. Die animierten Bilder prägten die Websites dieser Zeit stark. Die damals noch langsamen Modems konnten die GIFs – dank der geringen Dateigrösse – in einer vernünftigen Zeit laden.

Fast in der Versenkung verschwunden

Im nächsten Jahrzehnt bekam das Format Konkurrenz durch die neu entwickelte Jpeg-Kompression. Ebenfalls beanspruchte die Firma Unisys die Rechte für die GIF-Erstellung für sich und viele Webdesigner wechselten aus Protest zum ähnlichen PNG-Format.

Erst in den letzten Jahren und mit dem Aufkommen von Handys sind die Kurzanimationen wieder überall anzutreffen. Sie werden ähnlich wie Emojis zur Kommunikation genutzt, um Gefühle oder Stimmungen auszudrücken. GIFs als eine Art Sprache der neuen Generation.

Fokus auf Kurzanimationen

Andreia Pinto und ihre Agentur Klutoo haben die Zeichen der Zeit erkannt und sich ganz auf GIFs spezialisiert: «Wir sind im Alltag mittlerweile überall von digitalen Displays umgeben, die in der Lage sind, bewegte Inhalte wiederzugeben. Dementsprechend sahen wir es als logische Schlussfolgerung, den Schritt von der Fotografie, von der wir kommen, zu den animierten Medien zu machen.»

Es mache einfach Spass, mit dem Format umzugehen. Und auch der Medienkonsum habe sich verändert: «Der Mensch konsumiert mittlerweile viel mehr Inhalte, in kürzester Zeit. Dementsprechend ist die Bereitschaft, sich lange auf bestimmte Inhalte zu konzentrieren, extrem gesunken. In drei Sekunden muss das Interesse der Nutzer gepackt werden. Ein gut gemachtes GIF schafft das meistens.»

Die Nachfrage nach animierten GIFs werde auch von kommerzieller Seite immer grösser, obwohl noch einige Unsicherheit herrsche. Denn viele hätten gemerkt, dass man um dieses Thema heutzutage nicht herumkomme, um alle Formen der digitalen Welt nutzen zu können.

Auch in der Schweiz beliebt

Beim Fantoche, dem Schweizer Festival für Animationsfilm, wird den Animationen seit einigen Jahren ein eigenes Programm gewidmet. In «Smack my GIF up» werden die Animationen auf der grossen Leinwand gezeigt und live mit Musik unterlegt.

Kurator Pascal Etzensperger sieht sie als ein globales Phänomen. Seiner Ansicht nach, wird das Format nicht so schnell wieder verschwinden: «Ich denke, die GIFs werden, gerade auf den Smartphones, auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.» Zwar könnte «die Technik der GIFs irgendwann durch neue, ausgereiftere Formate abgelöst werden», das Grundprinzip dahinter bleibe aber dasselbe.

Kennen Sie sich mit GIFs aus? Beweisen Sie es in unserem Quiz.

Hier gibts noch weitere Quiz (funktioniert nur auf der App).

Erfolg mit 256 Farben

Das Bildformat .gif ist darauf optimiert, möglichst wenig Speicherplatz zu benötigen. Dies gelingt durch eine Reduktion auf nur 256 Farben. Zudem werden transparente Hintergründe unterstützt und es können mehrere Bilder in der gleichen Datei abgelegt werden, was eine Animation in Endlosschleife ergibt. Letzteres verhalf den Gifs wohl zu ihrem Erfolg. In einer Zeit, als die Bandbreite noch zu klein für Videos war, konnten so bewegte Bilder in Websites eingebaut werden.

«Smack my GIF up»

Das Fantoche (Internationales Festival für Animationsfilm) in Baden wird dieses Jahr vom 5. bis zum 10. September stattfinden. Das sich eigens den kurzen Animationen widmenden Programm heisst «Smack my GIF up» und wird am 6. September im Kulturhaus Royal gezeigt.

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