Aquariumbau-Spezialist: Löste eine Unebenheit im Boden das Berliner Aquariums-Unglück aus? 

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Aquariumbau-SpezialistLöste eine Unebenheit im Boden das Berliner Aquariums-Unglück aus? 

Der Architekt schloss ein Unglück bei der Erbauung des Aqua Dom im Sea Life 2003 noch aus . Dennoch ist das Grossaquarium in Berlin jetzt regelrecht explodiert. Die Rede ist von Materialermüdung. Ein Aquariumbau-Spezialist sieht das anders. 

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Das Grossaquarium nahe dem Berliner Dom ist regelrecht explodiert.

Das Grossaquarium nahe dem Berliner Dom ist regelrecht explodiert.

Niklas Scheele via REUTERS
Die Touristenattraktion war 16 Meter hoch, hatte einen Durchmesser von 11,5 Metern und fasste eine Million Liter Wasser. 1500 exotische Fische lebten darin. 

Die Touristenattraktion war 16 Meter hoch, hatte einen Durchmesser von 11,5 Metern und fasste eine Million Liter Wasser. 1500 exotische Fische lebten darin. 

AFP
Bei der heftigen Explosion wurden Teile des umgebenden Hotels beschädigt.

Bei der heftigen Explosion wurden Teile des umgebenden Hotels beschädigt.

REUTERS

Darum gehts 

  • Die Berliner Touristenattraktion, das Grossaquarium Aqua Dom, im Sea Life mit 1500 Fischen ist geplatzt.

  • Die Explosion war so gewaltig, dass Seismografen ausschlugen. 

  • Die Ursache ist laut Polizei noch unklar. Spekuliert wird aber über eine Materialermüdung.

  • Das Grossaquarium mit einer Million Liter Wasser war eben erst saniert worden. 

  • Ein Aquariumbau-Spezialist sieht aber einen anderen Grund: Verziehung durch Unebenheiten am Boden.

16 Meter hoch, ein Durchmesser von 11,5 Metern, eine Million Liter Salzwasser, 1500 Fische aus über 100 verschiedenen Arten – der Aqua Dom im Sea Life in Berlin ist nach Angaben der Betreiber das grösste frei stehende Aquarium der Welt. 

Am frühen Freitagmorgen explodierte das Grossaquarium regelrecht – mit einem solchen Druck, dass Türen und Fenster zerbarsten und Trümmerteile auf die Strasse geschleudert wurden. So gewaltig war die Explosion, dass selbst Seismografen in Berlin ausschlugen. Die Ursache für den Unfall war zunächst unklar.

1000 Tonnen Gesamtgewicht

Das Aquarium, 2020 umfassend saniert, hat ein Gesamtgewicht etwa 1000 Tonnen und ein Becken aus bis zu 20 Zentimeter dickem Acrylglas. Dass es zu solchen Unfall kommen könnte, schien 2003 bei der Erbauung noch undenkbar. «Solche Art Hollywood-Szenarien oder Worst-Case-Szenarien könnten hier nicht stattfinden», sagte Architekt Michael Jessing damals. 

«Es ist so, dass man mit Handfeuerwaffen oder ähnlichem maximal ein kleines Loch zufügen könnte, wo dann gegebenenfalls ein wenig Wasser rauskommt, aber nicht den ganzen Zylinder zum Platzen zu bringen», zitiert ihn Spiegel.de mit Verweis auf Archivmaterial. Auf Anfrage von 20 Minuten wollte sich sein  Architekturbüro nichht äussern.

«Solche Art Hollywood-Szenarien könnten nicht stattfinden»

»Es ist so, dass man mit Handfeuerwaffen oder ähnlichem maximal ein kleines Loch zufügen könnte, wo dann ggf. ein wenig Wasser rauskommt, aber nicht den ganzen Zylinder zum Platzen zu bringen. Also solche Art Hollywood-Szenarien oder Worst-Case-Szenarien könnten hier nicht stattfinden.«

Das Aquadom war nach Angaben der Betreiber das »größte, zylindrische freistehende Aquarium der Welt«. Gefüllt war das Becken mit einer Million Liter Salzwasser – Gesamtgewicht etwa 1000 Tonnen.

Schon ist von Materialermüdung die Rede, obwohl «der Aqua Dom erst im Sommer nach einer 2,5 Jahre langen Sanierung (Kosten: 2,6 Mio. Euro) wieder eröffnet» worden sei, wie die «Bild»-Zeitung schreibt. «Die Ermittlungen zur Ursache sind natürlich noch nicht abgeschlossen, erste Anzeichen deuten jedoch auf eine Materialermüdung hin», sagte auch Berlins Innensenatorin Iris Spranger.

Verziehung am Boden als Ursache? 

Das sieht Bastian Trapp vom Aquariumbau-Spezialisten Reefolution etwas anders. «Ein Aquarium kann aus verschiedenen Gründen platzen. Ein Materialschaden ist eher unwahrscheinlich – da müsste massiv an Kosten gespart worden sein», sagt er zu 20 Minuten. Natürlich müsse man wissen, welches Material verwendet wurde und wie das Aquarium konstruiert wurde.

Doch Trapp vermutet, dass Unebenheiten im Untergrund die Ursache für das Unglück sind. «Jeder Zentimeter, bei dem das Becken in eine Richtung schief steht, erhöht den Druck auf eine Scheibe stark. Dieses Aquarium fasst eine Million Liter Wasser. Doch schon bei einem Aquarium mit 200 Litern Wasser kann sich der Druck um das Zehnfache erhöhen – das hält auf die Dauer keine Scheibe aus.» 

«Schiere Kraft und die Temperaturen»

Nach Polizeiangaben wurden zwei Menschen verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Die meisten, wenn nicht alle, der 1500 exotischen Fische sollen verendet sein. 

Auf die Fische angesprochen, meinte Berlins Innensenatorin Iris Spranger: «Mit Blick auf die schiere Kraft, die gewirkt hat und die Temperaturen fürchte ich leider das Schlimmste, was die Tiere betrifft.»

Nun gehe es darum, die Schäden zu erfassen und die erforderlichen Sicherheitsmassnahmen zu ergreifen, so Spranger. So müssten Gebäude und Verkehrswege geprüft werden. Den beiden Verletzten wünsche sie eine schnelle Genesung. 

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(gux)

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