Aktualisiert 18.05.2016 12:31

Doktor Sex

«Wie kann ich ihn für ein zweites Kind gewinnen?»

Was die Familienplanung angeht, sind Laura und ihr Freund uneins: Sie besteht auf einer Abmachung, er wirft ihr vor, den Haushalt nicht im Griff zu haben.

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Eine perfekt gestaltete Familienplanung ist nahezu unmöglich: Schon ein Kind kann ganz schön anstrengend sein. (Szene aus «Life as we know it», Warner Bros. Pictures)

Eine perfekt gestaltete Familienplanung ist nahezu unmöglich: Schon ein Kind kann ganz schön anstrengend sein. (Szene aus «Life as we know it», Warner Bros. Pictures)

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Frage von Laura (32) an Doktor Sex: Mein Freund und ich sind nun seit 13 Jahren ein Paar und seit gut einem Jahr Eltern. Unser Sohn war nicht geplant, da ich noch im Studium war und mein Partner kurz vor der Schwangerschaft seinen ersten Job angenommen hatte. Trotz finanzieller Engpässe sind wir aber sehr glücklich. Nun hätte ich jedoch sehr gerne bald ein zweites Kind, da ich keinen allzu grossen Abstand haben möchte.

Bis zur Geburt waren wir uns immer einig, dass wir zwei Kinder haben werden. Jedoch stellt mein Freund dies nun infrage. Seine Begründung: Ich hätte den Haushalt nicht im Griff (was mich sehr trifft, weil ich trotz Job sehr viel mache), sei immerzu müde und die Schwangerschaft sei sehr schwierig gewesen, da ich unter Schwangerschaftserbrechen und anderen gesundheitlichen Problemen gelitten habe. Unsere finanzielle Lage wird sich in absehbarer Zeit kaum wirklich verbessern, da sich mein Freund zwischenzeitlich selbstständig machte.

In unserer Wohnung ist aber Platz genug und wir verfügen über ein grosses soziales Umfeld, sodass wir ein zweites Kind ohne Probleme versorgen könnten. Da ich unregelmässig arbeite und die Grosseltern hüten, kann unser Sohn aber nicht viel mit anderen Kindern spielen, obwohl er dies gerne tut. Das macht mich traurig. Wie kann ich meinen Freund für ein zweites Kind gewinnen? Wie finden wir einen Weg, mit dem wir beide glücklich sind? Jedes Mal, wenn ich ihn darauf anspreche, blockt er ab.

Antwort von Doktor Sex

Liebe Laura

Die Familienplanung so zu gestalten, dass alles perfekt aufgeht, ist nahezu unmöglich, denn es gibt immer etwas, das nicht ideal zum entworfenen Ablauf passt. Es macht daher Sinn, ein in der Vergangenheit festgelegtes Vorgehen mit der aktuellen Situation zu konfrontieren und zu prüfen, ob dieses immer noch sinnvoll ist. Jetzt einfach stur eine Idee zu verwirklichen, die ihr zu einem früheren Zeitpunkt im Leben hattet, scheint mir unpassend. In ein paar Jahren wird sich die finanzielle Situation sicher verändert haben. Die Wohnung wird auch dann noch gross genug sein für ein weiteres Kind, jedoch besser bezahlbar. Und Spielkameraden und -kameradinnen für euren Sohn zu finden, dürfte angesichts des grossen sozialen Umfelds nicht wirklich schwierig sein.

Du scheinst blindwütig und aus Prinzip radikal am Zwei-Kinder-Konzept festzuhalten, während dein Partner mit Blick auf die Realität Vorbehalte äussert und die alte Idee infrage stellt. Dadurch machst du den Raum für ein entspanntes Gespräch sehr eng und setzt Druck auf. Indem du die Sache auch noch mit dem Bedürfnis eures Sohnes nach Spielgefährten verknüpfst und diese wiederum mit deiner Trauer über den Umstand verbindest, dass er ein Einzelkind ist, lädst du das Ganze zudem sehr stark emotional auf.

Bedenke, dass ihr beide mit einem zweiten Kind und den damit einhergehenden Veränderungen würdet leben können müssen. Im Moment scheint ihr aber nicht auf der Suche nach gemeinsamen Lösungen, sondern in einen Machtkampf verwickelt zu sein, der sich zuspitzt: In dem Mass, wie du deinen Partner emotional unter Druck setzt, macht er das Gleiche auf der rationalen Ebene – beide mit dem Ziel, das Gegenüber so auszuhebeln. Sinnvoller als dieses Hickhack und das Verfolgen von Eigeninteressen wäre ein Gespräch, in dem ihr die Sache auch aus der Paarperspektive betrachtet und euch beiden das Recht einräumt, Argumente für und gegen weiteren Nachwuchs haben zu dürfen.

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