Enthüllungsbuch der Ex: Wie gross ist der Schaden für Hollande?

Publiziert

Enthüllungsbuch der ExWie gross ist der Schaden für Hollande?

Der sozialistische Präsident François Hollande bezeichnet arme Franzosen offenbar als «Zahnlose». Das schreibt seine Ex in ihrem Enthüllungsbuch. Fragt sich, wer am Schluss dümmer dasteht.

von
kle

Nächste Runde im Rosenkrieg zwischen dem französischen Präsidenten François Hollande und seiner einstigen Partnerin Valérie Trierweiler: Die Ex erzählt in ihrem Buch «Merci pour ce moment» von Hollandes spöttischen Bemerkungen über sozial schwache, ärmere Menschen: «Er, der Mann der Linken, spricht im Privaten von den ?Zahnlosen? und ist stolz auf seinen Humor.»

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Am Donnerstag schoss das Thema unter dem Hashtag #sensdents in die Trending Topics auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Benutzer posteten Bilder von zahnlosen Kindern oder bearbeiteten mit Photoshop das Lächeln des Präsidenten, die ihn nun ohne Zähne zeigten.

Äusserst unpopulär

Die grosse Wut der «Zahnlosen» steht in keinem Verhältnis zur Beliebtheit des Präsidenten. Laut «Les Echos» haben die Umfragewerte von François Hollande bei seinen Landsleuten einen neuen Tiefpunkt erreicht: Nur noch 13 Prozent der Franzosen würden dem Sozialisten ihr Vertrauen schenken, heisst es in einer Umfrage von TNS-Sofres.

Deswegen fragen sich französische Medien, ob die Enthüllungen der Ex den Politiker zu Fall bringen könnten. Der Kommunikationsfachmann Philippe Moreau-Chevrolet sagt gegenüber 20 Minutes, dass sich «die Franzosen fragen, wer überhaupt François Hollande ist». Während der Wahlkampagne habe der Sozialist noch gesagt: «Ich mag die Reichen nicht.»

Buch «mit Bosheit» geschrieben

In einer Umfrage der Zeitung «Le Parisien» geben indes fast 64 Prozent der Leser an, nicht von den Enthüllungen im Buch schockiert zu sein. Aus regierungsnahen Kreisen hatten zudem diverse Stimmen die Absichten Trierweilers kritisiert. «Das Buch ist ein riesiges Chaos zwischen Einblicken ins private und öffentliche Leben der beiden», meinte Bernard Poignant, ein Berater Hollandes, im Interview mit dem Sender Europe1.«Es ist peinlich», so Poignant weiter, und es sei «mit Bosheit» geschrieben worden.

Auch auf den sozialen Plattformen hat sich mittlerweile der Hohn etwas gelegt. Benutzer Seb Davies warnt: «Vergesst nicht, dass das Buch von seiner Ex-Frau geschrieben wurde.» Und Userin Vety ärgert sich: «Die Zahnlosen geben 20 Euro für das Buch der Kurtisane der Republik aus.»

Für die verschmähte Trierweiler könnte der Schuss tatsächlich nach hinten losgehen. In den Leserkommentaren von Spiegel Online etwa gerät die Präsidenten-Ex selbst unter Beschuss. Leserin Torkemada schreibt: «Madame Trierweiler hatte keine Probleme damit, mit Hollande eine Affäre zu beginnen, als dieser noch mit Ségolène Royal, der Mutter seiner vier Kinder, zusammen war.» Goonie2 doppelt nach: «Die Frau, die ihn als Macho bezeichnet, hatte offenbar nicht die Grösse und Stärke, ihn rechtzeitig zu verlassen. Es war doch wohl ihr eigener Machtwunsch, von dem sie sich dann leider verabschieden musste. Das schmerzte wohl am meisten (...).»

Angesichts der Aufregung über das Enthüllungsbuch treten substanzielle Themen vorerst in den Hintergrund. Eine Meldung des Nationalen Statistik-Amtes Insee besagt zum Beispiel, dass die Arbeitslosenquote in Frankreich kaum verändert auf Rekordniveau verharrt.

Ein Leser resümiert auf 20 Minutes, was er von den Diskussionen um das Buch hält: «Jetzt begreife ich, wieso es Frankreich so geht, wie es ihm geht.»

Deine Meinung