Doktor Sex: «Wie kann ich ihr helfen, die Scheidung zu überwinden?»
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Doktor Sex«Wie kann ich ihr helfen, die Scheidung zu überwinden?»

Pierre möchte seiner Freundin helfen. Jedoch ist er dabei nicht erfolgreich. Immer wieder wird sie von dunklen Gefühlen heimgesucht und zieht sich tagelang zurück.

von
Bruno Wermuth
Pierres Freundin leidet noch immer unter der Scheidung von ihrem Ex. Dr. Sex weiss Rat.

Pierres Freundin leidet noch immer unter der Scheidung von ihrem Ex. Dr. Sex weiss Rat.

Andre Furtado / Pexels

Frage von Pierre (47) an Doktor Sex

Ich habe seit vier Jahren eine Freundin. Vorher war sie zehn Jahre lang verheiratet. Noch immer plagt sie die Scheidung so sehr, dass sie mir nicht sagen oder schreiben kann, was sie für mich empfindet. Jedes Mal, wenn sich die Trennung jährt, fällt sie in ein grosses Loch und will mit niemandem mehr reden.

Ich liebe sie und würde alles für sie tun! Immer wieder sage ich ihr das, und dass ich ihr helfen will und sie doch positive Gedanken in den Vordergrund stellen soll. Aber ich habe einfach keine Chance gegen die schwarzen Wolken, die sie dann umhüllen.

Sie sagt immer wieder, es sei für sie zu viel, was ich ihr sage und an Liebe und Zuneigung gebe. Damit könne sie nicht auch noch fertig werden. Danach zieht sie sich für zwei Wochen zurück und wir schreiben einander nur noch. Wie kann ich meiner Freundin helfen, damit sie aus dieser Negativspirale herausfindet?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Pierre

In einer Beziehung zu erleben, dass der geliebte Mensch psychische Probleme hat und man als Partner*in nichts tun kann, führt bei vielen Betroffenen zu Ohnmachtsgefühlen. Auf Dauer kann ein solcher Zustand die Partnerschaft so massiv belasten, dass sie daran zerbricht. Damit es bei euch nicht so weit kommt, solltet ihr aktiv werden.

Es ist offensichtlich, dass deine Freundin ihre Ehe und deren Ende noch nicht verarbeitet hat. Die Symptome, die du beschreibst, tönen nach sich wiederholenden depressiven Episoden. Möglicherweise leidet sie sogar an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Du befindest dich in einer verzwickten Situation, denn als Partner kannst du deiner Freundin nicht gleichzeitig Therapeut und Geliebter sein. Es ist daher unumgänglich, dass sie sich externe Unterstützung bei einer Fachperson holt. Dies kann ein*e Psychiater*in oder ein*e Psycholog*in sein.

Häufig stehen am Anfang einer depressiven Episode belastende Ereignisse oder Situationen. Abhängig von der Anzahl der Symptome und deren Schweregrad, werden sie unterteilt in leichte, mittelgradige oder schwere Formen. Zusammensetzung und Intensität können von Person zu Person sehr verschieden sein. Entsprechend individuell gestaltet sich die Behandlung.

Zur Therapie können Psychotherapie, stimmungsaufhellende Medikamente, Stressbewältigungsverfahren, Entspannungstechniken und komplementärmedizinische Methoden wie Akupunktur, Shiatsu oder Pflanzenmedizin eingesetzt werden. Bei sehr schweren Fällen ist manchmal ein Klinikaufenthalt notwendig. Ein solcher scheint mir bei deiner Freundin jedoch nicht angezeigt. Alles Gute! 

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Bruno Wermuth führt in eigener Praxis in Bern und Zürich Paarberatung und Sexualberatung durch. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sexualität. www.brunowermuth.ch

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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