Aktualisiert 27.09.2013 22:19

Fragen zur ISSWie haben Astronauten Sex im All?

Die Frauen und Männer auf der Internationalen Raumstation ISS haben auch das Verlangen nach Zweisamkeit. Bloss ist dies gar nicht so einfach, weder praktisch noch theoretisch.

von
hae
Sex im Weltall: Theoretisch ist es möglich.

Sex im Weltall: Theoretisch ist es möglich.

Auf der ISS werden verschiedene Experimente durchgeführt. In Bezug auf das Ausleben der sexuellen Bedürfnisse konnte man jedoch nicht allzu experimentierfreudig sein – zu viele Kameras zerstören jegliche romantische Stimmung.

Doch ist es prinzipiell möglich, ein orbitales Schäferstündchen zu geniessen? Professor und Wissenschafts-Astronaut Ulrich Walter ist auf «N24» dieser Frage nachgegangen.

Der «Three Dolphins Club»

Theoretisch wurde diese Frage schon vor Jahren beantwortet. Der verstorbene Forscher Dr. Hans Guido Mutke, Gynäkologe und Mitbegründer der deutschen Luft- und Raumfahrtmedizin, war in den 90er Jahren ein weltweit führender Experte auf dem Gebiet der «Space Sexuality». Ausserdem war er Leiter des Studienkreises «Die Frau in der Luft und im Weltall».

Das grösste Problem, dem sich zwei Liebende im Weltall stellen müssen, ist das Prinzip des Rückstosses. Im schwerelosen Raum führen gegensätzlich ausgeführte Bewegungen dazu, dass die beteiligten Körper voneinander wegfliegen – was den Koitus erschwert. Nach Mutke gibt es zwei Möglichkeiten, eine in Anlehnung an den Liebesakt der Delphine benannte Variante namens «Three Dolphins Club»: Während sich zwei miteinander vergnügen, schiebt eine dritte Person das Paar stützend an.

Besonders auf der Mars-Mission wichtig

Doch ein Dreier ist nicht jedermans Sache, deswegen die andere Möglichkeit: Dafür wird eine APSA (Auxiliary Pole for Sexual Activites) benötigt. Dabei wird eine Person per Bauchgurt an eine Stange gebunden, während die andere, aktive Person sich etwa an Haltestangen an der Decke festhält.

Theoretisch ist der Liebesakt im Weltall möglich. Wichtig wird das Thema bei der Mars-Mission. Die Raumfahrer würden dann mindestens 501 Tage unterwegs sein.

Der Experte

Univ.-Prof. Prof. h.c. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Ulrich Walter Diplom-Physiker, Wissenschafts-Astronaut Herr Ulrich Walter, Jahrgang 1954, ist Ordinarius für Raumfahrttechnik an der Technischen Elite-Universität München. Nach dem Studium der Physik wurde er im Jahre 1987 ins Deutsche Astronautenteam berufen und trainierte bis zu seiner Shuttle Mission D-2, 26. April bis 6. Mai 1993, am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR, in Köln-Porz und am Raumfahrtzentrum der NASA in Houston. Seit März 2003 leitet er den Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München und lehrt und forscht im Bereich Raumfahrttechnologie und Systemtechnik. Seine Schwerpunkte sind Echtzeit-Robotik im Weltraum, Intersatelliten-Kommu­nikations-Technologien, Technologien für planetare Erkundungen und Systemmodellierung und -optimierung. (N24)

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