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SF-Serie KriminalfälleWie Hundebisse die Schweiz veränderten

Drei Pitbull-Terrier zerfleischen am 1. Dezember 2005 in Oberglatt den 6-jährigen Süleyman. Ein Dokumentarfilm des SF zeigt den tragischen Fall, die Folgen - und was der Hundehalter heute darüber denkt.

von
meg
Hundehalter M. C. (rechts) und seine Ex-Freundin vor Gericht.

Hundehalter M. C. (rechts) und seine Ex-Freundin vor Gericht.

Fast fünf Jahre sind vergangen. Doch das schreckliche Ereignis kann Francesca von Capelle nicht vergessen. Sie erinnert sich genau an «das Kind ohne Gesicht, die Hunde, das Geräusch: Das Schlecken, Schmatzen, Knurren. Die Köpfe voller Blut».

Francesca von Capelle war Augenzeugin, als am 1. Dezember 2005 drei Pitbull-Terrier in Oberglatt den kleinen Süleyman zerfleischten. Im Dokumentarfilm «Die Trägheit des Pitbull-Halters», der heute Abend auf SF 1 gezeigt wird, spricht sie noch einmal über den Moment, als sie Süleyman helfen wollte. Es ist der Moment im Film, wo einem die ganze Schrecklichkeit der Hundeattacke auf den 6-Jährigen bewusst wird.

Bis heute uneinsichtig

Auch zu Wort kommt im Film Hundehalter M. C. Fünf Jahre später zeigt er noch immer keine Einsicht. «Ich weiss nicht, was wir für einen Fehler gemacht haben», sagt er Filmautorin Fiona Strebel am Telefon. Die Uneinsichtigkeit des Hundehalters ist fast ebenso erschreckend wie der Fall. M. C. lebt inzwischen wieder bei seiner Mutter in Italien. Er wurde zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und mit einem fünfjährigen Einreiseverbot belegt, das noch bis 2012 gilt.

Nur einmal sagt er: «Wenn man besser aufgepasst hätte, wäre das gar nie passiert.» Aber M. C. hat nicht aufgepasst. Er hat seine Pitbull-Terrier am Morgen der Attacke in einen selbst gebastelten Verschlag gesteckt. Die Hunde, die für 1500 Franken hätten verkauft werden sollen, nahmen Reissaus. An Menschen waren sie sich nicht gewöhnt. Süleyman hatte keine Chance.

Verbot von Kampfhunden

Der Fall Süleyman sorgte wochenlang für Schlagzeilen. Die Stimmbevölkerung des Kantons Zürich stimmte als Folge einem Verbot von gefährlichen Hunderassen zu, das seit Anfang 2010 in Kraft ist. Der Ständerat stimmte im Frühling einem gesamtschweizerischen Gesetz zu, das den Umgang mit gefährlichen Hunden regeln soll. Der Nationalrat wird voraussichtlich im Herbst darüber entscheiden.

M. C. züchtet in Italien wieder Hunde. Francesca von Capelle hat wenige Monate nach dem Vorfall einen Hund gekauft. Ihre Tochter Leonie, die die Attacke ebenfalls gesehen hatte, konnte aus Angst nicht mehr in die Schule laufen. «Jedes Mal, wenn ich einen Hund gesehen habe, bekam ich Angst und bin wieder nach Hause gerannt», sagt sie im Film. Die Angst hat sie mit dem Hund überwunden.

Der Dokumentarfilm ist der erste Teil der Serie «Kriminalfälle – die 7 Todsünden». Der Zusammenhang zwischen der Todsünde Trägheit und der Pitbull-Attacke ist allerdings arg konstruiert.

SF-SommerserieIn einer siebenteiligen Dok-Serie zeigt das Schweizer Fernsehen Kriminalfälle, die die Schweiz bewegten. Unter dem Titel «Die 7 Todsünden» werden ab 8. Juli jeden Donnerstag um 21.10 Uhr auf SF1 alte Fälle neu aufgerollt.

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