Aktualisiert 09.11.2020 18:44

Doktor Sex«Wie kann ich ihr Sex schmackhaft machen?»

Ron möchte nach fünf Monaten Beziehung einen Schritt weiter gehen und körperlich intim werden. Leider steigt seine Freundin aber nicht auf seinen Wunsch ein.

von
Bruno Wermuth
Ron soll sich dem anzunähern und geniessen, was möglich ist.

Ron soll sich dem anzunähern und geniessen, was möglich ist.

Istock

Frage von Ron (20) an Doktor Sex

Ich (20) bin jetzt schon fünf Monate mit meiner Freundin zusammen und möchte nun gerne einen Schritt weiter gehen und Sex haben mit ihr. Körperliche Intimität ist für mich nämlich sehr wichtig! Und alle meine Freunde erzählen, dass sie schon viel früher Sex hatten und nicht erst nach einem halben Jahr.

Leider geht sie aber überhaupt nicht auf meinen Wunsch ein und möchte «es» hinausschieben. Sie ist eine zurückhaltende Person und ich möchte so gerne, dass sie sich mehr öffnet. Aber mir ist auch klar, dass ich sie nicht drängen darf. Das will ich auch nicht!

Was mich am meisten frustriert, ist, dass ich gefühlt gegen eine Wand rede. Hast du vielleicht Tipps, wie ich ihr Sex schmackhaft machen könnte ohne sie unter Druck zu setzen und dass sie vielleicht auch mal von sich aus einen Schritt macht?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Ron

Beim Sprechen über Sex werden manchmal seltsame Analogien verwendet. Eine verbreitete ist, körperliche Intimität mit Essen in Zusammenhang zu bringen, was zu Formulierungen führt wie du sie benutzt: «jemandem Sex schmackhaft machen».

Damit wird impliziert, mit dem Sex sei es – ähnlich wie mit dem Essen von Gemüse bei kleinen Kindern – nur eine Frage der Zeit, bis man auf den Geschmack kommt und ihn dann geniessen kann. So geht das aber eben nicht!

Manche Menschen leben zum Beispiel gut ihr ganzes Leben ohne Sex. Sie verlieben sich zwar und einige drücken diese Liebe auch mit Zärtlichkeiten und körperlicher Nähe aus, aber von dem, was gemeinhin als Sex bezeichnet wird, fühlen sie sich nicht angezogen.

Damit will ich nicht behaupten, deine Freundin sei asexuell – so wird diese Veranlagung in der Fachsprache bezeichnet –, jedoch empfehle ich dir, diese Möglichkeit einfach mal mitzudenken.

Offensichtlich ist, dass es für sie eine Herausforderung ist, sich körperlich auf dich einzulassen. Und indem du dich so offensiv gibst, wie deine Zeilen vermuten lassen, machst du es ihr noch zusätzlich schwierig.

Was deine Freunde sagen oder du irgendwo gelesen hast, ist völlig unwichtig. Es geht einzig um das, was zwischen dir und deiner Freundin möglich ist. Ich bin sicher, sie wird sich entspannen, wenn du ihr zeigst, dass es dir nicht einfach nur darum geht, endlich Sex haben zu können.

Wichtig scheint mir, den Weg als Ziel zu sehen und die einzelnen Schritte auf diesem zu geniessen. Vielleicht hilft dir das Bild, dass es sich dabei um eine Entdeckungsreise nicht nur zum Körper, sondern zum gesamten Wesen deiner Freundin handelt.

Hilfreich ist, sich dem anzunähern und das zu geniessen, was möglich ist. So kann Vertrauen entstehen, und dieses wiederum ermöglicht, einen nächsten kleinen Schritt weiter zu gehen. So wird sich euch nach und nach eure ganze eigene Welt von Intimität und Sexualität erschliessen. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex

Hast du eine Frage zu deinem Sexualleben? Leidest du an Liebeskummer oder plagen dich Beziehungsprobleme? Bruno Wermuth hilft dir weiter!
Du kannst deine Frage per Formular oder per Email an doktor.sex@20minuten.ch schicken.

Bild: Gian Losinger

Bild: Gian Losinger

Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch

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